Zwischen Neckar und Alb

Nürtingen setzt auf Kunst am Kasten

Stadtentwicklung Mehr als 50 Strom- und Ampelkästen sollen im Stadtgebiet bemalt werden. Die Idee stammt aus Wuppertal und Bremerhaven. Von Andreas Warausch

Gebhard Schweizer vom Verein Citymarketing hat auch dieses Exemplar in der Mühlstraße auf die Liste der zu bemalenden Strom- und
Gebhard Schweizer vom Verein Citymarketing hat auch dieses Exemplar in der Mühlstraße auf die Liste der zu bemalenden Strom- und Ampelkästen gesetzt. Foto: Andreas Warausch

Überall stehen sie in der Stadt herum: Verteilerkästen für den Strom, Kästen für die Ampelschaltungen. Grau sind sie bestenfalls. Denn oft sind sie schmuddelig, beschmiert oder beklebt. Aus den grauen Stiefkindern sollen nun farbige Duftnoten werden. So wie die bunten und fantasievollen Esel, die seit den Festlichkeiten zum 700. Geburtstag im Walddorfhäslacher Ortsteil Häslach als künstlerische Hommage an den Necknamen der Ortsbewohner an den Straßen stehen.

Pate für die Idee von Gebhard Schweizer, Vorstandsmitglied des Vereins Citymarketing, aber standen die Städte Wuppertal und Bremerhaven. Wie dort werden sich nun Künstler auch um Strom- und Ampelkästen an viel befahrenen Einfallstraßen und stark frequentierten Kreuzungen kümmern. Gebhard Schweizer: „Die Stadt soll bunter werden.“ Es geht um Verschönerung und um Gestaltung.

Beim Verein Citymarketing war man gleich begeistert von der Idee. Und auch bei den Nürtinger Stadtwerken gab es grünes Licht. 40 Stromkästen an den Toren zur Stadt wie in der Kirchheimer, Metzinger oder Stuttgarter Straße, an der Tiefenbach- oder der Alleenstraße und an der Neckarbrücke guckte man sich aus. Hinzu kommen von der Stadt verwaltete Ampelkästen an markanten Punkten im Stadtgebiet. Schweizer: „Die liegen zentraler.“

Ausgesucht wurden die Kästen nach den Kriterien Standort und Sichtbarkeit, erklärt der ehemalige Modeunternehmer. Die Kästen auf der Liste hat er mit Nummern versehen. Schweizer: „Das war viel Arbeit.“ Klar: Das ganze Stadtgebiet musste mit dem Fahrrad abgefahren werden.

Über 50 Kästen sind es nun. Und für 35 fanden sich bereits künstlerische Paten. Zuerst wendete man sich an die Künstler, die auch bei den Kunsttagen in den Werbering-Geschäften ausstellen. Zehn von ihnen machen mit. Auch weitere Institutionen wie die Kinderkulturwerkstatt, die Jugendkunstschule und Nürtinger Schulen wurden angesprochen. Auch die Behinderten-Förderung Linsenhofen und das „Haus der Familie“ sind schon mit im Boot.

Ganz prominente Namen finden sich bereits auf der Liste derer, die die farbigen Duftnoten setzen wollen. Da ist zum Beispiel der aus Nürtingen stammende Künstler Rainer Hoffelner. Oder auch die beiden Künstler der Gruppe „AdKru“, die an der Nürtinger Hochschule für Kunsttherapie studierten, wie Gebhard Schweizer erläutert. Manch einer erklärte sich bereit, gleich mehrere Kästen zu bemalen. Sie alle arbeiten ehrenamtlich. Die Materialkosten übernimmt der Citymarketing-Verein.

Werbung ist nicht erlaubt

Vorgaben für die Motive werden keine gemacht. Freilich sollen die Vorbilder aus Wuppertal und Bremerhaven als Inspiration dienen. Und natürlich darf außer einer Signatur des Künstlers keine Werbung gemacht werden. Auch Provokationen sind nicht erlaubt. Wetterfest und UV-beständig muss die Bemalung sein. Jeder Künstler bekommt ein Merkblatt zur handwerklichen Umsetzung. Auch die Funktionalität der Kästen darf nicht beeinträchtigt werden.

Jetzt hofft Gebhard Schweizer, dass sich noch mehr Künstler für die verbleibenden Kästen melden. Und wenn die Zahl der Kästen auf der Liste überstiegen wird? Kein Problem, erklärt Schweizer. Dann wird man eben noch mehr graue Kästen im Stadtgebiet finden und einbeziehen.

Für alle ehrenamtlichen Künstler gibt es natürlich einen Anreiz, der über die Möglichkeit, ein bleibendes Werk im öffentlichen Raum zu präsentieren, hinausgeht. Die Künstler sollen nämlich ein Bild ihres Kunstwerks einreichen. Das wird nach Abschluss der Aktion nach dem Sommer im Internet präsentiert.

Und dort können die Bürger dann auch für ihr Lieblingswerk stimmen. Die ersten drei Werke werden prämiert und mit 300, 200 beziehungsweise 100 Euro belohnt.

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