Zwischen Neckar und Alb

Schon 500 Kindern Chancen geschenkt

Kinderstiftung von Caritas und Dekanat Esslingen-Nürtingen hilft mit Angeboten oder Paten

Benachteiligten Kindern hilft die Kinderstiftung von Caritas und Dekanat Esslingen-Nürtingen. So können die Kleinen beispielsweise ein Instrument lernen.

Schon 500 Kindern Chancen geschenkt
Schon 500 Kindern Chancen geschenkt

Kreis Esslingen. Im Sommer mit aufs Zeltlager? Dafür reicht das Geld nicht. Karate oder Gitarre lernen? Viel zu teuer. Neue Sportklamotten, weil die Ärmel längst zu kurz sind? Liegen in diesem Monat nicht drin. Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt unterhalb der Armutsgrenze. Auch im reichen Landkreis Esslingen sind über 6 400 Kinder auf staatliche Hilfeleistungen angewiesen. Seit November 2012 hat es sich die Kinderstiftung Esslingen-Nürtingen der Caritas Neckar-Fils-Alb und des Dekanats Esslingen-Nürtingen zur Aufgabe gemacht, Kindern aus einkommensschwachen Familien Chancen zu schenken.

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Im Jahr 2012 waren es noch 62 Jungen und Mädchen, drei Jahre später schon knapp 240, denen die Stiftung durch ihre Erträge und Spenden die Teilnahme an Sport-, Musik- und Freizeitangeboten ermöglicht hat. Mittlerweile arbeitet die Stiftung in ihrem vierten Jahr – und hat seit ihrer Gründung knapp 500 Einzelfallanträge erhalten, für die sie knapp 40 000 Euro ausgeschüttet hat. Dazu unterstützt sie nunmehr schon im dritten Jahr hintereinander mit jeweils 15 000 Euro das Projekt Chancenschenker, bei dem derzeit 21 ehrenamtliche Paten von der Schülerin bis zum Rentner ein Jahr lang einmal in der Woche Kinder aus armen Familien gezielt fördern – nicht mit Geld, sondern mit ihrer Zeit. Sie bringen ihnen das Schwimmen bei, helfen ihnen bei Problemen in der Schule, machen mit ihnen Sport. „13 solcher Patenschaften laufen derzeit“, berichtet Projekt-Koordinatorin Christina Kempf.

Für Paul Magino, Dekan des Dekanats Esslingen-Nürtingen und Gründungsstifter, gehört es zur ureigensten Aufgabe der Kirche, für die Kinder, die Armen und Benachteiligten dieser Welt einzustehen. Allerdings nicht, ohne von der Politik dasselbe einzufordern. So hat seine Kirche das Land schon früh zu einem Armutsbericht gedrängt. Doch der kam erst im vergangenen Jahr. Der Caritas-Diözesanverband und der Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat nicht zuletzt deshalb in Kooperation mit den Kollegen in Freiburg schon 2009 einen Bericht zur Kinderarmut in Auftrag gegeben. Und weil nicht nur katholische Familien davon betroffen sind, greift die Stiftung überall dort, wo die staatliche Unterstützung etwa aus dem Bildungs- und Teilhabepaket ausgeschöpft und Not vor Ort ist. Etwa 40  Ehrenamtliche sorgen dafür, dass alles reibungslos klappt.

„Ziel der Stiftung ist es, jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft am Leben und an den Bildungschancen teilhaben zu lassen“, erläutert Lisa Kappes-Sassano, Caritas-Regionalleiterin und Kuratoriumsvorsitzende. Es geht um Menschen und deren konkrete Nöte, um materielle Hilfen, aber auch um Angebote, die auf alle zielen – die sich aber nicht alle leisten können. Da ist etwa die achtköpfige Familie K. Für drei ihrer Kinder hat die Stiftung es bereits das zweite Mal möglich gemacht, dass sie in ein Zeltlager fahren konnten. Oder da ist die junge S., die in der Musikklasse ihrer Schule ein Instrument lernen kann. Die Stiftung hilft ihr bei der Finanzierung des Unterrichts und der Leihgebühr für die Gitarre, schildert Olivia Longin, Geschäftsführerin der Kinderstiftung, zwei Beispiele.

Drei bis vier Anfragen gehen derzeit pro Woche ein. Man freut sich über den wachsenden Bekanntheitsgrad, hofft aber auch auf weitere Spender. Durch 17 Zustiftungen ist das Stiftungskapital von 50 000 Euro zwar auf 116 400 Euro angewachsen, wie Kuratoriums- und KSK-Vorstandsmitglied Frank Dierolf berichtet. Doch da der Zinsmarkt mehr als bescheiden ist, „sind wir auch auf Spenden angewiesen“. Knapp 28 000 Euro sind 2015 auf diesem Wege zusammengekommen – dank zahlreicher Menschen, die ihre Flohmarkt-, Bastel- oder Festleserlöse zur Verfügung gestellt haben, oder Unternehmen, die zum Beispiel auf Weihnachtsfeiern verzichtet haben. Und Studenten aus Nürtingen haben ihre Einnahmen aus dem Blutspenden gestiftet.