Zwischen Neckar und Alb

Neues Konzept für die alte Festung

Umstrukturierung Seit April gehört der Hohenneuffen zu den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg. Er spielt jetzt in einer Liga mit dem Heidelberger Schloss. Von Iris Häfner

Der Hohenneuffen ist jetzt unter der Obhut der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.Foto: Carsten Riedl
Der Hohenneuffen ist jetzt unter der Obhut der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.Foto: Carsten Riedl

Nicht dass der Hohenneuffen je im Dornröschenschlaf versunken wäre - nichtsdestotrotz will Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, frischen Wind auf die stattliche Burg bringen. Seit 1. April hat seine Organisation die Betreuung für das trutzige Bauwerk übernommen. „Wir können mit neuen Kapazitäten das Besucherangebot ausweiten“, erklärte Michael Hörrmann im Ritterstüble.

Kultur wollen er und seine Mitarbeiter vermitteln und die Menschen für Denkmäler begeistern. „Der Hohenneuffen ist eines der ganz großen württembergischen Monumente“, kommt der Geschäftsführer ins Schwärmen und meint damit nicht nur die Ausmaße der Festung: „Der Hohenneuffen ist einer der zentralen Geburtsorte des Landes Baden-Württemberg und bekannt als Ausflugsziel.“ Auf dem Hohenneuffen trafen sich im Jahr 1948 die Vertreter der drei südwestdeutschen Nachkriegsländer Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern, weshalb er auch als Wiege des Südweststaates gesehen wird.

In den nächsten Wochen tritt ein Kunsthistoriker seinen Dienst bei den Staatlichen Schlössern an. Seine erste Aufgabe wird sein, sich intensiv mit dem Hohenneuffen zu befassen. Es soll eine bessere Beschreibung der Ruine erscheinen, ebenso ein Kurzführer. Der Historiker wird sich zudem um die barocke Befestigung kümmern. Sie soll sichtbar gemacht werden, auch wenn nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist, da viele Steine in Neuffen verbaut wurden. Ein archäologischer Entdeckungsweg wird einen weiteren Aspekt der Geschichte beleuchten. „Interessierte sollen vor Ort die Möglichkeit bekommen, sich intensiv mit dem Monument auseinanderzusetzen“, sagt Michael Hörrmann. Dabei soll das Erlebnis nicht zu kurz kommen, denn die Gäste wollen einen schönen, attraktiven Tag erleben, wozu auch ein Tässchen Kaffee oder gutes Essen gehört. „Dies ist hier dank Familie Vetter mit ihrer Gastronomie schon lange der Fall“, lobt der Geschäftsführer und spricht von Kultur- und Genusstourismus.

Da Veranstaltungen wie der Mittelaltermarkt „nicht mehr sicher zu handeln sind“, will Michael Hörrmann klar umrissene Veranstaltungen für einen bestimmten Personenkreis anbieten. Dabei denkt er an Märchenabende oder -nächte, Kinderfeste sämtlicher Art, an Lesungen und Konzerte. Ferner will er regelmäßige Führungen anbieten und Formate entwickeln, damit die Besucher die Geschichte und den Ort erleben. Als Beispiele nannte er einen Barock- oder Renaissancetag - und bei einem Glas Täleswein samt Minnesang kann der mittelalterlichen Burgenromantik gehuldigt werden.

Schon den Weg zur Festung will Michael Hörrmann mit Infotafeln zum Ziel machen. Besucher erfahren dabei einiges über die Umgebung des Bauwerks mit ihrer Geologie und biologischen Vielfalt. Dabei geht es auch um den ressourcenschonenden Umgang mit der Natur. Außerdem sollen Menschen mit Bewegungseinschränkung die Möglichkeit zur Festungserkundung erhalten.

Eine große Chance sieht der Geschäftsführer in der „Übernahme“ des Hohenneuffen durch seine Organisation: Alle 60 Monumente werden untereinander beworben, egal ob im Heidelberger und Kirchheimer Schloss oder auf Touristikmessen in Übersee. Und dann hat Michael Hörrmann noch eine Idee: Eine Kabinett­sitzung des baden-württembergischen Landtags soll in der historisch bedeutenden Stätte stattfinden.

Freuen sich auf Zusammenarbeit: Axel Vetter, Janna Almeida, Erika Vetter und Michael Hörrmann (von links).Foto: Jürgen Holzwath
Freuen sich auf Zusammenarbeit: Axel Vetter, Janna Almeida, Erika Vetter und Michael Hörrmann (von links).Foto: Jürgen Holzwath

Zahlen und Fakten

60 Sehenswürdigkeiten sind unter dem Dach der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg vereint. Dazu gehören 17 Schlösser, beispielsweise in Schwetzingen, Ludwigsburg oder Meersburg, und 8 Gärten, etwa in Schwetzingen, Weikersheim oder Ludwigsburg. Zu den 11 Burgen zählen unter anderem Hohentwiel, Yburg und das Wäscherschloss. Lorch, Schöntal und Bebenhausen gehören zu den 12 Klöstern. Zudem gibt es 5 Kleinode wie die Grabkapelle auf dem Württemberg oder die Römische Badruine Hüfingen. ih

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