Zwischen Neckar und Alb

Schulbegleiter helfen durch den Alltag

Handicap Fachkräfte und Ehrenamtliche ermöglichen behinderten Kindern den Besuch einer Regelschule.

Symbolbild

Kreis. Das Thema Schulbegleitung ist im Landkreis nicht neu. Im Zuge der Gesetzesänderung, die den Eltern die freie Schulwahl für ihr Kind ermöglicht, wurden nun aber Neuerungen im bisherigen Angebot notwendig. „Die freie Schulwahl gilt für Eltern von Kindern mit und ohne Behinderung oder anderen Beeinträchtigungen gleichermaßen“, erklärt Elke Willi, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Esslingen, die die Schulbegleitung in und um Esslingen sowie auf den Fildern gemeinsam mit der Stiftung „Jugendhilfe aktiv“ Esslingen koordiniert. Zum Trägerverbund im Landkreis Esslingen zählen zudem die Behindertenförderung Linsenhofen, Stiftung Tragwerk für Kirchheim und Nürtingen sowie landkreisweit der Kreisjugendring.

Seit dem Schuljahresstart im September 2017 greift das umfassendere Angebot: „Vorher waren als Schulbegleiter vor allem Honorarkräfte des Landratsamts im Einsatz. Mit der freien Schulwahl steigt allerdings deutlich der Bedarf“, erläutert Elke Willi. Schulbegleiter seien jetzt von der Grundschule bis zum Gymnasium im Einsatz - derzeit vor allem in den Grundschulklassen, da sich der Bedarf oft beim Eintritt in die Schule zeige. „Früher blieben den Kindern mit Unterstützungsbedarf im Prinzip nur die sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren wie die Rohräckerschule in Esslingen.“

Bei den Schülern, die durch die Lebenshilfe betreut werden, geht es um jene mit motorischen, körperlichen und geistigen Einschränkungen. „Das fängt bei alltäglichen Dingen wie der Hilfe beim Umkleiden für den Sportunterricht, dem Essen, bei Toilettengängen oder der Orientierung auf dem Schulgelände an“, sagt Frank Wagner, Koordinator für Schulbegleitung bei der Lebenshilfe. Es geht um die individuelle Unterstützung im Unterricht und im Schulalltag allgemein. Zielgruppe der Jugendhilfe sind Schüler mit Lernstörungen, mit Diagnosen wie Autismus oder ADHS: „Ihnen fällt es oft schwer, die Konzentration aufrechtzuerhalten. Sie schweifen irgendwann ab, können eine Aufgabe nicht zu Ende bringen. Oder es ist zu viel Energie da.“

Hier hilft der Schulbegleiter je nach individuellem Bedarf. Dazu gehört gegebenenfalls auch mal eine kurze Auszeit vom Unterricht“, schildert Wolfgang Prelle, Koordinator für die Schulbegleitung bei der Stiftung „Jugendhilfe aktiv“. Das trifft auch bei den Schülern mit einer geistigen Beeinträchtigung zu. „Das übergeordnete Ziel ist nicht, die schulischen Leistungen zu verbessern, sondern den Kindern und Jugendlichen überhaupt die Teilnahme am Unterricht und am Schulleben zu ermöglichen“, sagt Prelle. Dazu kommt die Unterstützung im emotionalen und sozialen Bereich - und alles stets in enger Kooperation mit Eltern, Lehrern sowie Schulleitung.

Der Bedarf steigt

Aktuelle Zahlen zeigen den steigenden Bedarf: Im September startete die Lebenshilfe mit acht Schülern, im Juni sind es nun bereits 17, bis zum neuen Schuljahr wird mit 40 Schulbegleitungen gerechnet. Im Einsatz sind aktuell 22 Schulbegleiter. Bei der Jugendhilfe sind es 36 begleitete Kinder und 35 Schulbegleiter, Tendenz steigend. Im Einsatz sind sowohl Fachkräfte - darunter Erzieher oder Sozialpädagogen - als auch in deutlich höherer Zahl Laien, berichtet Alexander Mack, Bereichsleiter der Stiftung „Jugendhilfe aktiv“. „Wir suchen Menschen mit Lebenserfahrung, die interessiert, engagiert und respektvoll an die Aufgabe herangehen und die notwendige Zeit mitbringen“, ergänzt Elke Willi. Die Begleitung gehe in der Regel über den gesamten Schultag und könne auf zwei Personen aufgeteilt werden. „Grundsätzlich gilt aber: Je weniger Vertrauenspersonen pro Kind, desto besser.“ Für alle Schulbegleiter gibt es einen Grundlehrgang sowie regelmäßige Fortbildungen und Unterstützung durch Koordinatoren. „Für jedes Kind wird im Zuge der beantragten Schulbegleitung ein Gutachten erstellt, um den Bedarf zu ermitteln. Dieser wird bei uns halbjährlich, bei der Lebenshilfe jährlich überprüft“, erklärt Joachim Bräuning, Regionalleiter der Stiftung „Jugendhilfe aktiv“. „Bestenfalls sinkt mit der Zeit der Bedarf, oder es ist gar keine Schulbegleitung mehr nötig.“Katja Eisenhardt

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