Zwischen Neckar und Alb

Pop in der spätgotischen Kirche

Der 28-jährige Urs Bicheler vollzieht den Generationenwechsel in der evangelischen Kantorei

Das Spiel auf der Orgel ist für den Kirchenmusiker Urs Bicheler ein besonders schöner Aspekt seiner Arbeit. Foto: Bulgrin
Das Spiel auf der Orgel ist für den Kirchenmusiker Urs Bicheler ein besonders schöner Aspekt seiner Arbeit. Foto: Bulgrin

Wendlingen. Mit einem Pop- und Gospelchor setzt Urs Bicheler in der evangelischen Kirche in Wendlingen neue Akzente. „Damit erreiche ich auch jüngere Sängerinnen und Sänger“, sagt der 28-Jährige, der die

Anzeige

Nachfolge von Walter Schimpf angetreten hat. Zwei erfolgreiche Auftritte hatte der Chor bereits. Am 12. Januar startet ein neues Projekt.

Der Kirchenmusiker, der in mehreren Bands als Keyboarder spielt, findet es spannend, „kirchliche Musik mit populären Formen zu verbinden“. Damit hat er sich während seines Studiums der Kirchenmusik beschäftigt. Neben der Kantorei, die er leitet, wollte er ein zweites Angebot etablieren, das sich an ein jüngeres Publikum richtet. 25 Sänger sind schon jetzt dabei. In der Kantorei darf Bicheler auf 30 aktive Mitglieder bauen, „und es werden mehr“. Der Chorleiter hat in seinem ersten Jahr in Wendlingen schnell einen Draht zu den Menschen gefunden. „Ich gehe offen auf die Leute zu und spreche sie an, etwa nach den Gottesdiensten.“

Als er in Tübingen Kirchenmusik studierte, suchte der Waiblinger den Kontakt zu den Theologiestudenten, um sich über Möglichkeiten der Kooperation und über neue Gottesdienstformen auszutauschen. „Das ist immer ein Thema in unseren Gemeinden.“ Wie kam Bicheler darauf, Kirchenmusik zu studieren? „Vor allem hat mich die Vielseitigkeit gereizt“, sagt er und lächelt. Vom gregorianischen Choral über Johann Sebastian Bachs Musik bis zum fetzigen Pop reicht das Repertoire, aus dem sich die Kirchenchöre bedienen können.

Er selbst hat „ganz klassisch mit der Blockflöte“ angefangen. Dann kam Klavierunterricht dazu. Als Schüler habe er dann die Orgel für sich entdeckt, „denn da konnte man sich auch ein bisschen was dazuverdienen“. Im Studium hat er Schlagzeug und Posaune gelernt.

Von seinem Vorgänger Walter Schimpf, der mit seiner Frau Christa 43 Jahre lang für die Wendlinger Kirchenmusik zuständig war, habe er ein breit aufgestelltes Angebot übernommen. „Ich knüpfe an Bewährtes an, manches wird aber neu gemacht“, erklärt der 28-Jährige, der einen Generationenwechsel vollziehen möchte. Von Christa Schimpf hat Bicheler das Singen in den vier evangelischen Kindergärten übernommen. Da übt er mit den Kleinsten christliche Lieder. „Ich will die Lust aufs Singen wecken.“ Das fängt für ihn schon in frühester Kindheit an. Auch mit Konfirmanden plant er Gesangsprojekte.

Eingeführt hat er eine „Geistliche Abendmusik“ in der spätgotischen Eusebiuskirche. Dabei bekommen nicht nur die Kantorei, der Posaunen- sowie der Pop- und Gospelchor, sondern auch Vereine, Bands und Kammermusik-Ensembles Auftrittsmöglichkeiten. In dieser Reihe will Bicheler „zeigen, was musikalische Laien leisten“. Der Jeansträger hat auch einen eigenen Internetauftritt für die Kirchenmusik angestoßen. Das sei wichtig, um ein junges Publikum zu erreichen. Außerdem hat er ein Kartenreservierungs-System im Internet etabliert. Konzertbesucher können daheim die gewünschten Plätze reservieren. Die ersten Erfahrungen seien gut. Mit seinen Vorschlägen sei er in der Gemeinde auf große Offenheit gestoßen.

Auf die Frage, was er am liebsten in seiner Freizeit macht, zögert Bicheler nicht lange: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ Musik und die Beschäftigung mit Glaubensfragen füllen den Schwaben aus. Dennoch engagiert er sich ehrenamtlich in einem ganz anderen Bereich. Er fährt als Rettungssanitäter im Krankenwagen mit. Das lernte er im Zivildienst kennen und ließ sich danach zum Rettungssanitäter ausbilden. „Das erdet.“ Ihm sei es wichtig, anderen Menschen helfen zu können. Außerdem öffne ihm die Beschäftigung mit der Medizin neue Horizonte.

Am Sonntag, 27. Dezember, um 18  Uhr führt die Wendlinger Kantorei mit Solisten und der Köngener Grinio-Akademie in der Eusebiuskirche das „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach auf. Platzkarten gibt es bei Foto Fritz oder im Internet unter www.kirchenmusik-wendlingen.de.

Die Proben für das nächste Projekt des Pop- und Gospelchors beginnen am Dienstag, 12. Januar, ab 19.45 Uhr im evangelischen Gemeindehaus. Neue Gesichter sind willkommen.