Zwischen Neckar und Alb

Neuer Schwung für schnelles Internet

Landkreis unterstützt den Ausbau des Glasfasernetzes – Defizite nicht nur im ländlichen Raum

Die Landesregierung forciert den Ausbau des Breitbandnetzes, der Verband Region Stuttgart und die fünf Landkreise sowie die Landeshauptstadt ziehen mit. Der Kreis Esslingen beteiligt sich im Rahmen eines Modellprojekts des Landes an der „Backbone-Planung“. Dabei handele es sich um das „Rückgrat des Netzzugangs“, erklärte Landrat Heinz Eininger.

Noch gibt es viele Lücken im Glasfasernetz. Die Breitbandversorgung soll aber zügig flächendeckend gewährleistet werden.Foto: dp
Noch gibt es viele Lücken im Glasfasernetz. Die Breitbandversorgung soll aber zügig flächendeckend gewährleistet werden.Foto: dpa

Kreis Esslingen. Der Ausschuss für Technik und Umwelt des Kreistags stellte sich einstimmig hinter die Eilentscheidung des Landrats, bei diesem Projekt mitzumachen. Im April hatte er eine Ist-Analyse, also die Bestandsaufnahme des Glasfasernetzes im Kreis, in Auftrag gegeben. Bereits 2009 habe er darauf hingewiesen, dass ein flächendeckendes Glasfasernetz nötig sei „und nicht die Richtfunk-Verbindung das Mittel der Wahl ist“, sagte Eininger. Denn damit ließen sich die erforderlichen hohen Übertragungsraten nicht erreichen. „Ich glaube, ich war der Erste, der das gesagt hat.“ Bestätigt sieht sich der Landrat durch eine Studie des baden-württembergischen Ministeriums für Ländlichen Raum. Diese ergab, dass die Breitbandversorgung bei den Standortkriterien von Unternehmen ganz oben steht.

Weil es große Lücken im Glasfasernetz gibt, „ist die Unzufriedenheit raumübergreifend“, stellte Heinz Eininger fest. Weil das Land festgestellt hat, dass die Defizite nicht nur im ländlichen, sondern auch im Ballungsraum bestehen, kommt nun neuer Schwung in die Verbreitung des schnellen Internets. Der Wirtschaftsförderer des Landkreises, Markus Grupp, warb im Ausschuss dafür, auf den Zug aufzuspringen, den das Land in Bewegung gesetzt hat. Im Haushalt des Landkreises sind in diesem Jahr 100 000 Euro für den Netzausbau eingestellt. Diese Mittel werden für die Ist-Analyse dank der Landesförderung bei Weitem nicht benötigt, 72 000 Euro stehen noch zur Verfügung. Die „Backbone-Planung“ wird den Landkreis nach Einschätzung der Verwaltung 50 000 bis 60 000 Euro kosten. Davon übernimmt das Land die Hälfte.

Die Analyse wird europaweit ausgeschrieben, die Planer machen sich vermutlich im Oktober an die Arbeit. Sie können sich dann auf aktuelle Daten stützen, denn die Bestandsaufnahme des Netzes im Kreis Esslingen wird bis dahin vorliegen. Aus Unternehmen hat Albert Kamm (Freie Wähler) viele Klagen über einen mangelhaften Internetstandard mit zu geringen Übertragungsraten vernommen. „Es besteht dringender Handlungsbedarf. Wir leben bereits in der Industrie 4.0 und dem Vertrieb 4.0.“ Albert Kamm appellierte, den Ballungsraum und den ländlichen Raum gleichermaßen zu beachten. „Wir freuen uns, dass der Zug so schnell angefahren ist“, sagte Peter Nester (CDU). Die Defizite in der Breitbandversorgung zeigen für Martin Funk (SPD), „wie sinnlos es ist, wenn man die Infrastruktur privatisiert“. Deren Ausbau sei eine öffentliche Aufgabe. „Da kommt jetzt auch Bewegung hinein“, stellte Landrat Heinz Eininger fest. Unternehmen wie die Telekom und Kabel-BW seien aktiv geworden.

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