Zwischen Neckar und Alb

Rettungseinsatz im ICE-Tunnel

Übung Die Feuerwehren aus Wendlingen und Köngen proben am Nordportal des Albvorlandtunnels den Ernstfall. Von Gaby Kiedaisch

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Gemeinsame Übung der Feuerwehren am Albvorlandtunnel. Foto: Carsten Riedl

Noch lange bevor der erste ICE auf der Neubaustrecke fährt, gewährleisten auf den Baustellen entlang der Strecke Arbeitsschutzmaßnahmen die Sicherheit der Arbeitenden. Doch wie überall kann es auch hier zu Unfällen kommen. Besonders gefährlich kann sich dies im Tunnelbau auswirken. Was gilt es hier zu beachten? Wer ist zuständig? Wie sind die Rettungsabläufe? Bei einer Feuerwehrübung in dieser Woche galt es, dies und weitere Fragen zu überprüfen.

Ohne Martinshorn und Blaulicht fahren die Fahrzeuge der Feuerwehren aus Wendlingen und Köngen auf die Baustelle am Albvorlandtunnel vor den Toren Unterboihingens. Die Feuerwehrübung mit 32 Feuerwehrleuten aus Wendlingen und 26 aus Köngen ist der erste gemeinsame Einsatz mit der baustelleneigenen Rettungswehr.

Unter den Beobachtern der Übung ist neben Bürgermeister Steffen Weigel auch Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich. „Wir wollen sehen, wie die Zusammenarbeit der Wehren untereinander klappt und wie die technische Wasserversorgung funktioniert“, sagt Dittrich zur Übung.

Dabei geht es um die gegenseitige Abstimmung und Koordinierung in einer ungewohnten Umgebung. Normalerweise haben es freiwillige Feuerwehrleute mit Haus- oder Zimmerbränden zu tun, aber in einem Tunnel, wo es lange Wege gibt und bei Bränden extreme Temperaturen von 700 Grad und mehr erreicht werden können, gelten andere Regeln. Da muss die Kommunikation, auch mit der Leitstelle, klappen. „Das kann zu extremen physischen Belastungen führen“, erklärt Miroslav Jukic, Kommandant der Wendlinger Feuerwehr, die Situation vor allem für Atemschutzträger, die einen Verletzten unter Umständen über einige Hundert Meter tragen müssen. So wie bei der Übung, wo das Szenario ein geplatzter Hydraulikschlauch an einem Bohrwagen ist, der Feuer fängt. Dabei wird der Tunnel mit giftigem Rauch gefüllt. Gleichzeitig bekommt der Fahrer eines anderen Fahrzeugs einen Schwächeanfall und muss gerettet werden.

Für die Rettungsausrüstung sind deshalb auch Wärmebildkameras, Funkgeräte und besondere Kreislaufatemschutzgeräte notwendig. Wie das im Zusammenspiel funktioniert, das wurde ebenfalls getestet. Wer das Rettungsequipment aber bezahlt, das ist politisch nicht geklärt. Bürgermeister Weigel, danach gefragt, sagt: „Die Freiwilligen Feuerwehren dürfen hier nicht alleine gelassen werden.“

Eine eigene Wehr für die Tunnelbaustelle

Jede Tunnelbaustelle mit einer Eindringungstiefe über 200 Meter benötigt ihre eigene Wehr, erklärt Karolina Pozorska, die Schichtbauleiterin von der Baufirma Implenia. Auf der Baustelle des Albvorlandtunnels am sogenannten Westportal, wo der Vortrieb auf konventionelle bergmännische Weise vonstatten geht, also mit Bohrwagen und Spezialbaggern, sind dafür 81 Personen ausgebildet, vom Mineur bis zum Verwaltungsangestellten. Das geht sogar so weit, dass jede Schicht mit einer bestimmten Anzahl von ausgebildeten Rettungspersonen besetzt werden muss. Hintergrund ist ein Beschluss des Innenministeriums. Freiwillige Feuerwehren vor Ort dürfen nämlich lediglich bis zu 200 Meter zur Rettungs- und Brandbekämpfung in Tunnelbaustellen vordringen. Das gilt jedoch nur während der Bauzeit. Nach Inbetriebnahme der ICE-Strecke sind die Feuerwehren für die gesamte Strecke und Tunnelbauwerke verantwortlich. Doch das ist ein anderes Thema. Vorerst gilt es, die Zusammenarbeit für den hoffentlich nie eintretenden Ernstfall der Rettungswehr mit den örtlichen Feuerwehren zu proben.gki

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