Zwischen Neckar und Alb

Rammerthof möchte erweitern

Architektur Dem Hofladen der Henzlers an der Grenze zu Großbettlingen geht der Platz aus. Allerdings stoßen die Planungen zur Erweiterung nicht auf ungeteilte Gegenliebe beim Gestaltungsbeirat. Von Barbara Gosson

So könnte ein erweiterter Rammerthof einmal aussehen.Grafik: Prassel
So könnte ein erweiterter Rammerthof einmal aussehen. Grafik: Prassel

Seit 2009 bietet Henzlers Rammerthof am Kreisverkehr nach Raidwangen und Großbettlingen regional angebaute Obst- und Gemüsesorten an. Schon seit Längerem soll der Hofladen erweitert werden. Nun beurteilte der Gestaltungsbeirat die Entwürfe für zwei neue Gebäude im Nordosten Der Nürtinger Architekt Harald Prassel stellte die Entwürfe vor, die er im Auftrag von Gunther Henzler und dessen Tochter Ann-­Kathrin ­Merli erstellt hatte. Was derzeit Hof­laden ist, soll zur Gastronomie werden, was derzeit Lagerhalle ist, zum neuen Hofladen. Neu gebaut werden zwei Lagerhallen mit Arbeiterunterkünften, außerdem soll es mehr Parkplätze und zwei neue Zufahrten geben.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich der Gestaltungsbeirat mit dem Vorhaben auseinandergesetzt, seitdem wurde es gründlich überarbeitet. Im ursprünglichen Entwurf habe die Fläche noch vier Hektar betragen, um Abstand zu einer eventuellen weiteren Bebauung zu halten. Jetzt sieht der Entwurf eine Erweiterung von 1,25 auf 2,5 Hektar vor.

„Schönes Ambiente“ ist das Ziel

Die bestehende Industriehalle soll künftig an ein klassisches Hofgebäudes erinnern, um ein schönes Ambiente zu erschaffen. Auch die Backstube wird erweitert. Die Gastronomie, die sehr gut angenommen werde und mit Veranstaltungen wie Hoffest und Spargelbesen aufwartet, zieht dann in den alten Hofladen und bekommt nach Norden hinaus einen Biergarten mit Spielplatz und Streichelzoo. Dafür werde es eine extra Einfahrt geben, damit Besucher der Gastronomie und Besucher, die nur einkaufen wollen, getrennt parken. Die Zufahrt für Lkws wird hinter den neuen Hofladen verlegt, wo ein Betriebshof entsteht. Die beiden neuen Gebäude für Events, Lagerung, Kommissionierung und Arbeiterunterkünfte sollen begrünte Pultdächer erhalten und so von der Straße aus kaum wahrnehmbar sein.

Dem Gestaltungsbeirat ­gefallen die Zufahrten und ­Parkplätze nicht. Professor Ute Meyer, Stadtplanerin, Architektin und Vorsitzende des Gestaltungsbeirats, fragte sich, warum nicht der Biergarten im Süden und die Parkplätze im Norden sind. Die Landschaftsarchitektin Professor ­Ingrid Schegk bemängelte die drei Zufahrten und dass die Schokoladenseite im Südwesten zugeparkt werde. Sie schlug vor, die Flächen flexibel zu gestalten mit Parken im Winter und Bewirtung im Sommer. Der Architekt Thorsten Kock kritisierte die Anmutung des neuen Hofladens: „Eine solche unterbaute Terrasse gibt es bei echten Höfen nicht.“

Prassel verteidigt den Entwurf mit den drei Einfahrten: „Sie haben ihren Sinn. Die Menschen wollen keine weiten Wege und beim Einkaufen halten sie sich kürzer auf als in der Gastronomie. Den Lieferverkehr wollen wir völlig abkoppeln.“ Gunther Henzler wandte ein, dass im Sommer sogar mehr Kunden kommen als im Winter, alleine wegen der Saisonware.

Prassel und Henzler ergänzten ihre Ausführungen mit einem kurzen Statement zur Geschichte des Bauvorhabens: Nachdem der alte Rammerthof bei Raidwangen abgebrannt war, beschloss die Firma, anderswo neu zu beginnen, und baute 2009 an der verkehrsgünstigen Stelle, womit auch die Ortsdurchfahrt Raidwangen entlastet wurde. Seit 2016 möchte die Familie Henzler ihren Betrieb erweitern. So ist laut Gunther Henzler geplant, auch das Obst über eine Theke zu verkaufen wie derzeit das Gemüse, um den Kunden mehr Informationen zu bieten.

Der Bebauungsplan biete sogar noch Platz für ein drittes Gebäude in Zukunft. Wann gebaut wird und in welcher Form genau, hängt vom weiteren Verlauf des Bebauungsplanverfahrens ab.

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