Zwischen Neckar und Alb

Mehr Verkehr in den Köpfen

Mobilität Die Grünen im Kreis wollen vor den Kommunalwahlen im kommenden Jahr eine breite verkehrspolitische Debatte anstoßen. Im Herbst sind fünf Regionalkonferenzen zum Thema geplant. Von Bernd Köble

Alltag auf den Straßen im Kreis: Wer mit dem Auto vorankommen will, braucht viel Geduld.Archiv-Foto: Roberto Bulgrin
Alltag auf den Straßen im Kreis: Wer mit dem Auto vorankommen will, braucht viel Geduld.Archiv-Foto: Roberto Bulgrin

Fliegen ist bekanntermaßen die umweltschädlichste aller Arten zu reisen. Und doch: Auch als Grünen-Politiker kommt man nicht umhin. Insofern steckt auch ein Stückchen Eigenutz darin, wenn sich Andreas Schwarz, Fraktionschef im Landtag, für eine bessere Anbindung seiner Heimatstadt Kirchheim an den Flughafen stark macht. Einer von vielen Eckpunkten grüner Politik auf dem Weg zu den Kommunalwahlen im kommenden Jahr. Beim Urnengang am 26. Mai werden im Land die Bürgervertreter in Gemeinderäte und Kreistage gewählt, und die Grünen im Kreis haben sich jetzt auf ein Schwerpunktthema festgelegt: die Verkehrspolitik. Um grüne Mobilität soll es im Herbst in fünf Regionalkonferenzen gehen, die von September bis November in den Großen Kreisstädten, darunter auch in Kirchheim, stattfinden werden. Die Ergebnisse fließen ein in die Wahlprogramme kommendes Frühjahr.

Gut, aber nicht gut genug - Mit der Qualität seines Bus- und Schienenangebots sieht Andreas Schwarz den Kreis landesweit mit an der Spitze. Trotzdem gehören Verkehrschaos und dicke Luft auf den Straßen hier zum Alltag. Angebot, Qualität, Preis - an diesen drei Stellschrauben wollen die Grünen drehen, um den Nahverkehr als Alternative für Pendler attraktiver zu machen. Der 15-Minuten-Takt der S-Bahn, mehr Tempo auf der Teckbahn und freie Fahrt für Expressbusse wie sie auf dem Weg zum Flughafen verkehren, sollen den Umstieg erleichtern. Erhalt und Modernisierung des Straßennetzes bleibt neben dem Bau von Radschnellwegen zwar ein Eckpfeiler, allerdings mit Einschränkungen. Ein rascher Ausbau der A 8 am Albaufstieg findet grüne Unterstützung, weil dadurch Ausweichstrecken wie durch Weilheim oder das Lenninger Tal entlastet würden, sagt Schwarz. „Der Ausbau der B 10 hingegen ist eine Chimäre. Dazu kommt von uns ein klares Nein.“

Mit dem Wunsch, eine breite Diskussion in sämtlichen Gremien zu befeuern, begründet Marianne Erdrich-Sommer, Fraktionschefin im Esslinger Kreistag, den frühen Einstieg in die Wahlperiode. „Wir wollen jetzt schon gehört werden, bevor der neue Nahverkehrsplan in der Region diskutiert wird.“ Die im Frühjahr beschlossene Tarifreform sei zwar ein Erfolg, sagt sie. „Klar ist aber auch: Bus und Bahn sind noch immer viel zu teuer.“

Anzeige