Zwischen Neckar und Alb

Pack die Sonne in den Tank

Das Solaraktivhaus der „AeDis AG“ kommt mit 100 Prozent erneuerbaren Energien aus

Die Sonne liefert fast unendlich Energie, aber sie scheint halt nicht immer. Könnte man sie nur speichern, sie in einen großen Tank packen. Beim Neubau ihres Firmengebäudes im Ebersbacher Stadtteil Roßwälden macht die AeDis AG genau das. Ist die Sonne wieder weg, reichen die Vorräte für eine ganze Woche.

Der Solarspeicher fasst 9¿400 Liter Wasser. Er wiegt leer 1,5 Tonnen und voll elf Tonnen. Fotos: Peter Dietrich
Der Solarspeicher fasst 9¿400 Liter Wasser. Er wiegt leer 1,5 Tonnen und voll elf Tonnen. Fotos: Peter Dietrich

Ebersbach. „Endlich einmal das machen, was wir immer schon machen wollten, ‚wohlfühlbauen‘“, schwärmt Peter Reiner. Der Architekt und Aufsichtsrat der AeDis AG ist einer von zwei Projektleitern für das neue Firmengebäude mit Architekturbüros und Restaurierungswerkstatt.

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Der schnörkellose Entwurf in Holzbauweise stammt von seiner Frau, Petra Zimmermann-Reiner, die ebenfalls Architektin ist. Bisher ist die AeDis AG, die sich um Restaurierung und Denkmalpflege kümmert, in Hochdorf zu Hause. „Das Sonnenhaus liegt im Zeitplan“, sagt Klaus Lienerth, noch ein Architekt und zweiter Projektleiter. „Ab Mai wollen wir die Werkstatt, ab August die Büros beziehen.“ Lienerth ist Vorstand der für den Bau des Sonnenhauses gegründeten R892GbR – 892 ist die Nummer des Flurstücks am nördlichen Ortsrand von Roßwälden.

Mitten im Sonnenhaus, auch als Solaraktivhaus bezeichnet, wurde jetzt mit einem Kran ganz behutsam ein großer Wassertank platziert. Der Stahltank wiegt leer rund 1,5 Tonnen. Mit 9 400 Litern Wasser gefüllt, wiegt er rund elf Tonnen. Das Wasser wird mit einer Solarthermieanlage auf bis zu 85 Grad Celsius erhitzt. Selbst der Wärmeverlust, der mit der Zeit durch die 50 Zentimeter dicke Isolierung rund um den Tank dringt, ist nicht wirklich verloren, denn er bleibt im umgebenden Haus. Schon nach zwei Tagen Sonne ist der Speicher voll.

Die 24 Zentimeter dicke Bodenplatte des Gebäudes ist ein zweiter wirksamer Speicher. Die Platte ist nach unten gedämmt, von Heizschlangen durchzogen und heizt nach dem Verlust der direkten Sonneneinstrahlung noch ganze drei Tage lang nach. Erst danach beginnt die Auskühlung des Gebäudes. Insgesamt reicht die gespeicherte Wärme für eine ganze Woche.

Dann sollte wieder die Sonne scheinen. Tut sie das nicht, kommt die Pelletheizung zum Einsatz. Insgesamt, so die Berechnung, liefert die Sonne 75 Prozent der benötigten Heizenergie, Holzpellets die restlichen 25 Prozent.

Zusätzlich erzeugt eine Photovoltaikanlage mit 120 Quadratmetern Fläche und einer Spitzenleistung von 18,7 Kilowatt Peak mehr Strom, als das Gebäude selbst verbraucht. „Eine gute Dämmung, Solarthermie, Photovoltaik und Holz“, fasste Reiner das Konzept des KfW-55-Effizienzhauses zusammen. Es unterschreite die aktuelle Energieeinsparverordnung um 50 Prozent. Die 28 Zentimeter starke Dämmung besteht zum Großteil aus einem Dämmmaterial, das aus Zeitungspapier hergestellt wird, der Rest sind Holzweichfaserplatten.

Als Wärmeschutz im Sommer wird das flach geneigte Dach begrünt, das Regenwasser wird in einer Zisterne gesammelt und unter anderem für die Toilettenspülung genutzt.

Das Gebäude kommt mit möglichst wenig Technik aus und soll dennoch energieeffizient sein. Der grüne Landtagsabgeordnete Andreas Schwarz gratulierte zur gelungenen Kombination aus „Innovation, Ökologie und Regionalität“. Sehr viel Fachwissen für den Neubau nach neuesten Erkenntnissen kommt aus Orten wie Baltmannsweiler, Hochdorf und Wernau. Um aber die „Wer hat’s erfunden?“-Frage ganz ehrlich zu beantworten – es steckt auch Technik aus der Schweiz im Sonnenhaus.

Peter Reiner spricht im Vergleich zu einer konventionellen Heizungsanlage von Mehrkosten von rund 50 000 Euro. Dem stehe bei den Energiekosten eine jährliche Ersparnis von 2 500 Euro – bei heutigen Energiepreisen – entgegen. Reinerts vereinfachte Rechnung geht so: Anfangs sind 500 Euro für die Zinsen, 2 000 Euro für die Tilgung. Da die Technik allerdings viel länger als 30 Jahre halten soll, ist sie bis zu ihrem Ende längst abbezahlt. „Eigentlich sollte man nur noch so bauen“, findet Reiner. Doch noch gibt es bundesweit erst rund 1 100 vergleichbare Gebäude.

Bau eines Solaraktivhauses in Ebersbach-Rosswälden - der Solarspeicher fasst 9400 Liter Wasser mit einer Temperatur von 85 Grad
Bau eines Solaraktivhauses in Ebersbach-Rosswälden - der Solarspeicher fasst 9400 Liter Wasser mit einer Temperatur von 85 Grad Celsius - er wiegt leer 1,5 Tonnen und voll 11 Tonnen - er wurde in die Mitte des Hauses platziert, nun wird er dick isoliert - die durch die Isolation entweichende Wärme landet im Haus, auch sie ist nciht verloren