Zwischen Neckar und Alb

Rotes Kreuz fährt keine Schüler mehr

Verkehr Das DRK Nürtingen-Kirchheim ist bei der Ausschreibung des Landkreises für die Schülertransporte leer ausgegangen. Die Enttäuschung ist groß, 65 Fahrer verlieren ihren Job. Von Thomas Zapp

Wie hier in Dettingen hatte das DRK 50 Touren im Landkreis. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques
Wie hier in Dettingen hatte das DRK 50 Touren im Landkreis. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Die Enttäuschung ist riesengroß bei Klaus Rau, Geschäftsführer des Roten Kreuzes für Nürtingen und Kirchheim. Denn seit wenigen Tagen hat er die Gewissheit, dass der Fahrdienst seines Kreisverbandes im kommenden Schuljahr keine Schüler mehr befördern wird. In der vergangenen Woche musste er auf der Betriebsversammlung 65 Mitarbeitern mitteilen, dass sie ab August keinen Job mehr beim DRK haben. „So etwas ist nicht vergnügungssteuerpflichtig“, sagt Klaus Rau mit bitterem Unterton.

Seit den frühen 70er-Jahren habe das DRK in Kirchheim und Nürtingen für den Schultransport an den Einrichtungen für behinderte Kinder gesorgt. In den vergangenen Jahren waren die DRK-Fahrer aus Nürtingen und Kirchheim auf 50 Touren mit täglich 190 Kindern unterwegs. 80 Prozent der Fahrten seien vom Landkreis Esslingen gekommen. Diese übernimmt nun eine Stuttgarter Firma. Die Nürtinger Johannes-Wagner-Schule könnte man zwar noch weiter anfahren, ebenso andere Ziele in Nürtingen. „Aber das lohnt sich betriebswirtschaftlich nicht“, sagt Rau.

Das Aus für die Transportsparte trifft seinen Kreisverband schwer. „Das war einer der wenigen Bereiche, in denen man wirtschaftlich arbeiten konnte“, klagt Klaus Rau. „Mir gibt es zu denken, dass nur der Preis zählt. Es geht doch auch darum, wie die Leistung erbracht wird“, fügt er hinzu. Vor allem die Art und Weise ist ihm sauer aufgestoßen: „Ein, zwei Sätze“, sagt er, habe man erhalten. Nach mehr als 40 Jahren Zusammenarbeit ist ihm das zu wenig. Er glaubt, dass es andere Wege gegeben hätte - „wenn man wirklich gewollt hätte“.

Beim Landkreis sieht man dagegen wenig Spielraum. „Es ist ja so, dass man verpflichtet ist, auszuschreiben. Dabei ist ein Leistungspaket genau definiert, was Personal oder Fahrzeuge betrifft. Auch der Preis spielt eine Rolle“, sagt Landkreissprecher Wolf-Dieter Roser. Zehn Firmen hätten sich für vier Lose, also Touren-Pakete, beworben. Vier bekamen schließlich für die kommenden fünf Jahre den Zuschlag. Das DRK war nicht darunter.

Dass für den Kirchheimer Raum vorher nicht mit dem langjährigen Betreiber gesprochen wurde, liegt für Roser in der Natur der Sache. „Dabei geht es um Gleichbehandlung aller Bewerber“, sagt er. Für DRK-Kreisgeschäftsführer Rau ist die Antwort nicht befriedigend. Wenn alles nach wirtschaftlichen Prinzipien vergeben wird, sieht er das Prinzip der Daseinsvorsorge gefährdet. Damit ist die Sicherung existenzieller Leistungen für die Bürger zu angemessenen, qualitativen Standards gemeint. Sprich: Bestimmte gesellschaftlich relevante Dienstleistungen sollten bestimmte Kriterien erfüllen. „Man fragt sich, wie solche Leistungen erbracht werden, wenn alles nur nach Wirtschaftlichkeit geht. Das ist keine gute Entwicklung“, sagt Klaus Rau. Er denkt dabei nicht nur an die Schüler, sondern auch an die Mitarbeiter. „Bei uns werden Fahrer bezahlt, sobald sie die Geschäftsstelle betreten, nicht erst wenn die Schüler zusteigen“, sagt er. Ob er damit meint, dass die billigere Konkurrenz dies nicht leistet, lässt er offen.

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