Zwischen Neckar und Alb

Schweinepest:Da hilft nur der Abschuss

Seuche Von Osteuropa ist die Afrikanische Schweinepest nach Belgien gesprungen. Der Landkreis Esslingen bereitet sich auf die Tierkrankheit vor. Von Roland Kurz

Ihnen geht es jetzt an den Kragen: Wildschweine sind von der Schweinpest bedroht und werden deshalb verstärkt bejagt.Foto: Claud
Ihnen geht es jetzt an den Kragen: Wildschweine sind von der Schweinpest bedroht und werden deshalb verstärkt bejagt.Foto: Claudia Reinöhl

Mit Sorge beobachten Landwirte, Jäger und das Veterinäramt seit Monaten, wie sich die Afrikanische Schweinepest in Europa verbreitet. Es handelt sich dabei um ein Virus, das Schwarzwild befällt und bei diesem zu einem schnellen Verenden der Tiere führt. Auf Menschen kann sich diese Krankheit nicht übertragen und ist daher für diese kein Risiko.

Besonders im Baltikum, Polen, Ungarn bis hin nach Tschechien hat sich das Virus bislang ausgebreitet. Das sprunghafte Auftreten Mitte September in Belgien ist ein neuerliches Warnsignal. Dort wurde das Virus bei mehr als 100 toten Wildschweinen nachgewiesen. Der Ausbruchsort liegt etwa 350 Kilometer von Esslingen entfernt. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Infektion anhand von verseuchten Lebensmitteln große Distanzen überspringen kann. Die Transitbeziehungen im Waren- und Personenverkehr sind potenzielle Verbreitungswege. Deshalb stellt die Information von Reisenden einen Schwerpunkt der präventiven Bemühungen dar. So wurden an Autobahnraststätten mehrsprachige Hinweisschilder angebracht, die Fernfahrer aus Osteuropa darum bitten, keine Essensreste wegzuwerfen. Diese stehen im Verdacht, den Virus in der Vergangenheit über weite Strecken verbreitet zu haben.

Das Esslinger Landratsamt informiert insbesondere am Flughafen Stuttgart durch Plakate im Ankunftsbereich, Monitoreinspielungen und Flyer über die Einschleppungsgefahr. Auf Anfrage der Freien Wähler im Kreistag teilt Landrat Heinz Eininger mit, dass einzig die Verringerung der Bestände vor allem an Wildschweinen helfe, die Ausbreitung zu stoppen. Das gelte für die Vorbeugung und für den Fall, dass die Seuche schon ausgebrochen ist. Das Landratsamt hat in den vergangenen Monaten unter Federführung des Veterinäramtes und des Kreisjagdamtes ein Maßnahmenpaket erarbeitet, das größtenteils bereits umgesetzt wird. Das Landratsamt informiert betroffene Berufsgruppen über Veranstaltungen, Informationsschreiben und im direkten Austausch.

Das Maßnahmenpaket orientiert sich am Zwölf-Punkte-Plan der Landesregierung. Dieser sieht unter anderem vor, dass Haus- und Wildschweine aufmerksam beobachtet werden, insbesondere, dass Proben von verendet aufgefundenen Tieren untersucht werden. Dazu gehören auch Notfallpläne und Informationsveranstaltungen für die Landwirtschaft und Jäger. Flächendeckend soll ein Netz von Verwahrstellen eingerichtet werden, also Container mit Kühlung und Desinfektionsmitteln, in denen Jäger Wildschweine entsorgen können, die in freier Wildbahn verendet sind, ebenso Innereien von erlegten Wildschweinen. Im Kreis Esslingen soll die erste Verwahrstelle noch im November eingerichtet werden. Die Jäger wurden landesweit ausdrücklich aufgefordert, die Bejagung von Schwarzwild zu verstärken und die Abschusszahlen zu erhöhen. Für die intensive Jagd auf Schwarzwild hat das Landwirtschaftsministerium neue Regelungen erlassen und beispielsweise künstliche Lichtquellen und Nachtzieltechnik zugelassen. Außerdem sind Investitionshilfen zur Bejagung in Aussicht gestellt worden, ebenso Unterstützung bei der Vermarktung von Wildbret. Bei Plochingen fand kürzlich schon eine Drückjagd statt, allerdings mit geringer Ausbeute, denn die Tiere gelten als schlau. In drei Gebieten im Staatswald will das Land Saufänge testen, allerdings nicht im Kreis Esslingen. Die Bundesländer haben außerdem vereinbart, die Erforschung des Virus und die Entwicklung wirksamer Impfstoffe zu verstärken.

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