Zwischen Neckar und Alb

Radwege ohne Umwege

Konzept mit alltagstauglichen Strecken kommt im Mai – 600 Anregungen von Bürgern

Das Fahrrad soll als alltägliches Verkehrsmittel deutlich häufiger eingesetzt werden als heute. Dieses Ziel verfolgt der Kreis Esslingen mit einer Radverkehrskonzeption, die im Mai vorgelegt werden soll. Über eine Online-Plattform haben Bürger dazu über 600 Anregungen eingereicht. Im Ausschuss für Technik und Umwelt wurde eine Zwischenbilanz vorgelegt.

Mehr Menschen sollen künftig mit dem Rad unterwegs sein - das wünscht sich der Kreis Esslingen.Foto: pr
Mehr Menschen sollen künftig mit dem Rad unterwegs sein - das wünscht sich der Kreis Esslingen.Foto: pr

Kreis Esslingen. Die Bedeutung des Radfahrens nehme zu, nicht zuletzt wegen der rasanten Entwicklung bei den elektrounterstützten Rädern, heißt es in der Begründung des Projekts „Mit dem Fahrrad in die Zukunft“.

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Aktuell scheint das Radfahren im Landkreis Esslingen aber sehr gefährlich zu sein. Die Karte auf der Online-Plattform ist übersät mit roten Warntafeln: Gefahrenstellen, die von Bürgern gemeldet wurden.

Die Bürger haben ihre Probleme anschaulich geschildert: „Radweg auf der Bahntrasse Nellingen-Neuhausen oft von Pferden zugeschissen“, „mit Schlamm verspritzt zur Arbeit geht nicht“. Sie haben viele Vorschläge zu speziellen Strecken gemacht und wünschen sich zum Beispiel „Radwege ohne Umwege“. Viele Wege seien bislang für Familien gedacht, nicht für die tägliche Fahrt zur Arbeit.

Die Beteiligung der Bürger wertet Landrat Heinz Eininger als „gute Erfahrung“. Nicht viele Landkreise hätten diesen Aufwand betrieben. Das Konzept kostet auch 80 000 Euro, wovon das Bundesumweltamt die Hälfte zahlt. In einem zweiten Schritt hat der Kreis die Kommunen um Stellungnahme gebeten, zum Teil wurden gemeinsam Strecken besichtigt. 43 von 44 Kommunen beteiligten sich. Wer nicht geantwortet hat, verriet Thorsten König, Leiter des Straßenbauamtes, den Kreisräten nicht.

Unterstützt wird die Kreisverwaltung vom Frankfurter Büro Radverkehr-Konzept. Als Leitlinie gilt: Die geeignetsten Verbindungen zwischen Städten und Gemeinden auszuwählen, in der Regel entlang von klassifizierten Straßen. Die Priorisierung werde gerade erarbeitet, sagt Tanja Gems, die als Tourismusbeauftragte ebenfalls beteiligt ist. Die Strecken müssten jetzt mit Naturschutz und Forst abgestimmt werden.

Ob längerfristig an Radschnellwege gedacht werde, interessierte Kreisrat Jürgen Menzel (Grüne). Darauf setzen Holland und Dänemark schon länger. Einen Schnellradweg werde man empfehlen, kündigte König an. „Wir sind auf gutem Weg“, kommentierte Kreisrat Riemer die Zwischenbilanz. Schon heute stehe der Kreis nicht so schlecht da, wie es aufgrund von Benotungen der Radfahrerclubs erscheinen könnte.

Wie viel Geld es kostet, das neue Konzept umzusetzen, darüber ist bislang nicht gesprochen worden. Dazu sind auch verschiedene Ebenen gefragt, nicht nur der Kreis.

Die Beteiligungsphase ist zwar abgeschlossen, aber die Ergebnisse kann man noch einsehen: www.online-beteiligung-radverkehr.de.