Zwischen Neckar und Alb

Rehm meldet Insolvenz an

Wirtschaft Der Aichwalder Wurstproduzent schreibt rote Zahlen, will den Betrieb aber fortführen und Kündigungen vermeiden. Als Grund für die Probleme wird der hohe Preis für Schweinefleisch angegeben. Von Miriam Steinrücken

Seit 82 Jahren stellt der Familienbetrieb Maultaschen und andere Wurstwaren her.Foto: Roberto Bulgrin
Seit 82 Jahren stellt der Familienbetrieb Maultaschen und andere Wurstwaren her. Foto: Roberto Bulgrin

Die steigenden Preise für Schweinefleisch haben offenbar auch das Aichwalder Traditionsunternehmen Rehm in die roten Zahlen getrieben. Die Geschäftsführung hat nun beim Amtsgericht Esslingen Insolvenz beantragt, wie die Firma mitteilt. Kündigungen seien vorerst keine geplant.

Die Wurstfabrik Rehm ist seit 82 Jahren in Esslingen und Aichwald tätig und wird in vierter Generation geführt. Bekannt ist sie vor allem für Maultaschen und Ofenfleischkäse, aber auch Frischwurst und Wurstdosen führt sie im Sortiment. Rehm beliefert eigenen Angaben nach alle großen Supermarktketten im Südwesten. In die Insolvenz getrieben hat die Firma der Mitteilung zufolge die Marktkonzentration bei Fleischbetrieben und Discountern. „Wir hängen von wenigen Zulieferern und Abnehmern ab“, stellt Firmenchef Wolfgang Rehm fest.

Seit 2016 seien dann Kundenaufträge weggebrochen. Zwar habe man den Vertrieb gestärkt, um die Eigenmarke weitläufiger zu verbreiten. „Aber damit konnten wir die Verluste bei den Hausmarken nicht kompensieren“, beklagt der Geschäftsführer. Den Ausschlag gegeben habe die Verteuerung von Schweinefleisch. Seit dem Ausbruch der Schweinepest in China kauft die Volksrepublik den deutschen Markt leer und treibt die Preise in die Höhe. „Kostete ein Kilo Schweinefleisch zu Jahresbeginn noch 1,36 Euro, liegt der Referenzwert aktuell bei 1,80 Euro“, erklärt Rehm.

Insolvenz hat der Geschäftsführer beantragt, um den Betrieb zu sanieren. Unterstützung erhält er von Insolvenzverwalter Tibor Braun. Der Stuttgarter Rechtsanwalt versichert: „Der Geschäftsbetrieb wird unverändert fortgeführt.“ Zunächst gelte es, die Firma zu stabilisieren. Dazu werde er in den nächsten Tagen Gespräche mit Gesellschaftern, Lieferanten und Kunden führen. „Unser Ziel ist es, dass Rehm weiterhin mit Fleisch versorgt wird und seine Waren vertreiben kann.“

Ob die Firma langfristig im Besitz der Familie Rehm bleibt, verkauft oder geschlossen wird, kann Braun zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Nur eines ist sicher: „Der Betrieb wird auf jeden Fall bis Ende des Jahres weiterlaufen. Rehm ist am Markt gut positioniert. Darum bin ich zuversichtlich, dass die Firma in Aichwald auf Dauer fortbesteht.“ Auch für die 95 Mitarbeiter gibt Braun Entwarnung: „Kündigungen stehen zurzeit nicht zur Debatte.“ Es gebe keine Lohnrückstände, und die Löhne für die nächsten drei Monate bezahle die Arbeitsagentur.

Bürger fühlen sich verbunden

Auf die Rettung des Unternehmens hofft auch Aichwalds Ex-Bürgermeister Nicolas Fink - „in erster Linie für die Mitarbeiter, aber auch für den Wirtschaftsstandort Aichwald“. Zwar gebe es größere Firmen vor Ort, aber Rehm sei ein „Aushängeschild“ für die Gemeinde: „Jeder anständige Schwabe hat schon mal ein Rehm-Produkt auf dem Teller gehabt.“

Die Bindung der Bürger an den alteingesessenen Betrieb sei sehr groß, betont der SPD-Politiker, der mittlerweile den Wahlkreis Esslingen im baden-württembergischen Landtag vertritt. „Während die Altersjubilare in anderen Gemeinden zum 80. oder 90. Geburtstag Blumen und Sekt geschenkt bekommen, werden sie in Aichwald mit einer Rehm-Vesperdose inklusive eingeprägtem Aichwald-Logo geehrt.“

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