Zwischen Neckar und Alb

Rasen im Rausch nimmt zu

Polizei Die Unfallstatistik 2017 für den Kreis liegt vor. Obwohl die Zahl der Toten und Schwerverletzen rückläufig ist, macht eine Entwicklung der Polizei Sorgen: deutlich mehr Unfälle durch Alkohol und Drogen. Von Ruben Moratz

1462 Verletzte verzeichnet die Statistik für den Landkreis Esslingen im Jahr 2017. Bei diesem Unfall im Oktober zwischen Dettin
1462 Verletzte verzeichnet die Statistik für den Landkreis Esslingen im Jahr 2017. Bei diesem Unfall im Oktober zwischen Dettingen und Nabern kamen gleich mehrere Menschen zu Schaden. Archiv-Foto: SDMG/Woelfl

Wie sicher ist es auf den Straßen rund um die Teck? Diese Frage hat das Polizeipräsidium Reutlingen jetzt ausführlich in der Unfallstatistik für das Jahr 2017 beantwortet. Kurz und knapp: Es gab weniger Unfälle mit Personenschaden, aber signifikant mehr Unfälle, die auf übermäßigen Alkohol- oder Drogenkonsum zurückzuführen sind. Dafür hatte Polizeipräsident Alexander Pick bei der Veröffentlichung der Ergebnisse wenig Verständnis: „Dass sich Menschen alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss ans Steuer setzen oder rücksichtslos durch die Gegend rasen und damit bewusst Leben riskieren, wollen wir so nicht akzeptieren.“

Im Jahr 2017 ereigneten sich im Landkreis Esslingen 15 750 Verkehrsunfälle. Das sind 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Bemerkenswert daran ist, dass trotz dieses leichten Anstiegs weniger Personen zu Schaden kamen. Die Zahl der Getöteten ging um 20 Prozent zurück, die der Schwerverletzen um 5,5 Prozent und die der Leichtverletzten 8 Prozent. Die Freude darüber hält sich beim Polizeipräsidenten aber in Grenzen: „Jeder Unfall, bei dem jemand aufgrund eigener Fahrlässigkeit oder des Fehlers eines anderen zu Tode kommt oder verletzt wird, ist einer zu viel“, stellt Pick klar.

Im Landkreis Esslingen gab es im Jahr 2017 acht Verkehrstote, zwei weniger als im Vorjahr. Darunter befanden sich zwei Pkw-Insassen, ein Motorrad-, ein Mofafahrer, zwei Fußgänger, ein Radfahrer und ein Lkw-Lenker.

Alarmierend sind die Zahlen bezüglich der Verkehrsunfälle, zu denen es nach Alkohol- oder Drogenkonsum kam. In allen Landkreisen, die zum Polizeipräsidium Reutlingen gehören, nahmen Unfälle unter Drogeneinfluss stark zu - in Esslingen sogar um 78,6 Prozent. In Zahlen bedeutet das einen Anstieg von 14 auf 25 Unfällen. Eine Person wurde dabei schwer, fünf weitere leicht verletzt.

Einsame und traurige Spitze ist Esslingen bei den Unfällen alkoholisierter Fahrer. Während diese Zahlen in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen rückläufig sind, nahmen sie in Esslingen um 17 Prozent zu. Im Jahr 2017 verursachten vom Alkohol Berauschte 213 Unfälle. Dabei wurden 19 Personen schwer verletzt, eine Person wurde sogar getötet.

Die häufigsten Ursachen für Verkehrsunfälle sind aber nicht die Rauschmittel, sondern wie in den vergangenen Jahren auch Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren. Knapp dahinter in der Rangliste befinden sich Verstöße bezüglich der Vorfahrt oder des Abstandhaltens. Auch überhöhte Geschwindigkeit und riskante Überholmanöver waren erneut ein großes Problem. In Bezug auf alle Unfälle kann als Faustregel festgehalten werden: Je schwerer die Unfallfolgen sind, desto mehr kommt als Ursache Geschwindigkeit zum Tragen. Jeder fünfte Verkehrsunfall mit schweren Personenschäden, also Toten oder Schwerverletzten, geht da­rauf zurück.

Die Zahl der Zweiradunfälle im Kreis Esslingen ist zurückgegangen. Es gab etwa 9 Prozent weniger Unfälle mit motorisierten Zweirädern und etwa 6 Prozent weniger Unfälle mit Fahrrädern. Die Zahl der Fußgängerunfälle hingegen stieg von 177 im Vorjahr auf 186. Obwohl es etwas weniger Schulwegunfälle gab, erhöhte sich die Zahl der Unfälle mit Kindern um fast 10 Prozent. 21 Kinder wurden schwer verletzt. Junge Erwachsene und Senioren waren mit je etwa 1 300  Unfällen ungefähr gleich oft gefährdet wie im Vorjahr.

Die Zahl derer, die sich nach einem Unfall aus dem Staub machen, ist gestiegen: 2,4 Prozent mehr Autofahrer begingen Fahrerflucht. Mit Blick darauf, aber mehr noch auf die genannten Zahlen zu Alkohol- und Drogenmissbrauch, kann man resümieren: Der Straßenverkehr ist zwar relativ sicher, die Fahrer hingegen verhalten sich zunehmend verantwortungslos.

Die Polizei kontrolliert und informiert

Routinekontrollen: Einen hohen Stellenwert nehmen weiterhin Verkehrskontrollen ein. Es geht um Geschwindigkeit, das Fahren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss sowie Gurt- und Handyverstöße. Einzelne Zielgruppen werden konkret aufgeklärt.

Fahrradfahrer: Die flächendeckende Radfahrausbildung aller Viertklässler bleibt verpflichtend. Im Jahr 2017 wurden viele Sechstklässler im Kreis auf das Helmtragen aufmerksam gemacht. Aktionen wie „Helm tragen. Vorbild sein“, die sich an Eltern richten, sind auch 2018 geplant.

Geflüchtete: Eine Initiative des Polizeipräsidiums Reutlingen, des Landratsamts Esslingen, der Verkehrswacht Neuffen-Teck und der Kreisverkehrswacht Esslingen vermittelt den neuen Mitgliedern der Gesellschaft, wie man sicher durch den Straßenverkehr kommt. Im Fokus der Initiative steht die Ausbildung ehrenamtlicher Helfer.

Fußgänger: Besonders Vorschulkinder und Erstklässler erfahren Unterstützung im Straßenverkehr. Dazu gehört auch die „Aktion sicherer Schulweg“ für Schulanfänger.

Junge Fahrer: Die Polizei klärt in Aktionstagen Berufsschüler über die Unfallursachen Geschwindigkeit, Ablenkung, Alkohol und Drogen auf.

Senioren: In Vorträgen werden Senioren über die spezifische Gefahren und mögliche Vorbeugungsmaßnahmen informiert. Bei Senioren beliebt und riskant: E-Bikes und Pedelecs.

Motorradfahrer: Das Polizeipräsidium setzt weiterhin auf die „bewusste Kombination von Repression und Prävention“. Erfahrungsgemäß bewirkt schon die Präsenz der Polizei eine deutlich defensivere Fahrweise.rm

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