Zwischen Neckar und Alb

Netzwerker für den Naturschutz

Kreistag stimmt Gründung von Landschaftserhaltungsverband zu – Beitritt der Gemeinden wird erwartet

Der Kreis Esslingen gründet nach anfänglicher Skepsis in Verwaltung und Kreistag einen Landschaftserhaltungsverband. Er ist damit der letzte Kreis im Regierungsbezirk Stuttgart.

Der neue Verband soll die Pflegemaßnahmen in den Schutzgebieten koordinieren.Foto: NZ-Archiv, Erich Haas
Der neue Verband soll die Pflegemaßnahmen in den Schutzgebieten koordinieren.Foto: NZ-Archiv, Erich Haas

Kreis Esslingen. Der Kreis muss Managementpläne für den europäischen ökologischen Verbund Natura 2 000 erstellen. Das könnte die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt leisten, bestätigte Landrats-Stellvertreterin Marion Leuze-Mohr – „jedoch nicht ohne zusätzliches Personal.“ Und das müsste der Kreis dann selbst bezahlen. Das war ein Grund, warum der Kreistag in seiner jüngsten Sitzung die Gründung des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) beschloss. Nun finanziert das Land eineinhalb Stellen. Auf der anderen Seite muss der Kreis einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 52 000 Euro zahlen.

Der Verband berät auch Gemeinden, Landwirte und Naturschutzverbände bei der Koordination und der Umsetzung der Landschaftspflege. Dazu gehören zum Beispiel die Biotoppflege, die schonende Nutzung von Böden, die Offenhaltung der Kulturlandschaft oder Konzepte zur Vernetzung von Biotopen. Der Verband soll zwischen Naturschutz und Landwirtschaft vermitteln, etwa im Rahmen einer Agrar-Umweltabwägung.

Obwohl der Kreis Esslingen zum Ballungsraum zählt, gibt es im Landschaftsschutz genügend zu tun – auf der Filderebene, dem Schurwald und am Albtrauf. So sind im Rahmen von Natura 2 000 elf Fauna-Flora-Habitat-Gebiete auf 14 Prozent der Kreisfläche ausgewiesen. Weitere 28 Prozent zählen zu den drei Vogelschutzgebieten nach der europäischen Richtlinie. Der Erhalt der Streuobstwiesen im großflächigen Vogelschutzgebiet „Vorland der mittleren Schwäbischen Alb“ stellt eine besondere Herausforderung dar, betonte Leuze-Mohr.

Nach den Vorstellungen des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sollen die LEV eine zentrale Funktion bei der Landschaftspflege übernehmen. Sie sollen Mittel bekommen und dann Verbände, Gemeinden, private Grundstückseigentümer und Landwirte beraten. Pflege- und Bewirtschaftungspläne soll der LEV bis zur Vertragsreife vorbereiten. Damit arbeitet der Verband der Naturschutzbehörde zu, die jedoch das letzte Wort hat. Sie zahlt auch Fördermittel, zum Beispiel aus europäischen Fonds, aus. Das Ministerium sehe einen zusätzlichen Verwaltungsaufwand und hat angekündigt, in einem weiteren Schritt Natura-2000-Beauftragte zu finanzieren. Insgesamt wird mit einem Personalkostenbeitrag des Landes von 148 000 Euro gerechnet. Mitgliedsbeiträge von Gemeinden und anderen werden mit 15 000 Euro angesetzt, wobei der Kreis davon ausgeht, dass alle 44 Gemeinden beitreten. Für Gemeinden und Landwirte könne sich auszahlen, dass durch die individuelle Betreuung des LEV Fördermittel noch besser als bisher vermittelt werden.

Die Befürchtung, es komme zu Doppelstrukturen mit dem Naherholungsverein Schwäbische Alb, entkräftete Leuze-Mohr. Dieser habe andere Aufgaben. Er gehöre mit Landwirten, Forstwirten und Schäfern zu den wichtigsten Partnern des neuen Verbands.

Die Aussicht auf Förder- und Personalmittel überzeugte den Kreistag. „Eigentlich sind wir gegen ein Mehr an Bürokratie, stimmen aber zu, weil der Verband in die Lage versetzt, Fördermittel abzurufen“, so SPD-Sprecher Martin Funk. Für Matthias Weigert (Grüne) ist der Verband bestens geeignet, als Netzwerk für alle Akteure zu fungieren, die mit Landschaft und Natur zu tun haben.

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