Zwischen Neckar und Alb

Mit voller Kraft zurück auf die Beine

Gesundheit Im Nürtinger Krankenhaus gibt es nun einen Physiopfad, damit Patienten schnell wieder mobil sind. Chefarzt Bopp hat die Methode entwickelt. Von Anneliese Lieb

Chefarzt Dr. Florian Bopp (Mitte links) hat den Physiopfad entwickelt, der der Patientin Maria Prokosch (rechts) in ihrer Therap
Chefarzt Dr. Florian Bopp (Mitte links) hat den Physiopfad entwickelt, der der Patientin Maria Prokosch (rechts) in ihrer Therapie zugute kommt.Foto: Anneliese Lieb

Maria Prokosch steht an der Metallstange wie eine Balletttänzerin. Mit den Händen hält sie sich fest und stellt sich auf die Zehenspitzen. Michael Fink, Leiter der Physiotherapie an der Medius-Klinik Nürtingen, achtet auf den Bewegungsablauf, korrigiert die Haltung und gibt Tipps.

Dr. Florian Bopp, Chefarzt der Klinik für Unfall- und orthopädische Chirurgie an den Medius-Kliniken Nürtingen und Kirchheim ist sehr zufrieden mit der Beweglichkeit der Patientin. „Ich gehe ja auch schon 20 Jahre regelmäßig zum Walking und habe Gymnastik gemacht“, sagt Maria Prokosch. Die 78-jährige Reichenbacherin hat schon immer auf ihre Beweglichkeit geachtet. Auch sie profitiert vom neu eingerichteten Physiopfad an der Nürtinger Medius-Klinik.

Insgesamt sind es sechs Übungen für Endoprothesen-Patienten, die an den Metallstangen ausgeführt werden. Sie dienen der Stärkung der Becken- und Hüftmuskulatur und der gesamten Beinmuskulatur. Auch Hüfte, Kniestrecker und -beuger werden trainiert und mobilisiert, ebenso die Rumpf- und Sprunggelenkmuskulatur.

„Am Physiopfad werden Muskulatur und Gelenke mobilisiert und stabilisiert“, erklärt Michael Fink. „Am Ende des Klinikaufenthaltes kann der Patient mit Gehstöcken sicher in der Ebene gehen und Treppen steigen.“

Nach einer Hüft- oder Knieoperation mehrere Tage im Krankenbett zu liegen war gestern. Heute achten Physiotherapeuten und das Pflegepersonal darauf, dass der Frischoperierte schnell wieder auf die Beine kommt. Das ist nicht nur gut für den Kreislauf, sondern auch für die Muskulatur und die Beweglichkeit. „Die ersten Schritte machen Patienten zwei bis drei Stunden nach der Operation. Unter der Anleitung eines Physiotherapeuten und mithilfe eines hohen Gehwagens erfolgt das erste Aufstehen.“

„Wer rastet, der rostet“

Das von Chefarzt Dr. Bopp entwickelte Behandlungskonzept für Patienten mit Endoprothesen beruht auf zwei Säulen. Ein Team aus Chirurgen, Anästhesisten, Pflegekräften, Physiotherapeuten und Mitarbeitern des sozialen Dienstes kümmert sich um die Patienten. Ergänzend wurde in Nürtingen der Physiopfad eingerichtet, der von Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung genutzt wird.

„Unser Ziel ist, dass die Patienten nach der Operation wieder so schnell wie möglich schmerzfrei durchs Leben gehen und eine maximale Mobilität erlangen können“, so die Intention des Chefarztes, der an der Nürtinger Klinik vor 20 Jahren mit der Endoprothetik angefangen hat und die Unfall- und orthopädische Chirurgie seither kontinuierlich weiterentwickelte. „Wir waren eines der ersten zertifizierten Endoprothetikzentren in Baden-Württemberg.“

Kommt der Patient nach der Operation zurück auf die Station, sorgen sich Stationsleiterin Martina Herrlinger und ihr Team ums Wohlbefinden. „Der Patient muss raus aus den Kissen, das ist gut für Körper, Geist und Seele.“ Herrlinger weiß, was zur schnellen Gesundung beiträgt. Damit die Patienten schnell mit der neuen Situation vertraut sind, gibt es schon vor dem Eingriff eine Unterweisung mit den Gehhilfen.

Finanziert wurde der Physiopfad mit Unterstützung des Vereins zur Förderung der Gesundheit am Klinikum Nürtingen-Kirchheim, der von Klinikmitarbeitern gegründet wurde.

Bis zu ihrer Entlassung trainiert Maria Prokosch täglich am Physiopfad. „Wer rastet, der rostet“, sagt sie und schmunzelt.

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