Zwischen Neckar und Alb

Plötzlich gestehen die Dealer

Drogenhandel Per Post haben drei Dealer Kokain und Marihuana in ihre Wernauer Wohnung geliefert bekommen.

Wernau. Zumindest einer der beiden Männer aus Wernau, die sich derzeit wegen umfangreichen Rauschgifthandels vor Gericht verantworten müssen, wird mit einer recht hohen Strafe rechnen müssen. Am gestrigen vorletzten Prozesstag vor dem Stuttgarter Landgericht stellte sich heraus, dass der 26-Jährige bereits schon wegen Drogenhandel vorbestraft ist. Gestern regnete es ­Geständnisse.

Seit Mittwoch letzter Woche verhandelt die 7. Große Strafkammer am Landgericht Stuttgart gegen die beiden 26- und 42-jährigen Männer und die 25-jährige Freundin des Hauptangeklagten (wir berichteten). Es geht in dem Verfahren um insgesamt 38 Fälle des Handeltreibens mit Kokain und Marihuana. Das Rauschgift sollen sich die beiden Männer per Express-Pakete verschiedener Postdienste beschafft haben, während die Freundin den Empfang der Sendungen quittierte - insgesamt über drei Kilo Drogen.

Am gestrigen, dem vorletzten Verhandlungstag überraschten alle drei Beschuldigten mit einem umfassenden Geständnis. Die Vorwürfe stimmen, sagen sie, weisen die Richter aber auch gleichzeitig darauf hin, dass sie zur Tatzeit - Januar bis Dezember 2016 - selbst hochgradig drogensüchtig waren. Mit den Rauschgiftgeschäften hätten sie die eigene Sucht finanziert. Zugegeben wurde auch, dass der Stoff, den man von Lieferanten bei Köln, aber auch vom Angeklagten Nummer drei, der in Rheinland Pfalz wohnte, bezog, in Portionen von mehreren Gramm an die Abnehmer verkauft wurde. Darunter nicht nur Kokain und Marihuana, sondern auch Amphetamin-Tabletten. Wer der Kölner Lieferant ist, wird verschwiegen. „Meine Familie wohnt dort, es ist für sie zu gefährlich“, sagt der Angeklagte.

Bei der Durchsuchung der Wernauer Wohnung des 26-Jährigen fand die Polizei am 9. Dezember umfangreiches Besteck zur Portionierung der Drogen, einschließlich bereits verpackter Ware, eine Feinwaage und Bargeld. Auch bei der Leibesvisitation des 42-Jährigen waren die Fahnder erfolgreich, in seiner Hose fand man 22 Ecstasy-Pillen und Cannabis-Reste.

Auf das Wernauer Trio sei die Polizei durch eine monatelange Observation gekommen, außerdem wurden die Handys abgehört. Der Hauptangeklagte ist bekannt als Rauschgifthändler. Das Esslinger Amtsgericht verurteilte ihn bereits vor neun Jahren wegen 35-fachen Handels mit Drogen. Auch damals soll er von seiner Wohnung in Wernau aus diese Rauschgiftgeschäfte organisiert haben.

Durch die Geständnisse hoffen die drei Angeklagten, mit relativ milden Sanktionen davonzukommen. Am kommenden Montag soll das Urteil gesprochen werden. Bernd Winckler

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