Zwischen Neckar und Alb

Riesenlaster fahren nicht im Neckartal

Verkehr Daimler verzichtet auf die 25 Meter langen Lastwagen im Stammwerk in Untertürkheim – „Das macht für Transport von Motoren keinen Sinn.“ Von Alexander Müller

Gigaliner wie hier im Daimler-Werk in Sindelfingen werden in Untertürkheim und Mettingen nicht verkehren. Foto: dpa
Gigaliner wie hier im Daimler-Werk in Sindelfingen werden in Untertürkheim und Mettingen nicht verkehren. Foto: dpa

Durch die Änderungsverordnung zum 1. Januar hebt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die bisherigen Befristungen für den Einsatz von drei der fünf Gigaliner-Typen auf. Nach einem fünfjährigen Feldversuch, der Ende Dezember auslief, ist der Regelbetrieb auf Routen, die von den Bundesländern als „geeignet“ betrachtet werden, erlaubt. Das geeignete Straßennetz umfasst bundesweit eine Länge von 11 600 Kilometern.

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Keine Verlagerung auf die Straße

Die Gigaliner sind bis zu 25,25 Meter lang, das sind knapp sieben Meter mehr, als die bisher erlaubte Lkw-Länge. Sie dürfen – wie herkömmliche Laster auch – bis zu 44 Tonnen schwer sein. Der Vorteil dabei: Sie haben ein sehr viel größeres Raumvolumen für die Fracht. Daher sind die Industrie und auch Nutzfahrzeughersteller wie Daimler erfreut über das positive Votum des Bundesverkehrsministeriums. Aus Sicht der Bundesanstalt für Straßenwesen konnten in dem fünfjährigen Feldversuch die Befürchtungen von Kritikern und Umweltverbänden widerlegt werden. Demnach habe es zu keiner Verlagerung des Güterverkehrs von der Schiene oder Wasserstraße geführt. Mehr als 80 Prozent aller Fahrten fanden laut Studie im Pendelverkehr zwischen Warenlagern und Produktionsstätten statt – Lang-Lkw kämen ausschließlich als Ersatz für konventionelle Lastwagen zum Einsatz.

Bereits von 2006 bis 2008 waren die Gigaliner in einem ersten Feldversuch auch im Pendelverkehr zwischen Untertürkheim und Sindelfingen unterwegs. Damals war allerdings noch eine Zuladung von bis zu 60 Tonnen erlaubt. Das ist nun nicht mehr der Fall. „Für den Transport der schweren Aggregate und Antriebsstränge hat das für uns somit keine Vorteile“, sagt Florian Martens, der Leiter der Nutzfahrzeug-Kommunikation. Zwar sei mehr Laderaum vorhanden, diesen könne man aufgrund der Gewichtsbeschränkung auf maximal 44 Tonnen – analog zu herkömmlichen Lastern – nicht nutzen. „Ein Einsatz der Lang-Lkw im Stammwerk Untertürkheim ist nach aktueller Einschätzung nicht geplant“, betont Martens. Obwohl dies aufgrund der Streckenerlaubnis des Bundesverkehrsministeriums über die B 10 und weiter über die Autobahn möglich wäre. Die Gigaliner seien kein Patentrezept für alle Bereiche. „Vielmehr werden wir sie gezielt einsetzen, wo es sinnvoll ist“, sagt Martens. Und das sei durchaus der Fall. Der Daimler-Konzern will die Lang-Lkw daher nach Ende des Feldversuchs weiterhin in den Werken in Sindelfingen, Rastatt und Wörth einsetzen, da „dort sperrigere und nicht so schwere Fracht wie Stoßstangen und Stoßfänger transportiert“ würden.

Vorteile beim Umweltschutz

Die Vorteile hinsichtlich des Umweltschutzes liegen für Martens auf der Hand. Alleine im vergangenen Jahr seien so auf den zwölf Strecken des Daimler-Konzerns 270 000 Liter Sprit und etwa 800 Tonnen CO2-Emission eingespart worden. Schließlich ersetzten zwei Lang-Lkw drei herkömmliche Lastwagen. Das führe auch zu einer Verringerung des Verkehrsaufkommens und der Staugefahr. Auch mit Blick auf die Sicherheit sieht der Daimler-Sprecher keine Probleme. „Die Fahrzeuge verfügen über die neuesten Bremsanlagen.“ Zudem würden die Lastwagen nicht schneller als die bisher erlaubten 80 Stundenkilometer unterwegs sein. Trotz der enormen Länge stellten sie kein Hindernis für andere Verkehrsteilnehmer dar. „Beim Überholen benötigt ein Autofahrer nicht einmal eine Sekunde länger als bei einem normalen Lastwagen“, so Martens. Auch die Infrastruktur wie Straßen und Brücken würden nicht mehr, sondern vielmehr entlastet, da sich das Gewicht anstatt auf die üblichen fünf auf je nach Bauart sechs bis acht Achsen verteile. Insofern setze Daimler auch in Zukunft auf den Lang-Lkw, aber eben nicht im Neckartal.