Zwischen Neckar und Alb

Neues Zuhause für Asylsuchende soll Situation entspannen

Flüchtlinge ziehen vom Nürtinger Säer in die Max-Eyth-Straße – Nach dem Umbau bietet die Unterkunft 229 Bewohnern Platz

76 Flüchtlinge sind von der Turnhalle auf dem Säer in die Max-Eyth-Straße 30 gezogen. Die Stadt Nürtingen rechnet mit 1 220 Plätzen, die für Flüchtlinge bereitgestellt werden müssen. Es wird eine weitere Koordinationsstelle für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit geschaffen.

Nürtingen. Vor einer Woche musste die Polizei ausrücken, um in der Turnhalle auf dem Säer einen Streit zwischen mehreren Gruppen unterschiedlicher Nationalitäten zu schlichten. Die Stimmung unter den fast 300 Flüchtlingen, die hier auf engstem Raum zusammenleben, schien überzukochen. Wohl auch um die Lage in der Einrichtung am Schulzentrum zu entspannen, sind in der vergangenen Woche 76 der jungen Männer in die Max-Eyth-Straße gezogen. In dieser Woche sollen 56 weitere folgen. Aber die frei gewordenen Betten in der Turnhalle sollen schon bald mit neuen Flüchtlingen belegt werden. In der Max-Eyth-Straße möchte der Landkreis nach einem Umbau des Gebäudes im Herbst 229 Leute unterbringen.

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Sven Singler, Integrationsbeauftragter der Stadt Nürtingen, erklärte im Kultur-, Schul- und Sozialausschuss, nach welchen Kriterien die 76  Leute ausgesucht wurden, die in die neue Unterkunft ziehen durften: „Es sind zum Teil traumatisierte Menschen, die auf dem engen Raum nicht mehr wohnen können.“ Um Spannungen unter den Bewohnern zu verhindern, sollen in dem neuen Zuhause nicht mehr als vier bis fünf unterschiedliche Nationen zusammengelegt werden. „Wir arbeiten in enger Kooperation mit den ehrenamtlichen Helfern vom Säer, die die Menschen bereits gut kennen“, sagt Cosima Röder, Koordinatorin für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit bei der Stadt.

Röder steht im ständigen Austausch mit dem Netzwerk der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in Nürtingen (Nfant). „Wir sehen uns als Sprachrohr der Arbeitskreise, aber auch als Ohr, an das viele Informationen herangetragen werden“, so Martin Häberle von Nfant. Eine der Hauptaufgaben sei die Errichtung eines neuen Arbeitskreises für die Unterkunft in der Max-Eyth-Straße: „Wir haben 50  Ehrenamtliche, die sich engagieren wollen. Die meisten davon kommen aus der Braike“, so Röder.

Der AK Max-Eyth-Straße soll Sprachkurse organisieren. „Wichtig wird es aber auch sein, die Nachbarschaft mit einzubinden“, sagt Röder. Man suche noch dringend Leute, die die Flüchtlinge zu Ärzten und Behördengängen begleiten. 400 Menschen seien laut Singler in Nürtingen derzeit in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Um die ehrenamtliche Arbeit zu koordinieren, wurde im Mai 2015 eine Stelle mit einem Umfang von 50 Prozent geschaffen, die mit Röder besetzt wurde. Im Laufe des Jahres wurde der Arbeitsumfang der Stelle auf 100 Prozent erhöht. Zu reichen scheint das nicht. „Die Aufgaben sind doch vielfältiger, als wir anfangs gedacht haben“, so Singler. Zu den Aufgabenfeldern der Koordinationsstelle gehört es, Schnittstelle zwischen Ehrenamt, Sozialbetreuung und Verwaltung zu sein. Auch der Aufbau und die Unterstützung neuer Arbeitskreise, die Fortbildung von Ehrenamtlichen, die Verwaltung von Geldspenden sowie die Sprachförderung und Kooperation mit der Volkshochschule sind Arbeitsfelder.

Der hohe Aufwand zwingt die Stadt dazu, eine weitere Koordinationsstelle einzurichten: „Mit der Anschlussunterbringung kommt noch mehr Arbeit auf uns zu“, sagte Singler. Deshalb wurde beim Landkreis eine weitere personelle Aufstockung angefragt und genehmigt. Dafür gibt es einen Zuschuss von 75 Prozent. Die Stelle wird so schnell wie möglich besetzt.

Für weitere Unterstützung wird ein Dolmetscher-Pool sorgen, der seine Arbeit spätestens im Juni aufnehmen soll: „Wir haben bereits 40  Personen als Übersetzer regis­triert. Es müssen nur noch strukturelle Dinge geklärt werden“, so Singler. Auch bei Nfant ist man dabei, die Flüchtlingsarbeit zu intensivieren. In Nürtingen soll eine psychosoziale Beratungsstelle eingerichtet werden. „Einmal in der Woche soll es eine Sprechstunde geben.“ Die Räume dafür stellt der Trägerverein Freies Kinderhaus.