Zwischen Neckar und Alb

Pflegekosten steigen stetig

Alter In baden-württembergischen Heimen ist es teuer: Betreiber fordern eine Reform der Pflegeversicherung und zudem eine der Finanzierung. Von Roland Kurz

Im Alter kann es richtig teuer werden. Foto: Markus Brändli
Im Alter kann es richtig teuerwerden. Foto: Markus Brändli

Bis zu 3200 Euro Eigenanteil monatlich zahlt man im Kreis Esslingen für den Platz in einem Pflegeheim. Im Jahresrhythmus kommen 100 bis 150 Euro monatlich oben drauf. Die Unterschiede zwischen den Heimen sind allerdings beträchtlich. Im Bundesschnitt zahlen Pflegebedürftige monatlich etwa 1900 Euro aus eigener Tasche, in Sachsen waren es voriges Jahr 1363 Euro. Innerhalb der Evangelischen Heimstiftung, die in Baden-Württemberg 145 Heime betreibt, sind es durchschnittlich 2740 Euro. Im Kreis Esslingen können etwa 25 Prozent der Heimbewohner die Kosten nicht selbst aufbringen.

„Gute Arbeitsbedingungen und gute Pflege brauchen Zeit und kos­ten Geld“, sagt Thilo Naujoks, der Geschäftsführer der Städtischen Pflegeheime Esslingen. Seine Kollegen drücken sich ähnlich aus. „Pflege ist teuer und wird noch teurer werden“, sagt Sebastian Köbbert, Geschäftsführer für den Bereich Altenhilfe der „Zieglerschen“, die mehrere Heime im Kreis Esslingen betreiben. Die Pflege werde immer intensiver, weil die Bewohner im Schnitt mit 87 Jahren einziehen. Um die Arbeit angemessen zu vergüten und genügend Personal zu finden, seien die Tariferhöhungen auch richtig, findet der gelernte Krankenpfleger. Allerdings müsse man aufpassen, dass die Pflege für die Bedürftigen bezahlbar bleibe.

Sockel-Spitze-Tausch

Die Heimbetreiber sind sich deshalb einig, dass eine Finanzreform des Pflegesystems dringend nötig ist. Das eigentliche Problem, so erklärt Alexandra Heizereder, Sprecherin der Evangelischen Heimstiftung, „sind nicht die steigenden Eigenanteile per se, sondern, dass die Pflegeversicherung die Kosten nicht vollständig übernimmt“. Die Heimstiftung schließt sich der Forderung nach „Sockel-Spitze-Tausch“ an. Unter diesem Schlagwort ist ein Gutachten von Professor Heinz Rothgang und dem Gerontologen Thomas Kalwitzki bekannt geworden. „Sockel-Spitze-Tausch“ bedeutet, das System umzudrehen: Der Versicherte bezahlt einen fixen Sockelbetrag und die Kasse die nach oben offene Spitze. Momentan ist der Beitrag der Pflegekasse gedeckelt. Für den Pflegegrad II liegt er bei 770 Euro monatlich, für den Pflegrad V bei 2005 Euro. Unterschiedlich ist in jedem Heim die Pflegevergütung, die erstens von den Gehältern abhängt und zweitens vom Personalschlüssel. Nicht alle Betreiber zahlen Tariflohn. Der sei, entgegen oft gehörten Vorwürfen, nicht schlecht, betont Naujoks. Berufsanfänger erhalten monatlich 3022 Euro, das Gehalt für Altenpfleger kann bis auf 3724 Euro steigen.

Beim Personalschlüssel lässt der Gesetzgeber einen Spielraum. Zwischen Mindestzahl und Maximalmenge kann sich jedes Heim in der Pflegesatzverhandlung frei bewegen. Im Bundesvergleich hat Baden-Württemberg so ziemlich die höchsten Schlüssel.

Zuschlag für Investitionen

Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind in den Heimen ebenfalls unterschiedlich. Manche rechnen mit 600 Euro pro Monat, die im Landkreis liegen zwischen 880 und 920 Euro. Der erste Teil der Rechnung sieht dann so aus: Pflegekosten (je nach Pflegegrad) plus Unterkunft/Verpflegung plus Ausbildungspauschale minus Anteil Pflegekasse (abhängig vom Pflegegrad). Der „einrichtungseinheitliche Eigenanteil Pflege“, den die Heime ausweisen, bedeutet, dass Angehörige nicht mehr bezahlen, wenn der Pflegegrad steigt.

Auf diesen Anteil kommt dann aber noch der Beitrag für Investitionen oben drauf. Hier gibt es je nach Baujahr und Ausstattung wieder erhebliche Unterschiede. Selbst Altbau und neuer Flügel im gleichen Heim werden gesondert berechnet. In Baden-Württemberg gibt es seit zehn Jahren kein Inves­titionsförderprogramm mehr. Ältere Häuser berechnen wenig Eigenanteil. Nicht geförderte neue Einrichtungen berechnen bis zu 400 Euro monatlich mehr. 1020 Heimbewohner Personen hat der Landkreis im Jahr 2018 mit 14,3 Millionen Euro unterstützt. „Die Zahl habe sich seither nicht erhöht“, sagt Sozialamtsleiterin Regina Lutz.

Monatliche Kosten bei Pflegegrad 2 in Euro

Pflegekosten 2094 Anteil der Kasse - 770 Unterkunft/Essen898 Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil 1395 Versichertenanteil2293 Investitionskosten502

Ihr monatlich zu zahlender Betrag2795

Ein typisches Heim in Esslingen, es ist nicht das teurerste. Auffallend ist aber der hohe Betrag zu den Baukosten.

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