Zwischen Neckar und Alb

Sechsspuriger Ausbau der B 10?

Erweiterung steht im neuen Bundesverkehrswegeplan unter „vordringlicher Bedarf“

Verwundert rieben sich Verkehrspolitiker die Augen, als Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Bundesverkehrswegeplan vorstellte. Der sechsspurige Ausbau der Bundesstraße 10 zwischen Stuttgarter Neckarpark und Plochingen wird darin als vordringlicher Bedarf eingestuft. Politiker und Verkehrsexperten reagieren mit Ablehnung, Skepsis und Zustimmung.

Tausende von Autos rollen täglich über die B¿10. Geprüft wird, ob man aus der Standspur zumindest indirekt eine Fahrspur machen

Tausende von Autos rollen täglich über die B 10. Geprüft wird, ob man aus der Standspur zumindest indirekt eine Fahrspur machen könnte. Foto: Mathias Kuhn

Region. Sicher ist bei so manchem Autofahrer, der seine Zeit auf der B 10 im Stau verbracht hat, schon einmal der Wunsch aufgekommen, die Verkehrsader durchs Neckartal möge in jeder Richtung eine Fahrspur mehr haben. Immer wieder tauchte die Forderung nach dem sechsspurigen Ausbau der B 10 im Stuttgarter Gemeinderat auf. Überraschenderweise greift das Bundesverkehrsministerium die Idee nun auf. Zumindest steht die Kapazitätserweiterung im Bereich zwischen Neckarpark und Plochingen im neuen Bundesverkehrswegeplan 2030 als „vordringlicher Bedarf“. Und dies, obwohl die grün-rote Landesregierung das Straßenprojekt keinesfalls angemeldet hatte. Dementsprechend ablehnend fiel die Reaktion aus. Das Land habe den Ausbau wegen der technischen Schwierigkeiten als nachrangig eingestuft, heißt es aus dem Landesverkehrsministerium.

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Beim Esslinger SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Drexler stoßen die Pläne auf Unverständnis. „So etwas kann nur jemand vorschlagen, der die Verhältnisse vor Ort nicht kennt“, erklärt er. Im Esslinger Bereich gäbe es gar keine Flächen für die dritte Fahrspur. Zudem könne der Ausbau die eigentlichen Engpässe, etwa bei der Wilhelma, nicht beseitigen.

Stuttgarts Stadtplaner kennen die Ausbau-Ideen seit Jahren. „Es gibt erste Vorüberlegungen, zum Beispiel, ob die Standspur umgewandelt werden kann“, sagt Verkehrsplaner Andreas Hemmerich. Wenngleich es bei den Ein- und Ausfahrten Schwierigkeiten zu überwinden gäbe, sieht er den Ausbau technisch als machbar an, wenn der Bund das Geld bewillige.

Die Frage sei, ob die Landeshauptstadt dies wolle. Die Antwort ist ein klares „Jein“. Die B 10 sei in den Hauptverkehrszeiten zwar mit 2 000 Fahrzeugen pro Stunde und Fahrspur bereits voll ausgelastet. Aber: Eine dritte Fahrspur würde noch mehr Verkehr anziehen. „Ist dies im Zuge der Lärm- und Feinstaub-Problematik sinnvoll?“, fragt Hemmerich. Schließlich steige dann auch der Verkehr am Neckartor. Bisher habe es noch keinen Kontakt mit dem Regierungspräsidium (RP) gegeben, das die Pläne vorantreiben müsste. Die Behörde bereitet zunächst eine Streckensanierung vor.

Im Sanierungsprogramm ist die Fahrbahndeckenerneuerung auf der B 10 im Streckenabschnitt zwischen Wangen und Hedelfingen vorgesehen. „Wir wollen diese Erhaltungsmaßnahme im Sommer 2016 durchführen. In diesem Zuge werden die Asphaltdeck- und Asphaltbinderschicht sowie im Anschluss daran die Schutzeinrichtungen erneuert“, sagt eine Sprecherin des RP. Die Behörde erarbeitet derzeit zudem eine Machbarkeitsstudie. Geprüft wird, ob die in beiden Fahrtrichtungen bestehenden Standstreifen zu durchgehenden Verflechtungsstreifen umgebaut werden können. Dadurch könnte der Verkehrsfluss zwischen den einzelnen Ein- und Ausfädelungsstreifen der Anschlussstellen verbessert werden, ohne dass die eigentliche Fahrbahn wesentlich verbreitert werden müsste. „Nach dem Inkrafttreten eines neuen Straßenausbaugesetzes, in welchem die B 10 im vordringlichen Bedarf eingeordnet ist, kann dann die Planung zum Ausbau der B 10 aufgenommen werden“, heißt es im RP.