Zwischen Neckar und Alb

Sie blitzt nicht, wacht aber trotzdem

Maut Im kleinen Grafenberg steht seit Kurzem eine blaue, vier Meter hohe Säule – die einzige im Nachbarkreis Reutlingen.

Foto: Thomas Kiel
Foto: Thomas Kiel

Grafenberg. Der Grund dafür, dass die Säule ausgerechnet in der gerade mal 2 650 Einwohner zählenden Gemeinde Grafenberg steht, liegt darin, dass die Standorte vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) vorgegeben werden. „Ausgewählt wurden Abschnitte, die von vielen mautpflichtigen Lkw befahren werden“, schreibt Antje Schätzel von der Pressestelle des Berliner Unternehmens Toll Collect. Berücksichtigt für die Aufstellung wurden unter anderem folgende Kriterien: Bau auf öffentlichem Grund und Boden, uneingeschränkte Sicht 70 Meter gegen und 40 Meter in Fahrtrichtung, Abdeckung mit Mobilfunk, kurze Wege für einen Stromanschluss. Dann wurden die möglichen Standorte mit dem BAG besprochen. Letztlich folgten die Abstimmungen mit den zuständigen Straßenbauverwaltungen und Verkehrsbehörden.

Anzeige

Für den Landkreis Reutlingen wurde nach diesem Verfahren Grafenberg für eine Mautsäule ausgewählt. Der blaue Kontrollpunkt, der einem Blitzer ähnelt, steht an der B 313 in Fahrtrichtung Nürtingen. Sie ist der Beginn für die technische Vorbereitung des Mautsystems auf den Bundesstraßen. Stichtag dafür ist der 1. Juli. Die Säule überprüft, ob die Gebühr gezahlt wurde.

Selbstverständlich gibt es in der Region mehr als die B 313. Daher gibt es noch weitere Kontrollmaßnahmen, die neben den rund 600 Säulen, die in ganz Deutschland aufgebaut werden, um die Mautzahlungen zu überprüfen. Damit sind vor allem die mobilen Kontrollen des Bundesamtes für Güterverkehr gemeint, die es bereits gibt. Diese werden nun ausge­weitet.

Dass in wenigen Monaten auch Bundesstraßen mautpflichtig werden, könnte vielleicht einen positiven Effekt für Grafenberg haben. Durch die zusätzlichen Kosten für Speditions- und Logistikunternehmen rollen vielleicht bald weniger Lkw durch die Gemeinde, denn ab 7,5 Tonnen muss gezahlt werden.

Bürgermeisterin Annette Bauer bestätigt, dass der Verkehr „nach wie vor sehr belastend für die Ortsmitte“ ist. Und ergänzt: „Wir wären dankbar, wenn sich hier schon vor der Fertigstellung der Ortsumfahrung eine Entlastung einstellen würde.“ Ob sich eine spürbare Veränderung für Grafenberg einstellt, bleibt aber abzuwarten.Anne Laaß