Zwischen Neckar und Alb

Rund 100 Arbeitsplätze fallen weg

Bielomatik verkauft seine Papiersparte an das US-amerikanische Unternehmen BW Papersystems

Die Papiersparte von Bielomatik in Neuffen bekommt einen neuen Eigentümer. Das US-amerikanische Unternehmen BW Papersystems wird diesen Bereich übernehmen. BW Papersystems ist im Nürtinger Raum keine Unbekannte. Zu ihr gehört seit Juni vergangenen Jahres auch Kugler-Womako in Nürtingen.

Bielomatik-Standort in Neuffen: Auch BW Papersystems will dort weiter produzieren. Foto: Jürgen Holzwarth
Bielomatik-Standort in Neuffen: Auch BW Papersystems will dort weiter produzieren. Foto: Jürgen Holzwarth

Neuffen. Damit ist für die Beschäftigten in Neuffen zumindest eine Zeit der Ungewissheit zu Ende. Mitte April hatte Bielomatik das Schutzschirmverfahren beantragt und angekündigt, sich von seiner Papiersparte trennen zu wollen. Verbunden ist die jetzige Lösung allerdings mit einem Personalabbau. 80 Mitarbeiter sollen über den Zeitraum eines Jahres das Unternehmen verlassen. Ihnen wird der Eintritt in eine Transfergesellschaft angeboten. Ältere Mitarbeiter sollen ein Angebot zur Frühverrentung erhalten.

Von den seither 554 Beschäftigten in Neuffen werden künftig 334 weiterhin bei Bielomatik arbeiten, in den beiden verbleibenden Sparten Schmiertechnik und Kunststoffschweißen. BW Papersystems will 118  Mitarbeiter übernehmen. Die über die 80 hinausgehende Differenz von 22 Beschäftigten sind Eigenkündigungen von Mitarbeitern, die das Unternehmen in den Turbulenzen der vergangenen drei Monate von sich aus verlassen haben, erklärt Andreas Streitberger von der IG Metall. In der Summe fallen also 102 Arbeitsplätze weg.

Das sei bitter, sagt Streitberger. Angesichts der Umstände sei aber ein besseres Ergebnis nicht möglich gewesen. Von BW Papersystems habe man die Zusage, dass die Tarifbindung eingehalten werde.

Der Eintritt in die Transfergesellschaft wird gestaffelt über ein Jahr erfolgen. Aktuell betroffen sind zunächst 36 Mitarbeiter, weitere 44 folgen in den kommenden drei, sechs und zwölf Monaten.

Laut Pressemitteilung will BW Papersystems weiterhin an den Standorten Neuffen, Neuss und Bologna/Italien produzieren. Der Kaufvertrag sei unterzeichnet, berichtet Bielomatik-Geschäftsführer Ralf Bauer. Bei Bielomatik konzentriert man sich künftig auf die beiden Wachstumssparten Kunststoffschweißen und Schmiertechnik.

Bielomatik hatte Mitte April das Schutzschirmverfahren beantragt, weil das Geschäft mit den Papierverarbeitungsmaschinen – Maschinen zur Schreibwaren-Herstellung und Querschneider für Großformate – eingebrochen war, so Ralf Bauer. Sie machten rund die Hälfte des Umsatzvolumens aus. Zudem drückten Pensionsverpflichtungen auf das Ergebnis. „Wir waren an einem Punkt, an dem wir hätten eine Restrukturierung im großen Stil machen müssen, aber das hätten wir aus Eigenmitteln nicht finanzieren können“, so Bauer. Deshalb habe man sich zu dem nun erfolgten Schritt entschlossen. Es sei gelungen, für alle drei Bereiche eine tragfähige Lösung zu erreichen.

Für die beiden verbleibenden Bielomatik-Sparten wurde ein Insolvenzplan ausgearbeitet, dem nun noch der Gläubigerausschuss zustimmen muss. Alexander Wassermann, der Vorsitzende der Geschäftsführung, ist zuversichtlich, dass dies gelingt und damit das Insolvenzverfahren unter Eigenverwaltung, in das das Schutzschirmverfahren am 1. Juli gemündet ist, relativ rasch beendet werden könne. Unter welchem Namen die verbleibenden Sparten künftig firmieren werden, stehe noch nicht fest, so Ralf Bauer. Der Name Bielomatik werde aber „in irgendeiner Form bestand haben“.

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