Zwischen Neckar und Alb

Offene Grüne Liste verärgert das Ratsrund

Stipendium Plochinger Jung-Stadträtin gibt ihr Amt nach wenigen Wochen ab – und drei Nachrücker wollen es nicht.

Aus dem Stadtrat nach Dublin: Lara Kerner.Foto: oh
Aus dem Stadtrat nach Dublin: Lara Kerner. Foto: oh

Plochingen. Eine junge Liste hat ihren Preis. Die 18-jährige Lara Kerner saß nur wenige Wochen als frisch gewählte Stadträtin für die Offene Grüne Liste (OGL) im Alten Rathaus in Plochingen. Wegen eines Stipendiums in Dublin, mit dem sie eigenen Angaben zufolge nicht gerechnet hatte, hat sie nun ihr Gemeinderatsmandat zurückgegeben. Was die Ratsrunde nur murrend geschluckt hat. Dass aber mit Rainer Theobald, Janina Mara Speiser und Maike Amann auch die drei nächs­ten Nachrücker abgewunken haben, Kerners Platz zu übernehmen, wollten CDU und SPD nicht hinnehmen. Kerner darf gehen, aber die Nachrücker wollten sie nicht so einfach aus der Pflicht lassen. Theo-obald könne mit 62 Jahren verlangen, nicht mehr ins Gremium nachrücken zu müssen, Speiser meldet sich in den nächsten Wochen in Plochingen ab und Amann argumentiere mit der zeitlichen Belastung.

Immerhin hätten die vier Kandidaten mehr als 7000 Wählerstimmen eingesammelt, und er frage sich schon, wie ernst sie es mit dem Ehrenamt genommen hätten. Dass damit auch Arbeit auf sie zukomme, hätten sie im Voraus gewusst, rügte der CDU-Fraktionsvorsitzende Reiner Nußbaum. Thomas Fischle von der SPD stellte sogar das Wort „Wählertäuschung“ in den Raum. Ähnlich argumentierte Klaus Hink (ULP). Entscheidend sei für ihn, ob die Hinderungsgründe auch schon zum Zeitpunkt der Wahl vorgelegen seien. Bei der Frage nach den Beweggründen war die Verwaltung zurückhaltend. Denn hinter jedem einzelnen Nein stehe eine eigene, persönliche Geschichte. Peter Blitz von der OGL nahm Kerner und Co. in Schutz: Er finde die Diskussion nicht sehr fair, die Beweggründe seien teilweise sehr privater Natur. Und was den Rückzug von Lara Kerner angehe: Wenn man so etwas ausschließen wolle oder dem Betreffenden gar mit dem Verwaltungsgericht drohe, ließen sich gar keine jungen Leute mehr für den Gemeinderat gewinnen.

Dass das Thema als solches zwar öffentlich behandelt werden müsse, der Inhalt aber nicht an die große Glocke gehängt werden sollte, erläuterte der Plochinger Hauptamtsleiter Martin Gebauer. Die OGL muss nun damit rechnen, dass sie über Monate hinweg nur mit vier statt fünf Mitgliedern im Rathaus vertreten sein wird. Wie Gebauer aber erklärt, wird die Verwaltung das Thema noch einmal auf die Tagesordnung setzen. Claudia Bitzer

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