Zwischen Neckar und Alb

Neckar-Streife

Sicherheit Die Wasserschutzpolizei ist auch auf dem Neckar bei Esslingen und Plochingen unterwegs. Gefahrgut- und Geschwindigkeitskontrollen gehören zum Alltag der Beamten. Daniela Haußmann

Tag für Tag sind André May, Markus Kremmin und ihre Kollegen im Polizeiboot unterwegs. Die zwei Männer sind Beamte der Wasserschutzpolizeistation Stuttgart, die auch auf dem Neckar zwischen Esslingen und Plochingen patrouillieren. Frachter, Tankmotor- und Fahrgastschiffe, Sportboote oder Angler gehören zu ihrer „Kundschaft“, wie Kremmin mit einem Lachen erzählt. Der Hauptkommissar wirft die 900-PS-starken Dieselmotoren des Bootes an. Die Fahrt beginnt. Mit 18 Stundenkilometern gleitet das blau-weiße Wasserfahrzeug mit der Aufschrift „Polizei“ über den Neckar. Fischwilderei, Alkohol-, Geschwindigkeits- und Gefahrgutkontrollen, Betriebsunfälle, Abfalldelikte und Gewässerverunreinigungen gehören unter anderem zum Aufgabenbereich der Ordnungshüter. Sie kontrollieren Boote, lassen sich Papiere, Ausrüstung und Rettungswesten zeigen und schauen, dass niemand zu Schaden kommt.

Neckar ist sicherer geworden

„Früher“, so André May, „waren die Umweltdelikte in der Schifffahrt schwerwiegender und zahlenmäßig häufiger.“ Das hat sich geändert. „Die Schiffe werden immer moderner, und die Regelungen sind schärfer geworden“, so der Oberkommissar. „Wir verzeichnen heute kaum noch Umweltstraftaten.“ Nicht, weil die EU-Gesetzgebung bei schweren Vergehen mit Inhaftierungen von bis zu fünf Jahren drohe beziehungsweise mit Bußgeldern bis zu 750 000 Euro winke, sondern weil der Kontrolldruck in der Binnenschifffahrt hoch ist. Stephan Notheis, Leiter der Wasserschutzpolizeistation, bestätigt: „Durch bessere Überwachungsmöglichkeiten, beispielsweise mit dem Polizeihubschrauber, können wir schnell nachvollziehen, woher zum Beispiel Gewässerverunreinigungen stammen.“ Außerdem liegt es im eigenen Interesse der Berufsschiffer, nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. „Schließlich geht es um ihre berufliche und private Existenz“, gibt Notheis zu bedenken.

Der Bug des Polizeibootes schneidet durch das Wasser. May schaut durchs Fernglas. Sein Blick wandert das Hafenbecken entlang. Frachter werden mit Kies und Sand beladen. Grüne, gelbe und rote Container stapeln sich, bis sie von Stuttgart über Neckar und Rhein in die Niederlande und von dort in alle Welt verschifft werden. Der Polizist winkt einem Kapitän zu. Auf dessen Schiff türmen sich Altfahrzeuge und anderer rostiger Schrott. Heute Morgen hat er mit seinem Kollegen bei Plochingen noch geprüft, ob auf dem Stahlriesen der Sprechfunk funktioniert, das Ölkontroll- und Bordbuch studiert, nachgesehen, ob die vorgeschriebenen Rettungsringe und - westen an Bord sind, das Beiboot und die Ladung in Augenschein genommen. „Der Schrott muss trocken sein“, so der Beamte. „Die zusammengepressten Altfahrzeuge dürfen keine ölhaltigen Betriebsstoffreste enthalten.“ Die könnten ins Wasser gelangen, oder die Annahmestellen könnten die Frachtannahme verweigern.

Die Polizisten sagen, es gehe ihnen nicht darum, Bußgelder und Anzeigen zu verhängen, sondern um Prävention durch Kontrolle. Die Sicherheit der Schifffahrtsstraße habe oberste Priorität. Wieder und wieder fahren sie deshalb Streife auf dem Neckar. Wie ihre Kollegen auf der Straße machen auch sie Geschwindigkeitskontrollen. „18 Kilometer pro Stunde dürfen Sportboote höchstens auf dem Neckar fahren, 16 Kilometer pro Stunde die Berufsschifffahrt“, weiß May, der zum Ufer schaut. Doch dort ist heute kein einziger Angler zu sehen. Auch sie kontrolliert die Polizei. Denn wer im Neckar fischt, braucht einen Angelschein.

Die Ordnungshüter setzen ihre Fahrt fort. Gemächlich tuckert ihr Boot vorbei an Spaziergängern, Fabrikanlagen und Binnenschiffen. Zusammen mit ihren zwölf anderen Kollegen sorgen sie in ihrem Zuständigkeitsbereich zwischen Plochingen und Neckarwestheim auch in Zukunft für Sicherheit.

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