Zwischen Neckar und Alb

Multimediales Kammerspiel vermenschlicht Roboter

Theater Yumi heißt der dritte Akteur im neuen Stück der Theaterspinnerei. Er ist kein Mensch, sondern eine Maschine.

Jens Nüßle, Yumi der Roboter und Marilena Pinetti agieren im „Sandmann 4.0“ gemeinsam. Foto: Volker Haußmann
Jens Nüßle, Yumi der Roboter und Marilena Pinetti agieren im „Sandmann 4.0“ gemeinsam. Foto: Volker Haußmann

Nürtingen. Die Theaterspinnerei im alten Frickenhäuser Bahnhof arbeitet derzeit intensiv am Feinschliff für ihre neue Theaterproduktion. Mit dem Stück „Der Sandmann 4.0“ greift die kreative Theatertruppe mit Mitteln des multimedialen Theaters einmal mehr ein aktuelles gesellschaftliches Phänomen auf. Die düstere Erzählung „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann hat den Stückeschreiber der Theaterspinner, Stephan Hänlein, zu diesem Zwei-Personen-Stück inspiriert, das die Auswirkungen der unaufhaltsam fortschreitenden Technisierung auf die Gefühlswelt des Menschen thematisiert. Aus dem Schlagwort „Industrie 4.0“ hat Hänlein die Ziffernfolge „4.0“ für den Titel seines Stücks entlehnt.

Mit dem Hoffmann-Original aus dem Jahr 1815 hat die Theaterspinnerei-Version im Wesentlichen nur die Idee gemein. „Wir haben die Geschichte ziemlich umgebaut“, sagt Hänlein. Ihn habe fasziniert, dass Hoffmann schon 1815 die Idee gehabt habe, eine menschliche Maschine zu bauen. „Das ist heute Realität.“ Ausgehend von der Erkenntnis, dass der Mensch im Umgang mit Robotern, die menschlich wirken, dazu neigt, diese zu vermenschlichen, hat Hänlein das Skript zu dem Stück entwickelt. „Die Maschine hat unendliche Geduld. Sie widerspricht nicht, sondern bestätigt die Leute. Das birgt die Gefahr, dass die Menschen lieber mit Maschinen als mit ihresgleichen kommunizieren.“ Im „Sandmann 4.0“ zeigen die Theaterspinner auf, welche fatalen Folgen das haben kann.

Im Gegensatz zu Hoffmanns Erzählung beschränkt sich das Stück auf zwei Personen: Nathanael und dessen blinde Frau Clara. Dritter Akteur im Stück - und damit betreten die Theaterspinner einmal mehr Neuland - ist ein Roboter. Der heißt Yumi und ist ein kollaborativer Roboter. „Das heißt, er ist in der Lage, mit Menschen zusammenzuarbeiten, ohne diese zu gefährden“, sagt Schauspieler und Regisseur Jens Nüßle. Yumi hat einen Wert von rund 60 000 Euro und wurde der Theaterspinnerei leihweise von der österreichischen Firma ABB überlassen. Er lässt sich so programmieren, dass multimediale Elemente wie Videoprojektionen und Lichteffekte, ein fester Bestandteil aller Theaterspinnerei-Stücke, an seine Bewegungen gekoppelt werden können.

Gespielt wird auf einer fünf mal fünf Meter großen Drehbühne. Gebraucht werden - da zum Beispiel sämtliche Kulissen auf die Wände projiziert werden - nur wenige Requisiten. Im Oktober, soviel steht fest, werden sie das Stück bei ABB in einem Vorort von Wien spielen. Mit einem Autozulieferer sei man ebenfalls im Gespräch, auch gebe es Überlegungen, auf der Internationalen Autoausstellung IAA im September oder eventuell in Berlin ein Gastspiel zu geben. Zunächst aber wird das Stück an zwölf Terminen an heimischer Spielstätte im Theatersaal des Frickenhäuser Bahnhofs gespielt. Premiere ist am Freitag, 14. Juli. Der Kartenvorverkauf läuft. Volker Haußmann

Info Karten können reserviert werden unter der Nummer 0 70 22/2 43 56 00 oder per E-Mail an kartenbestellung@theaterspinnerei.de. Weitere Infos gibt es unter www.theaterspinnerei.de.

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