Zwischen Neckar und Alb

Riesenbildschirm feiert Premiere

Kino Heinz Lochmann installiert in seinem Traumpalast-Kinocenter in Esslingen den ersten Cinema-LED-Screen in der EU. Der Hersteller spricht von einer „Revolution der Kinobranche“. Von Alexander Maier

Die brillante Bildqualität der neuen LED-Screens hat Traumpalast-Betreiber Heinz Lochmann sofort begeistert.Fotos Roberto Bulgri
Die brillante Bildqualität der neuen LED-Screens hat Traumpalast-Betreiber Heinz Lochmann sofort begeistert. Foto: Roberto Bulgrin

Internationale Kinopremieren sind in Esslingen rar. Kommende Woche wird das Traumpalast-Kinocenter jedoch eine Premiere feiern, wie es sie in der Europäischen Union bislang nicht gab. Kinobetreiber Heinz Lochmann bietet künftig in einem seiner Säle eine revolutionäre, neue Vorführtechnik an: In wochenlanger Arbeit haben Techniker des koreanischen Elektronik-Riesen Samsung und der Münchner Firma Kinoton einen Cinema-LED-Screen installiert. Der Hersteller spricht von einer „Revolution der Kinobranche“.

Es ist kein Zufall, dass Lochmann diesen Schritt geht. Der Rudersberger Kinounternehmer hat seine Filmtheater-Flotte konsequent ausgebaut - anfangs war er vor allem im Remstal engagiert, mittlerweile betreibt er Kinos auch in Städten wie Hamburg, Berlin oder Hannover. Überall setzt er auf hohe Qualität, weil er überzeugt ist: „Wer ins Kino geht, möchte etwas erleben. Jeder Besuch soll eine Auszeit vom Alltag sein. Dazu braucht man die richtigen Filme, perfekte Technik, guten Service und das passende Ambiente. Dass all das zusammenpasst, gehört zum Konzept unserer Kinos.“

Technik verändert sich rasend

Lochmann ist seit 1979 im Geschäft, und er weiß nur zu gut, dass sich das Rad immer schneller dreht, seit Elektronik und Digitalisierung Einzug gehalten haben. Früher wurde jeder Film in riesengroßen Rollen angeliefert, mittlerweile werden die Filme digitalisiert angeliefert, und auch die Projektions- und Tontechnik wird in Riesenschritten weiterentwickelt. 3 D ist bei vielen Filmen mittlerweile selbstverständlich, Verfahren wie Dolby Atmo vermitteln ein immer authentischeres Erlebnis, mittlerweile ist mit 4 K sogar ein noch höher auflösendes digitales Videoformat am Start.

Lochmanns Sohn Marius, der mittlerweile in führender Position im Unternehmen mitarbeitet, erklärt: „Wir wollen technisch immer ganz vorn dabei sein.“ Weil sich das in der Branche herumgesprochen hat, empfahl das Münchner Unternehmen Kinoton die Lochmanns, als Samsung einen Partner für dieses ambitionierte Projekt suchte. Die Rudersberger Kinobetreiber reisten nach Südkorea und schauten sich die Sache an, weil vergleichbare Anlagen bislang in der EU noch nicht zu finden waren - und sie waren begeistert. „Farbbrillanz, Leuchtstärke und Bildschärfe der LED-Screens sind faszinierend“, sagt Heinz Lochmann. „Da sieht man Feinheiten, bei denen man früher sehr genau hinschauen musste, um sie zu entdecken. Wenn zum Beispiel eine Wiese im Film gezeigt wird, erkennt man jeden einzelnen Grashalm.“ Besonders eindrucksvoll erlebt er die Vorzüge der LED-Kinotechnik bei modernen Trickfilmen, die in perfekter Bildqualität realisiert wurden: „Manchmal hat man das Gefühl, in einem 3 D-Film zu sitzen - nur dass man keine Spezialbrille dafür braucht.“

Die neue LED-Technik, wie sie künftig in einem Saal im Esslinger Traumpalast genutzt wird, kehrt die Projektionstechnik um: Bislang gibt es hinter jedem Kinosaal einen Projektionsraum - von dort werden die Bilder auf die Leinwand geworfen. Ein LED-Screen funktioniert wie der Fernseher zu Hause in der guten Stube, nur dass die Projektionswand im Kino nicht aus einem Bildschirm besteht, sondern aus 96 Modulen, die so perfekt zu einem großen Ganzen zusammengesetzt werden, dass man die Nahtstellen nicht mehr erkennt. Wer einen Blick hinter den Riesenbildschirm werfen darf, sieht ein komplexes Geflecht aus Kabeln und elektronischen Bauteilen, die dem Laien Rätsel aufgeben.

Doch die Sache hat auch ihren Preis: Allein in die neue Projektionstechnik investieren die Lochmanns „einen größeren sechsstelligen Betrag“. Und um das neue Filmerlebnis vollends perfekt zu machen, wird der gesamte Kinosaal komplett neu gestaltet - damit stoßen die Traumpalast-Betreiber sogar in den siebenstelligen Bereich vor. Dass sich die stattliche Investition auf Dauer auszahlen wird, ist für Marius Lochmann keine Frage: „Wenn Kinos erfolgreich bleiben wollen, müssen sie mit der Zeit gehen. Gerade junge Leute, die nicht mehr ganz so selbstverständlich ins Kino gehen, sind sehr technikaffin und schätzen solche Angebote. Wir sind sicher, dass der neue LED-Screen viele Film-Fans neugierig machen wird, die sonst vielleicht eher Streaming-Dienste nutzen.“

Marius Lochmann staunt über die ausgeklügelte Technik hinter den Kino-Kulissen.
Marius Lochmann staunt über die ausgeklügelte Technik hinter den Kino-Kulissen. Foto: Roberto Bulgrin
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