Zwischen Neckar und Alb

„Musik tickt durch den ganzen Körper“

Musik Beim Kreisblaskonzert der Musikvereine Notzingen-Wellingen und Hochdorf erklingen südamerikanische Klänge und die „Rolling Stones“. Von Thomas Krytzner

Die Mitglieder der Musikvereine Notzingen-Wellingen und Hochdorf unterhielten das Publikum in der Breitwiesenhalle mit einem abw
Die Mitglieder der Musikvereine Notzingen-Wellingen und Hochdorf unterhielten das Publikum in der Breitwiesenhalle mit einem abwechslungsreichen Programm. Foto: Thomas Krytzner

Markus Grübel, Präsident des Blasmusikverbandes Esslingen, hat Blasmusik als Rezept gegen die aufkommende Frühjahrsmüdigkeit empfohlen, die sich direkt an den Winterschlaf anschließt. Beim Kreisblaskonzert der Musikvereine Notzingen-Wellingen und Hochdorf in der Hochdorfer Breitwiesenhalle wies er darauf hin, dass die Musik an diesem Abend nicht nur die Gemeinden, sondern auch die Vereine verbindet.

Der Musikverein Notzingen-Wellingen lud mit seinen 60 Musikern zu einer Wanderung über die Anden ein. Im Stück „Cordilleras de los Andes“ von Arie Ma­lando führte die imposante Musikreise über drei markante Gipfel der rund 7 800 Kilometer langen Gebirgskette. Da erklommen die Blasmusiker den größten, höchsten noch aktiven Vulkan der Welt und lernten in Bolivien eine Bergwelt mit eigenem Mikroklima kennen. Dirigent Rainer Pfister verstand es, alles aus seinen Musikern rauszuholen. Immerhin war der Auftritt am Kreisblaskonzert ja auch fast eine Generalprobe für den Bundesmusikwettbewerb im Juni in Osnabrück.

Die Bläser stellten ihr Pflichtstück dem Publikum vor: Die „Satiric Dances“ von Norman Dello Joio sind ein recht anspruchsvolles Stück, das auf den Komödiendichter Aristophanes gründet. Dieser hatte seiner Zeit die Satire gesellschaftsfähig gemacht und immer wieder Persönlichkeiten der Lächerlichkeit preisgegeben. Im Anschluss thematisierten die Musiker aus Notzingen-Wellingen die Welt der Mauern - oder besser gesagt - die Mauern der Welt. Wie es Moderator Dietmar Späth treffend erklärte, gab es in der Geschichte der Menschheit schon immer Mauern. Doch meistens sei der Drang nach Freiheit größer gewesen als die Angst vor dem Feind. Bei „The Wall“ ging es nicht etwa um Pink Floyd, sondern um die Zeit des Limes. Da gab es zwischen 150 und 260 nach Christus zahlreiche Schlachten. Die Bläser schafften es mit Leichtigkeit, das Publikum musikalisch an einem Reiterturnier sowie am Marktgeschehen teilhaben zu lassen. Der Auftritt des Kaisers Caracalla brachte zum Schluss des Stückes die große Schlacht.

Auch Rolling-Stones-Fans kamen beim Kreisblaskonzert auf ihre Kosten: Patrick Roszell arrangierte das Medley „The Rolling Stones on Tour“. Bekannte Rocksongs wie „Paint it Black“, „Ruby Tuesday“ oder der legendäre Rock-Song „Satisfaction“ bildeten ein stimmungsvolles Schlussbouquet für den Auftritt des Musikvereins Notzingen-Wellingen.

Publikum hat Rhythmus im Blut

Der Musikverein Hochdorf blickt auf 107 Jahre Musikgeschichte zurück. 55 Musiker sind im Orchester aktiv und freuen sich über einen neuen Dirigenten. Jörg-Sebastian Hoiß feierte beim Kreisblaskonzert mit einer fulminanten Darbietung seine Premiere vor Publikum. Selbst das Publikum wurde ins Konzert integriert: Als die Blasmusiker eine Reise zu den südamerikanischen Rhythmen nach Puerto Rico unternahmen, war nebst der Präzision des Schlagwerks auch das Klatschen der Zuhörer in der Breitwiesenhalle gefragt. Damit der nicht alltägliche Takt stimmte, übte Dirigent Jörg-Sebastian Hoiß gleich persönlich mit dem Publikum. Er betonte dabei: „Musik tickt durch den ganzen Körper.“ Schnell hatten die Blasmusikfans den Rhythmus im Blut, und die musikalische Reise durch Südamerika fand ein taktvolles Ende.

Im weiteren Verlauf des Konzerts fand auch Zeus, der König der Götter in der griechischen Mythologie, seine musikalische Anerkennung. Man spürte in dem Stück förmlich die Blitze und den Donner. Die Musiker stellten bei diesem Stück in den Instrumenten die Kraft und das Volumen fest. Etwas sachter ging es bei „Earth and Sky“ von Michael Sweeney zu, zumindest am Anfang dieses dynamischen Werkes. Der erwachende Morgen ließ buntes Treiben auf der Erde zu, die Musiker verstanden es prächtig, die Vielfalt und Individualität instrumental umzusetzen. Mit prägenden und tragenden Akkorden begeisterten sie die Zuschauer und erhielten rauschenden Applaus.

Mit „Whispers from Beyond“ von Rossano Galante beendeten die Hochdorfer Blasmusiker das diesjährige Kreisblaskonzert des Blasmusikverbandes Esslingen.

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