Zwischen Neckar und Alb

Schwindeleien und Verwirrspiele

Premierenwochenende im Naturtheater Grötzingen: „Der tolle Tag“ und „Pinocchio“

Beim Naturtheater Grötzingen steigt das Lampenfieber: Am Wochenende startet die Amateurbühne in ihre neue Spielzeit. Im Kinderstück „Pinocchio“ wird geschwindelt, bis die Nase wächst. Im Abendstück verspricht es „Ein toller Tag“ zu werden, wenn beim Liebeswerben so manche Verwirrung entsteht.

Bei den beiden Regisseurinnen Kira Thomas (links) und Barbara Koch stimmt die Chemie.Foto: Nicole Mohn
Bei den beiden Regisseurinnen Kira Thomas (links) und Barbara Koch stimmt die Chemie.Foto: Nicole Mohn

Aichtal. Theater ist Leidenschaft – und mit Leidenschaft wird nicht nur Sommer für Sommer am Grötzinger Galgenberg gespielt: Leidenschaft, Liebe und Intrige sind auch die wesentlichen Elemente einer Geschichte, die Operngänger eigentlich gut kennen müssten. „Der tolle Tag“ aus der Feder des Autoren Pierre Augustin Caron des Beaumarchais lieferte nämlich die Vorlage zu Mozarts Oper „Figaros Hochzeit“. Ein munteres Verwirrspiel mit dem kecken wie gewieften Kammerdiener im Mittelpunkt, der die Adligen am Hofe des Grafe Almaviva ganz schön an der Nase herumführt.

Schon wegen ihres Unterhaltungswertes und Wortwitzes hat sich die Bühne für die Umsetzung des Stückes entschlossen. Die Komödie habe aber auch gereizt, weil sich frau und der vermeintlich „Kleine Mann“ mit Witz und List gegen die Obrigkeit behaupten, sagt Regisseurin Barbara Koch. Manches hat die künstlerische Leiterin der Grötzinger Bühne überarbeitet und angepasst: „Für seine Zeit war es ein kritisches Stück, jedoch lässt sich heutzutage nicht mehr alles vermitteln“, erklärt sie.

Die Darstellerriege ist jung: Mit Kai Feldmaier, der auch für das Bühnenbild inklusive Schlossgarten und Pavillon verantwortlich zeichnet, rückte die Regisseurin einen Schauspieler als Graf Almaviva ins Rampenlicht, der bislang nur kleinere Sprechrollen übernommen hat. Mit ihrer Entscheidung ist sie sehr glücklich, wie sie im Vorgriff auf die Premiere verrät: „Er macht das sehr gut.“ Wie so oft, ist das Ensemble im Erwachsenenstück bunt gemischt, stehen erfahrene Hasen neben dem Nachwuchs auf der Bühne. „Freilichttheater ist Generationen-Theater“, weiß Barbara Koch.

Bei der Ausstattung wird im Prunk des Rokoko geschwelgt. Vor allem Kostümbildnerin Heike Pautkin hat dabei mit ihrem Team ganze Arbeit geleistet und opulente Garderobe für die Darsteller des Stückes entworfen. Die musikalische Untermalung des Stücks kommt – wie könnte es anders sein – von Mozart. Vom ursprünglichen Plan, einzelne Arien singen zu lassen, rückte die Regisseurin allerdings wieder ab. Bei den Musikschulen fanden sich keine passenden Sänger. Deshalb komme die Musik nun aus der Konserve.

Musik darf natürlich auch beim Kinderstück „Pinocchio“ nicht fehlen. Die fröhlichen Lieder, verspricht Gastregisseurin Kira Thomas, könnten in den Kindergärten zu echten Ohrwürmern werden. Zum ersten Mal hat die Schauspielerin und Theaterpädagogin die Leitung einer so großen Spielschar übernommen. Auch die große Bühne des Grötzinger Naturtheaters ist für sie eine Herausforderung. Doch die Darstellerin genießt es, mal auf der anderen Seite zu stehen und mit dem 36-köpfigen Ensemble des Kinderstücks zusammenzuarbeiten. „Die sind hoch motiviert und spielfreudig“, freut sich Kira Thomas.

Mit dem Stück „Pinocchio“, das zum dritten Mal in der Geschichte des Naturtheaters gespielt wird, hatte die Regisseurin anfangs so ihre Probleme. „Mir lag sehr daran, diesen pädagogischen Zeigefinger weitgehend auszublenden“, sagt sie. Mit der Fassung von Walter Edelmann fand sie schließlich die passende und kinderfreundliche Fassung.

Fuchs und Kater, Esel und Gänse – über 60 verschiedene Rollen tummeln sich in dem Stück. Die Kostüme stammen aus der Feder von Simonè Pfaus. Kira Thomas begeistern dabei auch hier die Details: „Die Gänse tragen ihr Schnäbel als kleine Krönchen“. Und auch die Werkstatt Geppettos, die Feldmaier entwarf, findet bei ihr großen Anklang. Wie bei Pinocchio jedoch die Nase wächst, darauf darf das Publikum gespannt sein.

Am Wochenende wird es nun ernst für die große Familie des Naturtheaters. Am Samstag feiert um 20.30 Uhr „Der tolle Tag“ Premiere, für die Spielschar des Kinderstücks wird es am Sonntag, 14. Juni, um 15 Uhr ernst. Insgesamt rund 100 Darstellern, Garderobieren, Maskenbildnern, Platzanweisern, Licht- und Tontechnikern sowie Helfern stehen dann anstrengende Wochen bevor.

Das Publikum darf darauf gespannt sein, wie bei Pinocchio die Nase wächst.  Foto: Naturtheater
Das Publikum darf darauf gespannt sein, wie bei Pinocchio die Nase wächst. Foto: Naturtheater
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