Zwischen Neckar und Alb

Maschinenbau fährt volle Kraft voraus

Jubiläum Die Fakultät an der Esslinger Hochschule wird 150 Jahre alt, gilt aber als dynamischster Bereich der Hochschule. Grund dafür sind Innovationen und die Anpassung an die Digitalisierung. Von Melanie Braun

Das Prüflabor der Maschinenbauer sah im Jahr 1918 noch etwas anders aus. Foto: Hochschule Esslingen

Wer heute Maschinenbau-Ingenieur wird, kann im Zweifelsfall sein ganzes Arbeitsleben hinter sich bringen, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Denn vieles in der Branche läuft inzwischen digital. Eigentlich unvorstellbar, als vor 150 Jahren der Grundstein für die heutige Fakultät Maschinenbau der Hochschule Esslingen gelegt wurde. Aber auch sonst hat sich vieles geändert. Doch anlässlich des Jubiläums will die Hochschule nicht nur zurück-, sondern vor allem vorausschauen.

Allerdings steht die Fakultät in naher Zukunft vor großen Herausforderungen - nicht nur, was die Digitalisierung betrifft. Erst im Jahr 2014 hat die Hochschule Esslingen ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert, im November feiert sie nun 150 Jahre Fakultät Maschinenbau - die heutige Hochschule ging einst nämlich aus der 1868 eingerichteten Maschinenbauschule hervor. Die Schule war zunächst eine Abteilung der Königlichen Baugewerkeschule in Stuttgart.

Innovationen stets im Blick

Mit der Zeit habe man sich immer mehr zur wissenschaftlichen Hochschule weiterentwickelt, sagt Rektor Christian Maercker. Zudem seien neue Fakultäten hinzugekommen. Am dynamischsten sei aber die Fakultät Maschinenbau, schildert Maercker: „Sie schafft es in besonderem Maße, die Trends der Zeit aufzugreifen.“ Ob beim Thema Nachhaltigkeit, bei der Industrie 4.0 oder im Hinblick auf neue Formen der Mobilität: Die Maschinenbauer versuchen stets, ganz vorn dabei zu sein. Derzeit sei man in Verhandlungen für ein neues Innovationszentrum im einstigen Eisenbahnausbesserungswerk. Es reiche nicht mehr, sich auf technische Aspekte zu konzentrieren, man müsse auch den gesellschaftlichen Wandel im Blick haben. Es sei wichtig, die Bereiche Technik und Sozialwissenschaften zusammenzubringen. Das findet auch Steffen Greuling, Dekan der Fakultät Maschinenbau: „Die klassische Trennung dieser einzelnen Bereiche gibt es im Berufsleben kaum noch.“

Als Kaderschmiede beliebt

Ohnehin werde die Vernetzung zu lokalen Unternehmen für die Fakultät immer wichtiger. Darüber hinaus legt man einen starken Fokus auf die Anwendung des Gelernten. Das wird von den Studierenden angenommen: „Es gibt einen großen Bezug zur Praxis“, lobt Clemens Leopold, einer der rund 720 Maschinenbau-Studenten. Obwohl die Hochschule auch als Kaderschmiede für die Automobilindustrie gilt, sind laut Alexander Friedrich, Prodekan der Fakultät Maschinenbau, derzeit keine Auswirkungen der aktuellen Krise der Autobauer zu verzeichnen. Das liege auch daran, dass die Maschinenbauer breit aufgestellt seien und es zig potenzielle Arbeitgeber anderer Branchen in der Region gebe, glaubt der Prodekan.

foto: roberto bulgrin16. 10. 2018Esslingen, Hochschule Innenstadt, Fototermin Gebäude 9, Labor 9.004 (EG)  - Fakultaet Maschinen
Im aktuellen Labor stehen Rektor Christian Maercker, Dekan Steffen Greuling, Prodekan Alexander Friedrich und Student Clemens Leopold (von links) vor einer hochmodernen Laserschneidemaschine. Foto: Bulgrin

Neuerungen fürs Studium sind geplant

Esslingen. Trotz aller Beliebtheit bei den Studierenden und den lokalen Unternehmen hat die Fakultät Maschinenbau an der Esslinger Hochschule auch mit aktuellen Problemen im Alltag zu kämpfen. „Wir stellen nämlich fest, dass es den Studierenden seit einigen Jahren deutlich schwerer fällt, nach der Schule in das Studium hinein zu finden“, schildert Alexander Friedrich, Prodekan der Fakultät Maschinenbau. Man führe dies in erster Linie auf das veränderte Schulsystem in Baden-Württemberg zurück. „Viele sind trotz Hochschulzugangsberechtigung nicht mehr sofort studierfähig.“ Weil die Studienleitung feststellt, dass die ersten zwei Semester für die Neueinsteiger oftmals zu schwer sind, überlegt man, ein sogenanntes „0. Semester“ einzuführen, also ein Vorsemester.

Hilfe bei der Integration

Außerdem hat die Hochschule Esslingen vor zwei Jahren angefangen, einen Willkommenstag in der Fakultät Maschinenbau anzubieten, an dem sich alle neuen Studenten in Kleingruppen bei verschiedenen Aktivitäten kennenlernen können. „Wir wollen bei der Gruppenbildung und Integration nachhelfen, weil wir feststellen, dass diese nicht mehr so sehr stattfinden“, erklärt Alexander Friedrich. mb

Anzeige