Zwischen Neckar und Alb

Rennfahrer schaffen Lebensräume

Naturschutz Motorsportler kooperieren mit dem Natur- und Artenschutz und schaffen Kleingewässer für seltene Amphibien und Reptilien. Von Thomas Krytzner

Durch Befahren der Strecke wird das Zuwachsen der kleinen Tümpel verhindert. Dadurch bleiben wertvolle Lebensräume für Amphibien
Durch Befahren der Strecke wird das Zuwachsen der kleinen Tümpel verhindert. Dadurch bleiben wertvolle Lebensräume für Amphibien erhalten. Foto: Thomas Krytzner

Die Gelbbauchunke gehört zu den bedrohten Tierarten. Einst eine sehr verbreitete Art, ist ihr Bestand in den letzten Jahrzehnten jedoch stark zurückgegangen. Anzutreffen ist sie vornehmlich noch im süddeutschen Raum. Der bevorzugte Lebensraum der Unken sind vor allem die Auen der natürlichen Fließgewässer. Dort entstehen die benötigten Fortpflanzungsorte in Form von Kleingewässern als Folge regelmäßig auftretender Hochwasser ständig neu. Allerdings sind diese Auen in Mitteleuropa weitgehend verschwunden.

In Frickenhausen sorgen die Motorsportler auf ihrem Gelände in der Tongrube für solche wichtigen Lebensräume. Durch das Befahren der Strecke verhindern sie nämlich die Verbuschung und das Zuwachsen der kleinen Tümpel. Wie Uwe Hiller, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) des Landkreises Esslingen erklärte, funktioniere die Zusammenarbeit zwischen den Motorsportlern und dem Naturschutz vorbildlich. „Für viele Menschen ist nicht ersichtlich, dass die Rennfahrer nicht nur lärmend durch den Lehm jagen, sondern eben auch eine Menge für den Erhalt von Biotopen leisten.“

Das Gelände hat einen lehmigen Untergrund und dies machte sich eine Ziegelei ab dem Jahr 1904 zunutze. Vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen, wurden bis in die 80er-Jahre vor allem Ziegel hergestellt.

Die Gelbbauchunke liebt Auenlandschaften und Kleingewässer. Foto: Uwe Hiller
Die Gelbbauchunke liebt Auenlandschaften und Kleingewässer. Foto: Uwe Hiller

Naturdenkmal und Vogelschutz

Eine Diplomarbeit führte dazu, dass rund 4,9 Hektar der Tongrube zum Naturdenkmal wurden. Aus diesem Grund war es für die Motorsportler nach dem Kauf des ehemaligen Ziegeleigeländes nicht einfach, Fuß zu fassen. Bürgermeister Simon Blessing erklärt den Ärger in der Bevölkerung: „Der Motorsport hat in der Kommune viele Freunde, aber auch Feinde, die behaupten, dass die Rennsportler nur die Natur kaputt machen.“

Der MSC Frickenhausen besteht seit dem Jahr 1953 und zählt mittlerweile rund 350 Mitglieder. 120 Motorsportler fahren aktiv auf dem Gelände, darunter rund 50 Jugendliche und viele weibliche Aktive. Seit 20 Jahren etwa pflegen die Mitglieder das Gelände der Tongrube. Mit dem Bagger werden immer wieder neue Trails (Rennstrecken) kreiert, und durch das Ausheben des Lehmbodens schafft man parallel neuen Lebensraum für Amphibien und Reptilien. Gleichzeitig zieht dies auch schützenswerte Vogelarten, wie etwa Roter Milan oder Mäusebussard an. Zusätzlich hat ein Rehrudel aus dem benachbarten Wald das Sportgelände als ideales Refugium entdeckt, wenn nicht gerade Menschen auf zwei Rädern lärmend und spritzend ihre Bahnen ziehen.

Die jüngsten Motorsportler verzichten auf das Geknatter und sind mit Elektromotoren unterwegs. Allein durch die Nutzung der Tongrube wird das Gelände offen gehalten und somit Lebensraum gesichert. Gefördert werden die Motorsportler über Zuschüsse der Landschaftspflegerichtlinie (LPR) des Landes Baden-Württemberg. Uwe Hiller dazu: „Wir fördern damit die aktive Neuschaffung und Optimierung von Laichgewässern.“ Dies geschieht in enger Abstimmung mit dem LEV, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Nabu.

Als ehemalige Abbaustelle wird ein Hang auf dem Gelände freigehalten. Ab diesem Jahr sollen, wie Uwe Hiller ankündigte, Ziegen und Rindern dort weiden. „Wir wollen damit den Lebensraum für Offenlandarten optimieren.“

Anzeige