Zwischen Neckar und Alb

Ohne Schadstoffe durch die Luft

Forschungsprojekt 250 000 Euro stiftet der Flughafen Stuttgart für die Entwicklung des Brennstoffzellenfliegers „HY4“. Verkehrsminister Hermann sieht gute Perspektiven für solche Lufttaxis. Von Elisabeth Maier

Erstflug des Brennstoffzellen Flugzeugs HY4U des DLR auf dem Stuttgarter Flughafen.
Erstflug des Brennstoffzellen Flugzeugs HY4U des DLR auf dem Stuttgarter Flughafen.

Klimaneutrales Fliegen ist für den Stuttgarter Flughafen und das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) mehr als eine ferne Zukunftsvision. 2019 will Professor Josef Kallo von der Universität Ulm das neue Modell eines viersitzigen Brennstoffzellenflugzeugs vorstellen. Der Erstflug soll in Stuttgart stattfinden. Dieses HY4-Modell hat nicht nur eine erweiterte Reichweite. Es soll auch noch leiser sein. Verkehrsminister Winfried Hermann, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens Stuttgart ist, und Direktor Walter Schoefer übergaben gestern eine Spende über 250 000 Euro an die Wissenschaftler, um das Projekt möglichst bald zur Marktreife zu bringen.

Denn eine ökologische Spielerei soll es nicht bleiben. „Mit der HY4 wollen wir die Elektromobilität in die Luft bringen“, sagt der Ulmer Wissenschaftler Kallo, der das Projekt mit dem DLR federführend realisiert. Bis zu 40 Sitzplätze könne ein Hybridflugzeug haben. „Das hätten wir uns vor Jahren noch nicht vorstellen können“, schwärmt Kallo. Der Ulmer Professor ist selbst überrascht vom rasanten technischen Fortschritt bei der Elektromobilität. Bis zu 1 500 Kilometer könne das Flugzeug des neuen Typs zurücklegen. Wie hoch die Kosten für Passagiere wären, vermag Josef Kallo aber noch nicht zu sagen.

Hinter dem Begriff „HY4“ verbirgt sich die Technologie eines Wasserstoffbrennstoffzellen-Passagierflugzeuges mit vier Sitzen. Es ist ein Hybrid mit leistungsstarken PEM-Brennstoffzellen für große Reichweite und Lithium-Hochleistungsbatterien. Die Technologie, auf der die „HY4“ basiert, ist das Ergebnis zehnjähriger Forschungsarbeit des DLR im Bereich des elektrischen Fliegens. Sie wurde im Rahmen des „Nationalen Innovationsprogrammes Wasserstoff und Brennstoffzelle“ gefördert. Im September 2016 war auf dem Stuttgarter Flughafen die Weltpremiere des neuen Flugzeugtyps. Der Erstflug des neuen Modells soll auch wieder in Echterdingen stattfinden.

„Wir wollen Europas nachhaltigster Flughafen werden, und dazu gehört auch, über neue Technologien für das Fliegen nachzudenken“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann. Der Grünen-Landespolitiker findet es wichtig, umweltfreundliche Verkehrsmittel zu erforschen und zu testen. „Die negativen Auswirkungen des Fliegens sind allgemein bekannt, da gilt es, neue Wege zu beschreiten“, stellte auch Flughafendirektor Walter Schoefer klar. „Die Auswirkungen auf die Menschen, die rund um den Flughafen leben, sind immens.“ Da denkt Schoefer vor allem an Fluglärm und Abgase. Die umweltfreundlichen Hybrid-Flugzeuge seien deutlich leiser. „Wir müssen langfristig etwas bewegen, damit die Luftfahrt zukunftsfähig bleibt.“ Deshalb unterstütze der Stuttgarter Flughafen das Projekt der DLR-Wissenschaftler nach Kräften. Der Flughafen hat bereits 180 000 Euro zu dem Projekt beigesteuert. Schoefer und Verkehrsminister Hermann können sich vorstellen, schon mittelfristig zum Beispiel Kurzstreckenflüge zu den Landesflughäfen in Friedrichshafen, Söllingen oder Schwäbisch Gmünd zu realisieren.

Zügig an den Markt gehen

„Wir wollen mit unserem Brennstoffzellenflieger zügig an den Markt gehen“, versichert Kallo. Deshalb kümmert sich die Firmen-Ausgründung H2Fly schon jetzt darum, Investoren für das Projekt zu interessieren. Derzeit entwickeln Kallo und sein Team eine Maschine mit vier Sitzplätzen. „Zunächst sind umfassende Praxistests erforderlich, bevor wir in der Maschine auch tatsächlich Passagiere befördern werden.“ Kallo sieht die Zukunft in intermodalen Verkehrssystemen. „Wir werden mit dem Brennstoffzellenflieger nur bestimmte Strecken anbieten können. Vernetzt mit anderen Transportmitteln, stellen sie eine echte Alternative dar.“

Welche ökologischen und wirtschaftlichen Perspektiven sieht Minister Hermann für das Projekt? „Wir arbeiten darauf hin, in allen Bereichen Schadstoffe zu reduzieren.“ Da sei es konsequent, dass der Flughafen auch innovative Forschungsprojekte wie „HY4“ unterstütze und mit voranbringe. Klimaneutrales Fliegen ist für Hermann ein wichtiges Ziel der Zukunft.

Gerade für die ländlichen Gebiete könnten solche Lufttaxis mit umweltfreundlichem Antrieb eine Alternative sein. Auch für die High-Tech-Industrie in Baden-Württemberg sieht Hermann gute Perspektiven, wenn die Maschinen neuen Typs von und mit Firmen im Land mit entwickelt und auch produziert würden. Er will das Gespräch mit seiner Kollegin, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, suchen, um ökonomische Perspektiven auszuloten.

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