Zwischen Neckar und Alb

Neustart für das Zwiebelfest

Kommunalpolitik Der Gemeinderat stimmt für ein neues Konzept unter der Flagge der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH. Finanziell unterstützt die Stadt dies nur die ersten drei Jahre. Von Christian Dörmann

Die Zeit des Zwiebelfestes in seiner bisherigen Form endet 2020. Im Jahr darauf übernimmt die EST mit einem neuen KonzeptArchivf
Die Zeit des Zwiebelfestes in seiner bisherigen Form endet 2020. Im Jahr darauf übernimmt die EST mit einem neuen KonzeptArchivfoto: Robin Rudel

Das Esslinger Zwiebelfest in seiner heutigen Form wird letztmals im Jahr 2020 auf dem Marktplatz gefeiert. Danach übernimmt die Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) im Auftrag der Stadt das Regiment und stellt die bisherige große Stadthocketse konzeptionell auf neue Beine. Gegen diesen Weg sprachen sich gestern im Gemeinderat lediglich die Freien Wähler aus, ansonsten gab es breite Zustimmung für einen Neuanfang. Seit etwa zehn Jahren wird das Zwiebelfest von einer GmbH der Wirte veranstaltet, und schon seit geraumer Zeit macht die Veranstaltung immer wieder mit negativen Schlagzeilen von sich reden. Darunter hat das Image gelitten, und nun hat der Gemeinderat deutlich gemacht, dass er einen neuen Weg einschlagen will. Das hat nicht zuletzt auch rechtliche Gründe, nachdem sich erstmals 2016 auch andere Interessenten für die Nutzung des Marktplatzes beworben hatten. Damit kommt die Verwaltung um eine offene Ausschreibung des Festes nicht herum.

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Oberbürgermeister Jürgen Zieger sprach gestern den bisherigen Zwiebelfestwirten, die noch eine Übergangszeit bis zum Jahr 2020 nutzen können, ausdrücklich seinen Dank und seinen Respekt für deren Engagement aus. Und er hofft, wie auch EST-Chef Michael Metzler, dass die Wirte der heutigen GmbH auch künftig ihren Hut in den Ring werfen, wenn auf dem Marktplatz und wohl auch auf dem Rathausplatz gefeiert wird. Dabei sieht Metzler im Falle einer Bewerbung gute Chancen für sie, denn schließlich verfügten die Zwiebelfestwirte ja über jede Menge Erfahrung.

„Ein Neustart könnte eine Chance bieten, die abnehmende Akzeptanz der Bürgerschaft umzukehren“, sagte Stadtrat Richard Kramartschik für die SPD-Fraktion und benannte die Querelen der vergangenen Jahre als eine von mehreren Ursachen dafür. Dass das neue Fest, dessen neuer Name erst noch gefunden werden muss, lediglich eine Anschubfinanzierung während der ersten drei Jahre in Höhe von jeweils 50 000 Euro erhalten soll, hat es der CDU ermöglicht, dem Neustart zuzustimmen. „Und auch die rechtliche Situation ist jetzt geklärt“, meinte Edward Errol Jaffke.

„Wir sehen das anders“, machte Daniela Hemminger-Narr für die Freien Wähler deutlich. Insgesamt hätten sich die Wirte 30 Jahre lang für das Fest engagiert und seien in eine neue Konzeption nicht mit eingebunden worden. Zudem seien auch die Bürger nicht nach ihrer Meinung gefragt worden. Die Freien Wähler hoffen nun, dass die heutigen Zwiebelfestwirte in die künftige Entwicklung eingebunden werden, und dass man einen gemeinsamen Weg sucht. Dem neuen Konzept verweigerten die Freien Wähler ihre Zustimmung.

„Wir brauchen den Neuanfang und ein neues Konzept, und die EST ist der richtige Partner dafür“, betont Carmen Tittel, Fraktionschefin der Grünen. Auch sie hofft, dass sich die heutigen Wirte am künftigen Fest beteiligen. Zustimmung gab es auch von der Gruppe Die Linke und von der FDP, obwohl sich diese gegen jede finanzielle Förderung des künftigen Festes gewandt hatte. Auch Dilek Toy (FÜR) ist gegen städtisches Geld für Wirte und lehnte daher ab.

Mit einer neuen Anordnung von bis zu 24 Lauben für neun bis zwölf Gastronomen mit überwiegend schwäbischer Küche, der Konzentration auf hiesige Weine und Sekt und einem unaufdringlichen kulturellen Begleitprogramm soll es nun von 2021 an gelingen, wieder mehr Menschen auf das Fest zu locken. „Die Stadt soll sich mit ihrem unverwechselbaren Profil darstellen“, so Michael Metzlers Plan.