Zwischen Neckar und Alb

Pflegeheim wird zum Hotspot

Ausbruch Zahlreiche Bewohner und Beschäftigte im Pflegeheim Pliensauvorstadt in Esslingen sind positiv auf Covid-19 getestet worden. Zwei Senioren sind im Zusammenhang mit der Infektion gestorben.

Die Jahrgänge 1924 bis 1931 gelten im Seniorenheim als besonders gefährdet. Symbolfoto: Jean-Luc Jacques
Die Jahrgänge 1924 bis 1931 gelten im Seniorenheim als besonders gefährdet. Symbolfoto: Jean-Luc Jacques

Trotz aller Präventions- und Hygienemaßnahmen ist es laut einer Pressemitteilung der Stadt Esslingen zu einem Corona-Ausbruch im Pflegeheim Pliensauvorstadt gekommen. 15 der 44 Bewohner wurden positiv auf Covid-19 getestet, zwei sind im Zusammenhang mit der Infektion gestorben und zwei weitere befinden sich in kritischem Zustand. Elf Beschäftigte wurden ebenfalls positiv getestet. Hinzu kommen zwei weitere Verdachtsfälle, sodass sich jetzt 13 Beschäftigte in Quarantäne befinden.

„Das ist eine traurige Situation für uns alle, sie führt uns aber deutlich vor Augen, dass unsere Bewohner zu den besonders gefährdeten Menschen gehören und wir alles zu deren Schutz tun müssen“, sagt Thilo Naujoks, Geschäftsführer der Städtischen Pflegeheime: „Auch wenn manche Maßnahmen immer wieder als überzogen kritisiert werden.“ Von einem schweren Krankheitsverlauf besonders betroffen sind Bewohner der Geburtsjahrgänge zwischen 1924 und 1931.

„Wie sich das Coronavirus seinen Weg in das Heim bahnte, lässt sich nicht mehr sicher nachvollziehen, zumal unsere Pflegekräfte bei Verdachtsfällen mit kompletter Schutzausrüstung arbeiten. Bei Symptomen bleiben sie sofort zu Hause“, erklärt Uta Winckler, Heimleiterin in der Pliensauvorstadt. Auch Besucher dürfen seit Beginn der Pandemie nur nach Registrierung, Händedesinfektion und mit Mundschutz das Heim betreten. Zudem sind Besuche nur im Zimmer und nicht in den Gemeinschaftsbereichen erlaubt.

Die ersten beiden Infektionen wurden am Montag, 19. Oktober, nachgewiesen, nach Genehmigung durch das Gesundheitsamt fand zwei Tage später ein Reihentest aller Bewohner und Beschäftigten statt. Die letzten Ergebnisse standen am Dienstag zur Verfügung.

„Da bis dahin das Infektionsgeschehen nicht eindeutig nachvollziehbar war, haben wir das Heim geschlossen und darum gebeten, Besuche auf sehr dringende Fälle zu begrenzen“, berichtet Thilo Naujoks. Am Dienstag fand ein zweiter Reihentest statt. Bis die Ergebnisse vorliegen, müssen Besucher im Vorfeld einen Termin vereinbaren, damit alle Vorkehrungen getroffen werden können, eine Gefährdung auszuschließen.

Nach heutigem Stand sind zwei der insgesamt vier Hausgemeinschaften betroffen. Alle Bewohner verfügen über ein Einzelzimmer mit Sanitärraum. Wir versuchen alles, Infektionsketten zu unterbrechen und eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Im Gegensatz zum Frühjahr ist Schutzausrüstung vorhanden, die Hygienepläne stehen und sind allen bekannt. Darüber hinaus können die Städtischen Pflegeheime auf einen mit guten Experten besetzten eigenen „Pandemiestab“ zurückgreifen, der die betroffenen Einrichtungen unterstützt.

„Wenn aber wie jetzt fast 40 Prozent der Pflegekräfte in Quarantäne sind, befinden wir uns alle in einer Extremsituation“, bilanziert Uta Winckler.

Bislang haben sich in den Pflegeheimen Obertor, Berkheim, Hohenkreuz und Oberesslingen keine Bewohner infiziert. „Wir haben alle heimübergreifenden Kontakte auf das Allernotwendigste beschränkt“, sagt Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger. Hoffnung setzen die Städtischen Pflegeheime auf die Testverordnung des Bundesgesundheitsministers, die den Heimen eine selbstständige Durchführung von Antigen-Schnelltests erlaubt, die nach wenigen Minuten ein Ergebnis zeigen. Derzeit wird mit der Schulung eigener Fachkräfte zur Entnahme eines Abstriches begonnen. „Damit können wir sowohl für den Mitarbeitereinsatz als auch für spezifische Maßnahmen im Heimalltag mehr Sicherheit gewinnen“, ist die Hoffnung von Thilo Naujoks. pm

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