Zwischen Neckar und Alb

Mit der „Walküre“ im Wüstenstaat

Musik Der Köngener Geiger Joachim Ulbrich hat mit dem Bayreuther Festspielorchester Richard Wagners berühmtes Werk in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Arabischen Emirate, aufgeführt. Von Elisabeth Maier

Wagners Oper „Die Walküre“ in konzertanter Fassung Mit Videosequenzen in Abu Dhabi.Foto: Flash Entertainment
Wagners Oper „Die Walküre“ in konzertanter Fassung Mit Videosequenzen in Abu Dhabi.Foto: Flash Entertainment

Dass Richard Wagners „Walküre“ in einem Wüstenstaat erklingt, ist kein alltägliches Ereignis. Möglich gemacht hat es das Bayreuther Festspielorchester in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Mit dabei: der Köngener Geiger Joachim Ulbrich, der seit 1999 zu dem weltberühmten Orchester gehört.

„Das war für uns ein spannender Kulturaustausch“, findet Ulbrich, der die Streicherabteilung der Musikakademie in Villingen-Schwenningen leitet und in Köngen mit seiner Frau Eve-Marie die „Grinio-Akademie“ aufgebaut hat. Eine knappe Woche hatten Orchester und Gesangssolisten Zeit, sich auf den Auftritt vorzubereiten. Kein Problem für die Künstler, schließlich trifft sich in Bayreuth die musikalische Elite. Ulbrich, der unter anderem mit dem Frankfurter Hindemith-Quartett konzertiert, findet, „dass im Festspielorchester die Chemie stimmt.“

Zaki Nusseibeh, Staatsminister in den Vereinigten Arabischen Emiraten, ist ein großer Wagner-Freund und seit vielen Jahren Gast bei den Bayreuther Festspielen. Der weltoffene und kulturbegeisterte Politiker, der in Cambridge studiert hat, machte das Gastspiel im Orient möglich. In vielen Gesprächen nach den Vorstellungen hat Joachim Ulbrich gespürt, „dass sich die Menschen in Abu Dhabi sehr für Wagners Musik interessieren und dass sie dafür offen sind.“ Seine Frau hat ihn begleitet. Bei den Pausengesprächen in der prachtvoll geschmückten Hotellobby des Emirates Palace Hotels hat sie auch den Minister kennengelernt - inzwischen ist sie mit ihm auf Facebook befreundet: „Außerdem leben viele Angestellte großer deutscher Firmen in Abu Dhabi, die sich freuen, anspruchsvolle klassische Musik zu hören.“

Manche Vorurteile, die in Deutschland über islamische Länder herrschen, lassen die Ulbrichs jetzt nicht mehr gelten. Obwohl viele Frauen in dem Land aus Glaubensgründen eine meist schwarze Abaya, also ein Überkleid, und Kopftücher tragen, ist das für Touristinnen oder Ausländerinnen nicht vorgeschrieben. Aus Respekt vor der anderen Kultur hat Eve-Marie Ulbrich, die selbst Geige unterrichtet und mit ihrem Instrument Konzerte gibt, manchmal eine sandfarbene Abaya übergezogen. Im Opernfoyer habe man Frauen in traditioneller Kleidung ebenso gesehen wie andere, die festliche Kleider tragen. Auch die Musikerinnen müssen sich nicht verhüllen. Wegen der Hitze tragen viele Männer im Freien die traditionelle, weiße Dishdasha - ein ebenfalls langes Gewand. Das schützt vor der Hitze.

Die Opernregisseurin Katharina Wagner, Intendantin der Bayreuther Festspiele und Urenkelin des Komponisten Wagner, möchte den Kontakt mit den Veranstaltern in Abu Dhabi weiter ausbauen. Wagners Oper „Lohengrin“ unter freiem Himmel im Emirat Abu Dhabi zu zeigen, ist ihr mittelfristiges Ziel. „Das wäre doch wunderbar“, schwärmt Joachim Ulbrich schon heute von diesem Großprojekt.

Begeistert erzählt das Musiker-Ehepaar, dass an etlichen Schulen in den Vereinigten Arabischen Emiraten Richard Wagners Musik ihren festen Platz im Lehrplan hat. „Das kann man von deutschen Schulen leider nicht so oft sagen“, bedauert Joachim Ulbrich.

Die „Grinio-Akademie“

Musikalische Bildung liegt den Ulbrichs am Herzen. In ihrer „Grinio-Akademie“ in der Eulenbergstraße in Köngen unterrichten sie gemeinsam mit Kollegen Schüler in verschiedenen Instrumentalfächern und im Gesang. „Das Bewusstsein für die Musik fängt in der Kindheit an“, ist Musikpädagogin und Geigerin Eve-Marie Ulbrich überzeugt. Deshalb hat sie mit ihrem Mann, mit der Pianistin Polina Jakovleva, der Opernsängerin Gundula Peyerl und dem Bariton Ulrich Wand das Sitzkissenkonzert „Die Zauberflöte“ einstudiert. Da machen die Profimusiker Kinder mit der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart vertraut. Außerdem erfahren sie manches über die Musikgeschichte. ez

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