Zwischen Neckar und Alb

Schwierige Fälle landen bei SOFA

Modellprojekt Der Sozialpsychiatrische Dienst für alte Menschen ist stärker gefragt als bislang.

Symbolbild: pr

Kreis Esslingen. Als Modellprojekt hat der Sozialpsychiatrische Dienst für alte Menschen (SOFA) im Jahr 1985 begonnen. Heute sind Betreuung und Beratung durch SOFA gefragter denn je. Menschen und die Gesellschaft werden immer älter, gleichzeitig wohnen Angehörige häufig nicht mehr in der Nähe. SOFA sei zunehmend für die schwierigen Fälle zuständig, berichtete Leiter Hartwig von Kutzschenbach kürzlich im Sozialausschuss des Esslinger Kreistags. Die Standardbetreuung übernähmen mittlerweile die anderen Beratungsstellen. Der Betreuungsaufwand steige außerdem, weil das Entlassmanagement der Krankenhäuser nicht gut funktioniere und sich auf SOFA verlasse.

417 Patienten hat SOFA im vergangenen Jahr aufgenommen. Das sind so viele wie noch nie. In den Vorjahren hatte sich die Zahl bei etwa 360 eingependelt. Da SOFA im Landkreis bekannt ist, werden mehr als die Hälfte der Patienten von den Angehörigen zugewiesen, es folgen mit 11,5 Prozent die psychiatrischen Kliniken. Mittlerweile liegt der Anteil der demenzkranken Patienten bei fast 50 Prozent, knapp 30 Prozent leiden unter Depressionen, andere haben Psychosen oder sind suchtkrank. Mehr als die Hälfte der Patienten werden von den SOFA-Mitarbeitern zuhause aufgesucht. Dort könne man die Fähigkeiten und Defizite der Patienten besser einschätzen.

Sowohl Dauer als auch Intensität der Betreuung haben in den vergangenen Jahren zugenommen. 44 Prozent der Patienten werden länger als drei Monate betreut. Immer öfter müssen die Betreuer zwei oder drei Mal in der Woche vorbeikommen. Dafür sind eine Reihe von Gründen verantwortlich: Die Mehrzahl der Patienten lebt allein, die Standardfälle werden von Pflegestützpunkten und anderen Einrichtungen beraten und betreut. Schließlich führe die kurze Verweildauer in den Krankenhäusern dazu, dass die häusliche Versorgung nicht mehr während des Klinikaufenthalts geklärt werden kann. „Die Kliniken machen es sich beim Entlassmanagement einfach, indem sie die Patienten an SOFA abgeben und sagen: Ihr habt die größere Kompetenz“, so Hartwig von Kutzschenbach.

Die Personalausstattung von SOFA sei angesichts der komplexen Fälle sehr knapp, sagte er. So kommen sieben Leute auf zehn Stellen. Häufig seien seine Mitarbeiter doppelt qualifiziert, sozialpädagogisch und pflegerisch ausgebildet. SOFA sieht sein Aufgabenfeld auch in der Unterstützung anderer Dienste und Helfer, beteiligt sich in etlichen Arbeitsgemeinschaften, hat viele Gemeinden auf dem Weg zur „demenzfreundlichen Kommune“ begleitet, sieht sich als „Motor“ in der gerontopsychiatrischen Versorgung.

Nicht zuletzt hat sich SOFA seit Beginn auch für die Entlastung von Angehörigen stark gemacht. Die Mitarbeiter übernehmen die häusliche Verhinderungspflege, damit Angehörige mal in den Urlaub oder zur Kur gehen können. Hartwig von Kutzschenbach forderte, die Verhinderungspflege dringend auszubauen. Stationäre Kurzzeitpflegeplätze gebe es zu wenig. Roland Kurz

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