Zwischen Neckar und Alb

Mit zwei Aras unterwegs

Exoten Die beiden Gelbbrustaras Simba und Pumba liegen der Studentin Anke Müller aus Köngen sehr am Herzen. Sie trainiert die intelligenten Tiere täglich und bringt ihnen immer wieder was Neues bei. Caroline Holowiecki

Durch tägliches Training mit den Vögeln gewinnt Anke Müller das Vertrauen der Tiere. Fotos: Caroline Holowiecki
Durch tägliches Training mit den Vögeln gewinnt Anke Müller das Vertrauen der Tiere. Fotos: Caroline Holowiecki

Sie bellen, sie apportieren, sie lieben Spaziergänge, und wenn Pumba und Simba nicht fliegen würden, könnte man meinen, es seien verkleidete Hunde. Die beiden Papageien können jede Menge, was man Vögeln eigentlich nicht zutrauen würde. Simbas Talent reicht vom Totstellen auf Kommando bis hin zum senkrechten Sturzflug. Außerdem liebt er es, den Lichtschalter zu drücken. Pumba öffnet Schranktüren, sortiert Dinge in Boxen oder zieht kleine Wagen.

Beigebracht hat den vier und fünf Jahre alten Gelbbrustaras das alles und noch viel mehr ihre Halterin Anke Müller. Die Medieninformatik-Studentin aus Köngen beschäftigt sich intensiv mit ihren beiden Südamerikanern. „Wenn man sie nicht fördert, sitzen sie nicht so ruhig da“, sagt sie. Die Lernfähigkeit dieser sehr sozialen Tiere entspräche dreijähriger Kinder, „sie sind intelligenter als Hunde“. Sogar einige Wörter hat das gefiederte Duo schon gelernt, wenn auch nur Eingeweihte sie verstehen. „Wuff“, „hallo“ oder „na, du?“ gehen schon ganz gut, außerdem „Nacht“, wenn das Licht ausgemacht wird.

Ihren ersten Vogel hat Anke Müller bereits vor vielen Jahren bekommen. „Wir hatten schon länger Sittiche, aber die sind nicht so interaktiv“, sagt sie, außerdem seien die Tiere durch Überzüchtung sehr früh gestorben. Mit 17 hat sie sich erst einen, wenig später den zweiten Gelbbrustara angeschafft. Außerdem lebt noch ein junges Goldnackenara-Duo im Haus der Müllers. Pumba und Simba können sich hier selbstständig bewegen. Im Garten in der Sonne haben sie eine Sitzstange mit Blick auf den Gartenteich, drinnen lassen sich die beiden gern auf irgendeiner Schulter durch die Gegend tragen. Geht’s ins Freie, hat Anke Müller ihre beiden Exoten an der langen Leine. Beide Vögel lassen sich problemlos Brustgeschirre anlegen. Während Simba so gut trainiert ist, dass er auch ohne Seil Rundflüge unternehmen kann, kann Pumba Runden am bis zu 200 Meter langen Gummiseil drehen. Das machen die zwei Vögel inzwischen so zuverlässig, dass sie bereits in einer Folge der SWR-Kinderserie „Tiere bis unters Dach“ mitspielen durften.

Durch tägliches Training mit den Vögeln gewinnt Anke Müller das Vertrauen der Tiere. Fotos: Caroline Holowiecki

Dabei sind Aras an sich gar nicht ohne. Die etwa einen Kilo schweren Vögel haben eine Flügelspannweite von gut 1,10 Meter, lange Krallen und einen besonders kräftigen, schwarzen Schnabel. „In der Theorie können sie einem den Finger brechen“, erklärt Anke Müller. Gerade Pumba sei anfangs nach mehreren Besitzerwechseln aggressiv gewesen. „Ich habe bis heute Narben“, sagt die 22-Jährige. Durch tägliches Training habe sie erst das Vertrauen des Vogels gewinnen müssen. Das habe seine Zeit gebraucht. Angeeignet habe sie sich alles online über einen Club, der unter anderem Videocoachings anbietet, und durch den Austausch mit Gleichgesinnten. Heute geben die gefiederten Mitbewohner auch Anke Müllers Mutter Begrüßungsküsschen.

Die Papageien sind überall dabei. Ob im Urlaub, im Restaurant oder auf Radtouren. „Sie sitzen auf einer Stange am Lenker. Bei mehr als 35 Kilometern pro Stunde können sie dann auch nebenherfliegen.“ Und ausgelernt haben die Jungspunde noch lang nicht. „Sie sind gerade voll in der Pubertät“, sagte Anke Müller. Dabei rollt sie die Augen, denn anstrengend sei das schon, mit den beiden zu arbeiten.

Ihre Pubertät äußere sich etwa darin, dass sie mitunter ihre Voliere verteidigten, die sie gemeinsam bewohnen. Pumba und Simba führen einen Männerhaushalt. „Pumba war mal eine Luna“, sagt Anke Müller lachend, bis sich aber herausgestellt habe, dass unterm Federkleid eigentlich etwas anderes steckt. Aber ob Männlein oder Weiblein, „es sind Familienmitglieder“, sagt sie und nickt dabei eifrig. Und das werden sie auch noch lange bleiben. Laut Anke Müller leben Aras in Käfighaltung 50, in freier Wildbahn sogar um die 80 Jahre.

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