Zwischen Neckar und Alb

Matthias Gastel will ganz Deutschland besser vertakten

Wahlkampf Der Nürtinger Grünen-Abgeordnete stellt seine Themen für die Bundestagswahl im September vor.

Ökologisch: ein besserer ÖPNV. Symbolbild

Nürtingen. Matthias Gastel hat sich als Bundestagsabgeordneter der Grünen für den Wahlkreis Nürtingen - und damit auch für Kirchheim und Umgebung - als bahnpolitischer Sprecher seiner Fraktion einen Namen gemacht. Die Verkehrspolitik steht deswegen im Mittelpunkt seines Wahlkampfs. Er plädiert dafür, mehr Güter auf die Schiene zu bringen, die barrierefreie Mobilität zu verbessern und deutschlandweit Fahrradschnellwege einzuführen.

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„Wir brauchen die Verkehrswende“, sagte Matthias Gastel ­gestern bei einem Pressegespräch in Nürtingen. Es gehe dabei nicht nur um alternative Antriebsformen für Autos, sondern auch um Alternativen zum Auto selbst, in Form von Bus und Bahn sowie in Form von mehr Radverkehr. Sein großes Ziel für die Bahn ist ein „Deutschlandtakt“. Dafür seien „Knotenbahnhöfe mit optimierten Umsteigemöglichkeiten“ auszubauen. Wegen der großen Investitionen in die Infrastruktur lasse sich das nur schrittweise entwickeln. „Das dauert bestimmt 20 Jahre oder mehr“, betont er, verweist aber gleichzeitig darauf, dass das System in der Schweiz heute bereits bestens funktioniert.

Entscheidend ist das Umsteigen

Am Ende kommt wohl so etwas wie eine überdimensionierte ­U-Bahn heraus, die alle Regionen Deutschlands miteinander verbindet. Entscheidend ist das schnelle und reibungslose Umsteigen. Matthias Gastel beklagt: „Wir haben Milliarden für Hochgeschwindigkeitszüge ausgegeben, die Gesamtreisezeiten dadurch aber nicht entscheidend verringert.“ Häufig müsse der Anschlusszug zwei Minuten früher wegfahren, nur um das Gleis freizumachen für den nächsten Zug. Bei den vertakteten Knotenbahnhöfen sei zumindest dieses Kapazitätsproblem gelöst.

Außer dem Verkehr sieht Matthias Gastel für den Wahlkampf zwei weitere große Themenkomplexe: die Gerechtigkeit und die offene Gesellschaft. Bei der Gerechtigkeit denkt er zunächst an die Rentenpolitik: „Wir müssen Renten gewährleisten, von denen die Menschen leben können.“ Wenn die Politik zusätzlich eine Mütterrente oder die Rente mit 63 einführt, müsse sie das über die Steuer finanzieren. „Machen wir das nicht über die Steuer, steigen die Beiträge, oder es sinkt die Rente.“ Grundsätzlich fordert er eine steuerfinanzierte Grundrente von 900 Euro, bei der weder private noch betriebliche Vorsorge eingerechnet werden dürfe.

Außerdem sei eine Bürgerversicherung zu schaffen. In einem ersten Schritt sollten Abgeordnete, Minijobber und Selbstständige in die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung einzahlen, in einem zweiten dann sogar die Beamten. „Das würde das System auf eine breitere und vor allem solidarischere Grundlage stellen.“

Pressefreiheit stärken

Zur offenen Gesellschaft gehören für Matthias Gastel die Religions-, die Meinungs- und die Pressefreiheit: „Die Freiheit hängt davon ab, dass die Menschen verantwortungsbewusst damit umgehen. Das muss gelernt werden.“ Die Zuwanderung will er besser regeln, und zwar gemeinsam mit Gewerkschaften und Arbeitgebervertretern. Abhängig vom Arbeitsmarkt seien Quoten festzulegen, „welche Menschen mit welcher Qualifikation in welcher Anzahl nach Deutschland kommen können“. Diese Arbeitsmigration sei klar von Asyl und Flucht zu trennen.

Vor Koalitionsaussagen scheut Matthias Gastel zurück: „Da sollte man sich nicht binden.“ Die größte Schnittmenge der Grünen sieht er gleichwohl mit der SPD. Seine persönlichen Chancen, sein Mandat zu behalten, schätzt er nicht schlechter ein als bei der letzten Bundestagswahl. Er steht wieder auf Listenplatz 10, und die Grünen liegen bei Umfragen im Bundesdurchschnitt zwischen acht und neun Prozent. 8,4 Prozent hatte es 2013 gegeben. Ideal wäre es für ihn, wenn die CDU alle Direktmandate in Baden-Württemberg holt - „aber mit einem möglichst schlechten Ergebnis“. Dann gäbe es umso mehr Ausgleichsmandate für die anderen Parteien, auch für die Grünen.Andreas Volz