Zwischen Neckar und Alb

Neue Chance für die Boller Bahn

Nahverkehr Ein Ringschluss von Göppingen über die Voralb nach Kirchheim ist geplant: Verkehrsminister Winfried Hermann will stillgelegte Zugstrecken reaktivieren. Diese werden nun geprüft. Von Dirk Hülser

Über die Gleise der Boller Bahn ist seit 1997 kein Zug mehr gefahren.Foto: Staufenpress Ehrcke
Über die Gleise der Boller Bahn ist seit 1997 kein Zug mehr gefahren. Foto: Staufenpress Ehrcke

Erst im März hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Göppinger Kreistags die Boller Bahn auf Eis gelegt. Eine Untersuchung war zu dem Schluss gekommen, dass die Wiederinbetriebnahme der Strecke nicht rentabel wäre. Dennoch soll die Trasse freigehalten werden, um künftigen Generationen die Chance der Nutzung nicht zu verbauen. Jetzt unternimmt der grüne Landesverkehrsminister Winfried Hermann einen neuen Anlauf zur Reaktivierung stillgelegter Strecken.

75 Trassen im Land wurden geprüft, 41 blieben übrig, die für eine Reaktivierung nach Ansicht des Verkehrsministeriums infrage kommen. Darunter die Boller Bahn, aber nicht das Josefle nach Schwäbisch Gmünd. „Bei diesen Bahnstrecken werden nun bis Ende 2020 das Fahrgastpotenzial sowie die erforderlichen Investitionen untersucht“, schreibt das Ministerium in einer Pressemitteilung. „Am Ende bleiben voraussichtlich 15 Strecken übrig.“ Wenn die kommunale Seite sich für eine Reaktivierung entscheide, könnten dann Fördermittel vom Land beantragt werden.

Infrage kommen dabei Strecken, auf denen viele Fahrgäste zu erwarten seien. „Außerdem müssen die zu erwartenden Investitionskosten bei einem Bewertungsverfahren einen positiven Nutzen erwarten lassen“, gibt das Ministerium eine weitere Bedingung vor. Die ersten 100 Kilometer reaktivierter Bahnstrecken bekommen eine satte Förderung: Hier will das Land als Anreiz „den Zugbetrieb gemäß dem Landesstandard im Schienenpersonennahverkehr“ finanzieren.

Hermann betonte, dass sein Ministerium in diesem Verfahren eine aktive Rolle einnehme. „Bis zum Herbst 2020 möchten wir wissen, welche Streckenreaktivierungen den größten volkswirtschaftlichen Nutzen bieten.“

Als Strecke Nummer 15 wurde die 12,2 Kilometer lange Linie von Göppingen nach Bad Boll in das Reaktivierungsprogramm aufgenommen. Ebenfalls aufgeführt ist das 8,5 Kilometer lange Stück von Kirchheim über Holzmaden nach Weilheim, wobei die Schienen von Weilheim nach Holzmaden abgebaut sind. Als nur einen von landesweit drei „zusätzlich zu untersuchenden Lückenschlüssen“ - neu zu bauenden Strecken - führt das Ministerium den acht Kilometer langen Abschnitt von Weilheim nach Bad Boll auf. Damit wäre dann ein Ringschluss von Göppingen über die Voralb nach Kirchheim zur S-Bahn geschaffen.

Auch im Regionalverkehrsplan ist die Strecke aufgeführt, dort wird mit Investitionskosten in Höhe von 205 Millionen Euro kalkuliert und eine Freihaltung der Trasse empfohlen. Gleiches gilt fürs Josefle, die mittlerweile als Radweg genutzte Strecke von Göppingen nach Gmünd. Investitionskosten in unbekannter Höhe stehe ein „derzeit nur relativ geringes Nachfragepotenzial“ entgegen, im Sinne der Vorsorgeplanung solle die Trasse dennoch freigehalten werden.

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