Zwischen Neckar und Alb

Neuhausen und Nürtingen springen auf

Infrastruktur Damit mehr Menschen den Schienenverkehr nutzen, werden zwei S-Bahnlinien verlängert.

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Kreis. Ab 2025/2026 sollen die Bürger im Kreis Esslingen auf den Fildern und im Neckartal besser mit dem S-Bahnnetz vertaktet werden. Während bei der geplanten Verlängerung der S2-Linie von Filderstadt nach Neuhausen bereits über Kosten in Höhe von 209 Millionen Euro gesprochen wird, stehen die Überlegungen rund um den Nürtinger S-Bahn-Anschluss noch am Anfang. Immerhin haben der Verband Region Stuttgart und die Deutsche Bahn jetzt eine Planungsvereinbarung unterzeichnet.

Damit haben beide Seiten ihren Willen bekundet, die S-Bahn-Züge eines Tages auf der Neckartalbahn von Plochingen aus über Wendlingen und Oberboihingen bis in die Hölderlinstadt fahren zu lassen. So teuer wie die S-Bahn-Verlängerung von Filderstadt nach Neuhausen dürfte das jüngste S-Bahn-Projekt im Kreis wohl nicht werden, denn hier sind die Gleise ja vorhanden.

Grünes Licht für die Mitfinanzierung der S-Bahn Neuhausen hat der Kreis bereits gegeben. Hierbei wollen Kreis und die Kommunen Neuhausen und Filderstadt sowie die Region und das Land jeweils ein Drittel der Kosten übernehmen. Der Kreis wird vermutlich 11,6 bis 13,3 Millionen Euro berappen und die beiden Kommunen je 5,8 bis 6,7 Millionen Euro. Dazu kommen weitere 24,4 Millionen Euro für den Betrieb und den Kauf von drei S-Bahn-Fahrzeugen.

Für den S-Bahn-Anschluss von Nürtingen rechnet der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler mit rund zehn Millionen Euro an Finanzbedarf. Damit soll die bereits bestehende Bahntrasse ertüchtigt werden. Da es sich um Bahnanlagen handle, steure die Deutsche Bahn die gesamte Planung. Investiert werden müsse wohl auch in die Signal­anlagen und Weichen.

Wurmthaler rechnet mit einer Planungsdauer bis zum Jahr 2022 - erst dann könne man vermutlich von einer gewissen Kostensicherheit ausgehen. Zum Beispiel müsse geprüft werden, ob im Nürtinger Bahnhof ein weiterer Bahnsteig notwendig sein wird. Spannend dürfte es werden, wenn anschließend die Ausführungsplanung beginnt. Dann lässt sich konkretisieren, welche Investitionen auf die Stadt Nürtingen im Zusammenhang mit der S-Bahn zukommen werden. Die Stichworte dafür sind: Ausbau von Unterführungen und der geplante Bau einer Fußgängerbrücke. Bisher geht die Kommunalverwaltung davon aus, dass die Bahn alles für ihren Betrieb Notwendige bis zum Übergabepunkt an das öffentliche Wegenetz baut.

Während sich die Neuhausener über die Ankündigung ärgern, dass die S-Bahn nicht 2022, sondern erst 2026 auf den Fildern bis zu ihnen rollen wird, hoffen die Nürtinger für sich auf einen straffen Zeitplan und die ersten roten Züge in der Stadt bereits in fünf Jahren. Ihren Willen dazu wollen die Gemeinderäte nach der Sommerpause mit einer Resolution bekräftigen. Ein Bekenntnis der Großen Kreisstadt wäre ein Signal an die Partner Deutsche Bahn und Verband Region Stutt­gart, kommentiert Wurmthaler diese Ankündigung. Ob die Pläne allerdings so zügig umgesetzt werden können, hängt vom Fortgang einer der größten Baustellen im Land ab, denn die S-Bahn-Verlängerung bis nach Nürtingen ist eng mit der Fertigstellung des neuen Stuttgarter Bahnhofs verbandelt. Erst dann gibt es auf der Neckartalstrecke freie Kapazitäten für zusätzliche S-Bahnen, die bis Nürtingen rollen könnten.

„Ich gehe ganz klassisch vom Jahr 2025 aus“, erklärte dazu Jürgen Wurmthaler. Der Verkehrsdirektor der Region spricht von einem ehrgeizigen Zeitplan - und das wohl nicht nur mit Blick auf die Stuttgarter Jahrhundertbahnbaustelle. Corinna Meinke

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