Zwischen Neckar und Alb

Obstbauern kämpfen

„Dank reicht nicht zum Leben aus“

Die Streuobstwiesen sind eines der wichtigsten Aushängeschilder für die Region. Doch der Erhalt und die Pflege sind seit Jahren Dauerthema bei Fachverbänden und politischen Gremien. So auch bei der Hauptversammlung des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine (KOV) Nürtingen in Reudern.

Nürtingen. Harte Arbeit, kaum Erlöse: Für Stücklesbesitzer ist das bittere Realität. Dabei fielen die Preise von durchschnittlich acht bis zehn Euro pro 100 Kilo Äpfel im vergangenen Herbst sogar überdurchschnittlich hoch aus. Durchschnittlich sind es nur um die 3,50 Euro.

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Dietmar Bez, Vorsitzender des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauer in Reutlingen, macht dazu eine kleine Rechnung auf: Von dem, was der Kunde im Laden für den Liter Apfelsaft bezahlt, erhalten die Stück­lesbesitzer seiner Schätzung nach bestenfalls 4,5 Prozent.

Angesichts der Arbeitszeit, Kosten für die Anschaffung und Wartung von Gerätschaften, Grundsteuer und Pacht, Düngemittel oder den Sachkundenachweis ist klar: Unter dem Strich bleibt fast nichts übrig. „Eine rentable Bewirtschaftung ist auf der Basis von Markterlösen nicht zu erreichen“, sagt Bez.

Immerhin: Der neue Zuschuss von 30 Euro pro Baum sei ein Einstieg, urteilt der Experte. Für ausreichend hält er aber den Landes-Fördertopf nicht. Bez stieß deshalb im Verbund Schwäbisches Streuobstparadies eine Diskussion an, die er nun auch in die Obst- und Gartenbauvereine tragen möchte. Seine Idee: Als operativer Teil könnte eine „Paradiesische Streuobstgenossenschaft“ das Obst aufkaufen, verarbeiten und im regionalen Vertrieb vermarkten. Zugleich würde dies aus Bez‘ Sicht eine deutlich günstigere Förderkulisse bieten statt der aufwendigen Einzelförderung. Er schielt dabei auf ähnliche Fördersätze wie bei den Landwirten.

Seine Idee stellt der Verband Schwäbisches Streuobstparadies derzeit auf den Prüfstand, mögliche Partner für Logistik und Vertrieb müssten noch gesucht werden. Laut Landesbeamtin Marion Leuze-Mohr seien Ideen gefragt, soll das Kulturgut Streuobstwiese erhalten bleiben. Ein zukunftsweisendes Projekt ist für sie zum Beispiel die Ausbildung zu Streuobst-Pädagogen: „So können wir die Kinder für das Thema Streuobstwiese sensibilisieren und begeistern und die Bewirtschafter von morgen gewinnen“, hofft sie.

Marion Leuze-Mohr begrüßt, dass zum neuen Landesprogramm im Regierungsbezirk Stuttgart die meisten Förderanträge aus dem Kreisgebiet kamen: „Es wurden 120 Anträge für rund 36 500 Bäume gestellt“, berichtet Leuze-Mohr.

Reuderns Ortsvorsteher Bernd Schwartz sieht vor allem die Aufgabe darin, junge Familien für die Pflege der Wiesen zu gewinnen: „Alte Bäume sind nicht nur was für alte Männer“, sagt er. Umso begrüßenswerter sei da, dass zu den über 4 300 Mitgliedern des KOV im vergangenen Jahr etliche Familien und Jugendliche unter 18 Jahren dazu kamen.

Die Kreisverbandsvorsitzende ­Sigrid Jetter spielte den Ball indes an die Politik zurück. Zwar helfen die Förderungen, dass es weitergehe. Mehr als ein erster Schritt in die richtige Richtung ist es für die Obst- und Gartenbauer jedoch nicht. „Vom Dank allein können wir nicht leben“, sagt Jetter.