Zwischen Neckar und Alb

Schweineschwänzchen und Politik

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) besucht das Schlossgut Köngen

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, umrahmt vom Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann und dem landwirtschaftspolitis
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, umrahmt vom Landtagsabgeordneten Karl Zimmermann und dem landwirtschaftspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Paul Locherer.Foto: Peter Dietrich

Was hat ein Schweineschwanz mit Politik zu tun? Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) verwendete ihn als Beispiel, um vor politischen Schnellschüssen zu warnen. Im Schlossgut Köngen traf er sich mit rund 40 geladenen Gästen, zumeist aus der Landwirtschaft.

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Köngen. Trennt der Landwirt das Schweineschwänzchen nicht ab, kann es zu Verbiss und Entzündungen kommen. Würde die Politik das Abtrennen als tierquälerisch verbieten, könnte sie dadurch den Einsatz von Antibiotika befördern. Schmidt sprach sich deshalb gegen „die schnelle politische Nummer“ aus. Was tun gegen das Töten der männlichen Kücken, dessen Verbot die Brutbetriebe ins Ausland treiben würde? Es müsse eine Technik entwickelt werden, mit der schon im Ei das Geschlecht bestimmt werde. Schmidt forderte eine „Pflicht zur Sachkunde“, ein „Verlassen der Kampfzonen“: Man müsse mit Multiplikatoren auf allen Seiten reden.

Den Besuch des Ministers im Schlossgut hatte die CDU bewusst nicht öffentlich angekündigt. „Wir wollen, dass die Landwirte zu Wort kommen“, betonte der Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann. Sie leiden unter anderem unter viel Bürokratie. Zimmermann erinnerte daran, dass er 2001 Teil einer Arbeitsgruppe „Bürokratieabbau“ war. Was nach einigen Jahren erfolgreich abgebaut wurde, war die Arbeitsgruppe.

Siegfried Nägele, der sich mit Tobias Briem den Ersten Vorsitz des Kreisbauernverbands teilt, stellte kurz den Kreis vor – ein Kreis mit sehr vielen Schutzgebieten, weit unterdurchschnittlich vielen Kühen, kaum Schweinen, aber viermal so vielen Pferden wie im Schnitt, ein Kreis mit rund 600 landwirtschaftlichen Betrieben und vielen Direktvermarktern. Nägeles Sorge: „Der Flächendruck ist bei uns enorm.“ Zu den jährlich verbauten 100 Hektar kämen noch die Ausgleichsflächen: „Bei uns geht immer der Acker weg.“

Sorgen machen auch die Preise. „Eine Fusion von Edeka und Tengelmann darf es nicht geben“, sagte Nägele unter Beifall. Die Preissituation beklagte auch Paul Locherer, landwirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. „Viele Betriebe denken ans Aufhören.“ Das Russland-Embargo beschrieb er als „politische Marktstörung“. Er regte an, den ökologischen Ausgleich nicht durch Flächenwegnahme, sondern durch verstärkte Pflege von Flächen, etwa von Streuobstwiesen, zu erreichen. Damit die Kuh nicht lila werde, gehöre mehr Ernährung in die Bildung.

Die Landwirtschaft brauche eine ökonomische Grundlage, betonte Schmidt. Baden-Württemberg habe eine gute Landwirtschaftsverwaltung. „Die Frage ist, mit welchen Regeln wir diese behelligen.“ Gesetze könnten nicht jedem Fall gerecht werden, es brauche „Mut zur Regelungslücke“. Der Flächenverbrauch soll bis 2020 halbiert werden.

Ein Landwirt beklagte „Misstrauen von allen Seiten“. Lese er alle Vorschriften, dann vernachlässige er seinen Tierbestand. Er forderte „Praktiker in den Amtsstuben“. Neben seinem wissenschaftlichen Beirat, antwortete Schmidt, sei er dabei, einen Praktikerbeirat einzuberufen. Weiter will er den Zusammenschluss der Erzeuger fördern. Bei Labels zur Konsumenteninformation will Schmidt einheitlich zertifizierte Labels wie beim EU-Bio-Label, nicht verwirrende Eigenkreationen.

Eine Eigenkreation war das Reise-Schachspiel, das Zimmermann dem Minister zum Schluss überreichte, verbunden mit einer Mahnung: „Aber keinen Bauern verlieren, sonst ist das Spiel vorbei.“