Zwischen Neckar und Alb

Mitarbeiter bangen um Arbeitsplätze

Wirtschaft Die Gewerkschaft Verdi kritisiert nach dem Insolvenzantrag den Umgang mit Beschäftigten bei der Mediengruppe Wurzel. Fast 200 Jobs stehen auf der Kippe. Von Simone Weiß

Vorläufige Insolvenz: Bei der Wurzel Mediengruppe läuft der Geschäftsbetrieb bis Jahresende normal weiter.Foto: Roberto Bulgrin
Vorläufige Insolvenz: Bei der Wurzel Mediengruppe läuft der Geschäftsbetrieb bis Jahresende normal weiter. Foto: Roberto Bulgrin

Schlechte Nachrichten aus der Printbranche: Vier Gesellschaften der ­Wurzel Mediengruppe haben beim Amtsgericht Esslingen einen Insolvenzantrag gestellt. 197 Beschäftigte sind betroffen, vor allem am Hauptsitz in Esslingen. Das Unternehmen selbst will sich nicht zur aktuellen Lage äußern. Doch der vorläufige Insolventzverwalter Dietmar Haffa betont, dass bereits „Interessensbekundungen möglicher Übernehmer“ vorliegen. Die Gewerkschaft Verdi stellt der Wurzel Mediengruppe indes ein schlechtes Zeugnis aus: „Es ist eigentlich nicht schade, wenn solche Unternehmen vom Markt verschwinden. Schade ist es nur um die Beschäftigten“, sagt der Fachbereichsleiter Siegfried Heim.

Auf ihrer Homepage bietet die Wurzel Mediengruppe auch bunte, individuell bedruckte Corona-Schutzmasken zum Kauf an - eigentlich ein gewinnversprechendes Geschäftsfeld. Doch Ingo Schorlemmer, Pressesprecher der mit dem Insolvenzantrag beauftragten Kanzlei Schultze und Braun, verweist auf die schwierige Stellung der Branche am Markt: Durch die fortschreitende Digitalisierung sinke die Nachfrage nach Printprodukten. Zur Auslastung von Personal und Maschinenpark sowie zum Abbau von Überkapazitäten würden die Preise gesenkt, sodass weniger Einnahmen generiert werden. Gleichzeitig müssten die Firmen viel in die Weiterentwicklung der Digitalisierung inves­tieren. Dieses Ungleichgewicht aus sinkenden Gewinnen und steigenden Ausgaben würde zu einer fehlenden Liquidität führen.

Corona hat Auswirkungen

Zudem habe die Corona-Pandemie die Geschäftssituation belas­tet. Die Folgen: ein Insolvenzantrag von vier Gesellschaften der Wurzel Mediengruppe, und bei drei weiteren Gesellschaften werde das Vorliegen von Insolvenzgründen derzeit geprüft. Doch Schorlemmer versucht zu beruhigen: Bis Jahresende werde die Agentur für Arbeit die Löhne und Gehälter in voller Höhe ausbezahlen. Der Geschäftsbetrieb laufe erst einmal normal weiter. Bereits vor dem Insolvenzantrag hat die Wurzel Mediengruppe ein „Sanierungskonzept zur Neuaufstellung“ mit „einer stärkeren internen Zusammenarbeit der einzelnen Gesellschaften und Geschäftsfelder“ vorgelegt, wie Schorlemmer berichtet. Und der vorläufige Insolvenzverwalter Dietmar Haffa hebt das breite Produktportfolio, den modernen Maschinenpark und die hohe Reputation des Unternehmens hervor. Er werde sich nun einen Überblick über die Gesamtlage verschaffen und Sanierungsmaßnahmen prüfen. Liegen Insolvenzgründe wie Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit vor, werde das Verfahren eröffnet.

Ingo Schorlemmer rechnet damit, dass das zu Jahresbeginn passieren wird. Dann müssten Löhne und Gehälter wieder von der Firma übernommen werden. Zu einer weiteren Prognose ist er nicht zu bewegen. Oberste Ziele aber seien auch der längerfristige Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze.

Die Wurzel Mediengruppe mit Hauptsitz in der Dieselstraße 50 in der Pliensauvorstadt in Esslingen hat sechs Standorte in ganz Deutschland sowie Druckstandorte in Esslingen und Schwäbisch Hall. Das Unternehmen ist ein Produzent und Dienstleister im Druck- und Mediengewerbe. Hergestellt werden klassische Printprodukte wie Kunstbücher, Ausstellungskataloge oder Magazine. Angeboten werden aber auch digitale Produkte wie 3D-Animationen, mobile Apps oder das Konzipieren von Websites.

Mehr Informationen zu dem Unternehmen stehen in Internet unter der Adresse https://www.w-mg.com.

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