Zwischen Neckar und Alb

Nahezu unbedenklicher Badegenuss

Freizeit Zum Sprung ins kühle Nass bieten sich neben den Freibädern auch mehrere Badeseen in der unmittelbaren Umgebung an. Die Wasserqualität wird kontrolliert und fast durchgängig mit „sehr gut“ bewertet. Von Lutz Selle

Es muss nicht immer die Riviera sein: Auch der Strand der Kirchheimer Bürgerseen hat seinen Reiz.Foto:  Jean-Luc Jacques
Es muss nicht immer die Riviera sein: Auch der Strand der Kirchheimer Bürgerseen hat seinen Reiz.Foto: Jean-Luc Jacques

Ob Aileswasensee in Neckartailfingen, Bürgersee in Kirchheim unter Teck oder Baggersee in Kirchentellinsfurt - alle drei Badeseen werden schon seit dem Jahr 2013 durchgängig bei der Bewertung der Wasserqualität nach der EU-Badegewässerrichtlinie mit der Bestnote „ausgezeichnete Qualität“ versehen. Mindestens einmal im Monat, mitunter sogar wöchentlich werden von den Gesundheitsämtern aktuelle Wasserproben entnommen und ausgewertet. Ebenfalls mit „ausgezeichneter Qualität“ hat der Bissinger See das Jahr 2017 abgeschlossen und verzeichnete auch bei den ersten sechs Messungen in diesem Jahr perfekte Ergebnisse, während es 2014 bis 2016 in der Abschlusswertung das zweitbeste Ergebnis „gute Qualität“ war.

Unbedenklich ist der Badegenuss aber allemal in den vier regelmäßig kontrollierten Badeseen im südlichen Teil der Region Stuttgart. Nur ein paar Dinge gilt es zu beachten. Anders als in Freibädern, in denen ständig Helfer und Bademeister vor Ort sind, gibt es an Werktagen an den Badeseen generell kein Wachpersonal von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG).

Für Nichtschwimmer sind Badeseen daher weniger geeignet. Das hat sich auf traurige Weise erst vor ein paar Wochen bestätigt, als ein 27-Jähriger im Baggersee in Kirchentellinsfurt ertrunken ist. Er war von einem aufblasbaren Nackenkissen abgerutscht und meterweit in die Tiefe gesunken. Rettungstaucher konnten den Mann nur noch tot bergen.

Die Notfall-Einsätze der DLRG haben sich allerdings mehr auf die Flüsse verlagert, stellt Sturm fest. Sowohl im Neckar als auch in den Nebenflüssen wie der Lauter würden viele Leute baden und dabei die Gefahren der Strömung unterschätzen - vor allem wenn am Neckar plötzlich ein Stauwehr öffnet und der Pegel binnen fünf Minuten ansteige. In jedem Fall sei es für Schwimmer sicherer, die Bahnen in Hallen- und Freibädern zu ziehen.

Von den drei Kirchheimer Bürgerseen ist einer zum Baden freigegeben. Auch dort sind mitunter mehrere Hundert Leute anzutreffen. Es gibt vor Ort eine Hütte mit Bewirtung sowie kostenfreie Parkplätze. Die Zufahrt zum See darf nicht zugeparkt werden, damit ein Rettungsweg frei bleibt. Die Buslinie 166 Kirchheim-Nürtingen hat eine eigene Haltestelle Bürgersee.

Am Untersee der drei Bürgerseen gibt es einen Steg und eine Rasenfläche zum Verweilen. Auch zwei Grillstellen und eine Schwimminsel zählen zum Angebot. Für Nichtschwimmer ist der See nicht geeignet, denn das Wasser ist von Beginn an tief. DLRG-Mitarbeiter sind am Bürgersee nicht vertreten, es gibt vor Ort aber Rettungsringe. „Das Baden ist auf eigene Gefahr“, erklärt Dennis Koep, Pressesprecher der Stadt Kirchheim unter Teck. Es gebe zwar keine festen Badezeiten. „Aber vom Nachtbaden raten wir dringend ab.“ Die Wasserqualität wird von Mai bis September kontrolliert. Bei höherer Belastung würden Warnschilder aufgestellt.

Bei den Messungen am 12. Juni - kurz nach einem extremen Starkregen - hatte es am Bürgersee ungewohnt hohe Bakterienwerte gegeben, die auf Verunreinigungen des Wassers mit Fäkalien hinweisen. Bei den nächsten Messungen eine Woche später waren die Werte aber schon wieder sehr niedrig. Das erklärt Claudia Krüger, Pressesprecherin vom Ministerium für Soziales und Integration in Stuttgart, folgendermaßen: „Bei Starkregen kann es passieren, dass die Kläranlagen und Regenrückhaltebecken das Wasser aus der Kanalisation nicht mehr aufnehmen können und dadurch ungeklärtes Abwasser in die Flüsse und so in die Badeseen gelangt. Dies führt in den Gewässern zu einer erhöhten Belastung mit Fäkalkeimen. Zudem können Abschwemmungen von mit Gülle gedüngten nahegelegenen Feldern eine Ursache sein. Der schnelle Rückgang ist auf den Verdünnungseffekt zurückzuführen.“

Ebenfalls regelmäßig gemessen werden die Bakterienwerte beim relativ kleinen Badesee im Ortszentrum von Bissingen an der Teck sowie beim großen Baggersee in Kirchentellinsfurt im Landkreis Tübingen. Auch dort fallen sie aktuell sehr niedrig aus.

Die Wassertemperaturen bei den vier Badeseen in der Umgebung haben bei der jüngsten Messungen zwischen 23 und 25 Grad Celsius betragen. Perfekte Bedingungen für ein ungetrübtes Badevergnügen.

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