Zwischen Neckar und Alb

Ohne Biotop kein Artenschutz

Natur Seit der Nabu sich um die Steinkäuze in der Umgebung kümmert, nimmt ihre Zahl rasant zu. Dafür gibt es jetzt 3 045 Euro Förderung vom Ministerium. Von Gaby Kiedaisch

Die Beringung lassen die Steinkäuze ohne größere Proteste über sich ergehen. Foto: Gaby Kiedaisch
Die Beringung lassen die Steinkäuze ohne größere Proteste über sich ergehen. Foto: Gaby Kiedaisch

So prominenten Besuch haben Dieter Schneider und seine Mitstreiter in Sachen Steinkauz eher selten: Landrat Heinz Eininger, Dr. Marion Leuze-Mohr, Erste Landesbeamtin, und Isabelle Paak vom Regierungspräsidium Stuttgart wollen sich selbst ein Bild vom Erfolg der Artenschutzgruppe des Nabu machen. Immerhin gibt es sie schon seit 41 Jahren. Seither hat sich die Steinkauzpopulation rund um Wendlingen von fünf auf 135 Steinkäuze (Stand 2016) entwickelt. Zu verdanken ist dies vor allem Dieter Schneider und seinen Mitstreitern. Schneider ist seit der Gründung 1976 das Zugpferd. Für seinen unermüdlichen Einsatz ist der Vogelexperte im vergangenen Jahr mit der goldenen Ehrennadel vom Nabu Deutschland geehrt worden.

Als die drei Jungvögel aus der Niströhre vom Baum geholt wurden, ist vom Elternpaar keine Spur zu sehen. „Sie beobachten von irgendwo, was sich hier tut“, weiß Dieter Schneider die Gäste zu beruhigen, „mit einem Angriff war von ihnen jedenfalls nicht zu rechnen“, sagt Schneider aus Erfahrung. Heinz Eininger und Marion Leuze-Mohr sind beeindruckt.

74 Jungvögel wurden im letzten Jahr bei der Beringung gezählt. Heute rechnet Schneider mit 75 bis 80. Ein erster Durchgang im Frühjahr von den 120 Niströhren lässt dies vermuten. Die Gruppe ist bis Oberboihingen, Notzingen, Köngen, Nabern, Dettingen und Jesingen aktiv. Das erfordert für die Naturschützer in der Gruppe ein gutes Durchhaltevermögen. Für die Betreuung der kleinen Eulenart opfert Dieter Schneider bis zu 400 Stunden im Jahr. Neben der Beringung der Jungvögel gehört auch das Säubern, Ausbessern oder Neuanbringen der Röhren. Im Laufe der Jahre haben sich auch die Konstruktionen verändert. Anfangs hat es laut Schneider Verluste bei den Jungvögeln durch Marder gegeben. Ein Gitter brachte nicht den erhofften Erfolg, genauso wenig geruchsintensive Mittel zur Abwehr. Bewährt hat sich dagegen ein versetzter Eingang an der Nisthilfe, die verhindert, dass der Marder mit seinem langen Körper um die Ecke kommt. Ein „Hölzchen“, wie Schneider dazu sagt, das zusätzlich auf das Eingangsloch aufgesetzt wird, verstärkt diesen Effekt. Damit haben wir seit etwa vier Jahren Erfolg“, sagt Schneider.

Die neueste Entwicklung im Niströhrenbau ist ein Schieber mit Löchern, der Frischluft ins Innere lässt. In den Röhren kann es mächtig heiß werden, der Kot der Jungvögel macht die Sache nicht besser. Im Winter kann der Schieber geschlossen werden. Gegen die Wärme kann auf die Röhre zusätzlich ein Dächle gesetzt werden.

Landrat Eininger brachte den Naturschätzern gestern seine Wertschätzung entgegen: „Ihre Arbeit und die ihrer Mitstreiter trägt Früchte.“ Drei dieser Früchte tragen jetzt neue Ringe. Sie schauen etwas verdutzt ob der vielen Leute um sich rum. Das Ausmessen und Anlegen des Rings lassen sie ohne größeren Protest über sich ergehen. Zwischen 130 und 140 Gramm bringen die drei etwa 20 Tage jungen Käuzchen auf die Waage. Ab 120 Gramm ist es optimal.

Durch die Beringung können die Nabu-Aktivisten ihre Wanderungen und Aktivitäten nachvollziehen. Anhand der Ringnummer, die in der Vogelschutzwarte in Radolfszell gespeichert wird, vollziehen sie Funde nach. Im Normalfall bewegen sich die Steinkäuze in einem Radius von bis zu fünf Kilometer, es wurden aber auch schon „Wendlinger“ Steinkäuze in Sielmingen, 19 Kilometer entfernt, oder Ditzingen, 30 Kilometer, entdeckt. Am weitesten flog ein Steinkauz nach Fulda.

Schneider erinnert an das ökologische Gleichgewicht, das nicht ohne den Schutz des Lebensraums der Vögel machbar ist. Schneiders Credo: „Ohne Biotopschutz gibt es keinen Artenschutz“, sagt er und weist damit auf die Bedeutung von Streuobstwiesen hin. Deren Erhalt und Pflege sei mitentscheidend. „Ein Indikator für eine intakte Streuobstwiese ist der Steinkauz“, sagt Schneider und verbindet damit die Hoffnung, dass es immer mehr Streuobstwiesenbesitzer gibt, die Nistkästen aufstellen.

Helfen - aber wie?

Wer kein Baumstückle hat, aber helfen möchte, den Steinkauz zu schützen, der kann eine Patenschaft übernehmen. 20 Paten gibt es bereits. Als kleinen Dank für ihre finanzielle Unterstützung werden sie zu einer Steinkauz-Beringung eingeladen. Ebenso sucht der Nabu Menschen, die sich der Artenschutzgruppe anschließen möchten. Weitere Infos kann dazu die Kreisgeschäftsstelle des Nabu in Plochingen geben.

Am Freitag, 23. Juni, um 18 Uhr findet eine Exkursion mit Dieter Schneider ins Steinkauz-Revier statt - mit Steinkauzberingung. Treffpunkt ist der Köngener Friedhof. gk

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