Zwischen Neckar und Alb

Sie fahnden weltweit nach Gepäck

Fliegen Verlorene Koffer, Handys oder Kinderwagen spürt das Team von „Lost and Found“ am Stuttgarter Flughafen auf und ermittelt die Besitzer. Für Gepäckstücke gibt es ein weltweites Ermittlungssystem. Von Elisabeth Maier

Beim Aussteigen aus dem Flugzeug rutscht das Mobiltelefon aus der Jackentasche. Als das Handy eine halbe Stunde später im Bus fehlt, gibt es erst mal ein böses Erwachen. Und die Hoffnung, das Gerät im eng getakteten Flughafenbetrieb wiederzufinden, ist gering. Ob eine Mail an das „Lost-and-Found“-Büro der Stuttgart Ground Services hilft, das Telefon mit all den Kontakten und Daten wiederzufinden? Nach vier Stunden die verblüffende Nachricht per Mail: Das gute Stück ist wieder aufgetaucht und darf ab Flughafen abgeholt werden. Zwar kostet das 25 Euro Bearbeitungsgebühr, aber das ist die Sache wert.

„Es ist sehr aufwendig, so ein elektronisches Gerät vom Flugzeug ins Flughafengebäude zu bekommen“, erzählt Christian Rose, der stellvertretende Chef der Stuttgart Ground Services (SGS). Denn das Handy wird mehrfach kontrolliert und dann in einer Plastiktüte sicher versiegelt. Dann kommt es in einen Tresor.

Die Tochterfirma des Flughafens kümmert sich nicht nur um die Fundsachen, die Passagiere im Flugzeug oder in den Vorfeldbussen liegen lassen oder vergessen. Auch verlorene oder fehlgeleitete Koffer, die am Stuttgarter Flughafen stranden, werden dort erst mal gelagert. „Den Besitzer zu ermitteln, ist manchmal sehr schwierig“, sagt Joannis Bezirgiannidis, der Abteilungsleiter von „Lost and Found“ (deutsch: verloren und gefunden). Denn immer mehr Passagiere vergessen, ihren Koffer mit Adressetiketten oder -aufklebern zu versehen. „Die kann man sich auch beim Check-in noch holen“, sagt der Manager. Da es häufig vorkomme, dass solche Etiketten abfallen, rät der Experte, einen Zettel oder einen Aufkleber mit Adresse und Telefonnummer auch im Koffer oder in der Tasche anzubringen. „Wenn wir das Gepäck öffnen müssen, haben wir so den Kontakt und können uns melden.“

Weltweite Koffersuche

Mit dem weltweiten Suchsystem „World Tracer“ lässt sich nach Bezirgiannidis’ Worten auf Flughäfen weltweit nach Gepäckstücken suchen. Wenn ein Koffer, der für Stuttgart bestimmt war, versehentlich in eine Maschine nach Rio de Janeiro verladen wird, schicken die Mitarbeiter dort das Gepäckstück sofort zurück. „Das kann ein paar Tage dauern“, sagt der Manager. „Aber in der Regel sind die Passagiere schon glücklich, wenn sie wissen, dass die Sachen auf dem Weg nach Stuttgart sind.“ Meist werden die Koffer und Taschen auch nach Hause geliefert, wenn etwas verloren geht. „Manche Airlines haben Kulturbeutel mit Zahnbürste und einem T-Shirt für die betroffenen Passagiere.“ Aber gerade bei den Billigfliegern ist dieser Service oft nicht inklusive.

Dass in den vergessenen Koffern, die niemand abholt, manchmal Frischfleisch transportiert werde, ärgert die Mitarbeiter. „Dann trieft nach Tagen der Saft aus der Wäsche“, schildert der Manager seine Erfahrungen. Immer wieder kommt es nach den Worten von Christian Rose vor, dass Baby-Buggys, Kinderwagen, Koffer oder sonstige sperrigen Gegenstände nicht abgeholt werden. „Wir bewahren sie eine Weile auf, aber dann werden sie versteigert.“ Diese Veranstaltung ist auf dem Flughafen sehr beliebt. Für einen guten Zweck können Passagiere die Gepäckstücke erwerben - und zwar ohne zu wissen, was deren Inhalt ist. Was ist das merkwürdigste, was in den Regalen der Fundsachenstelle landet? „Neulich kam ein einzelner Kinderschuh bei uns an“, erzählt Bezirgiannidis lachend. Den habe dann auch niemand mehr abgeholt.

Immer mehr Brillen, Bücher und Handys treffen bei „Lost and Found“ ein. Auch diese Dinge bleiben oft liegen und gehen nach gewisser Zeit ans Fundamt in Stuttgart.

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