Zwischen Neckar und Alb

Sie fand eine Heimat in der Sprache

Porträt Die Exil-Lyrikerin Rose Ausländer fasziniert den Esslinger Harald Vogel seit Jahren. Am Sonntag würdigt er ihr Werk.

Foto: Roberto Bulgrin
Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen. „Schreiben war Leben. Überleben“, hat die Lyrikerin Rose Ausländer notiert. Diese Worte verraten viel über die bekannteste deutschsprachige Lyrikerin jüdischer Herkunft. Ihr Tod liegt 30 Jahre zurück, doch ihre Werke klingen bis heute nach. Und sie werden wohl nie verklingen, weil es ihr gelang, in ihren Texten Vergangenes zu bewahren, Gegenwärtiges zu reflektieren und den Blick für Zukünftiges zu weiten. Dichter wie Rose Ausländer sind dem Esslinger Literaturprofessor Harald Vogel ein Herzensanliegen: „Wenn ich ihre Werke lese, tauche ich tief in ihre Gedankenwelt ein und halte innere Zwiesprache mit ihnen.“ Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, das literarische Werk bedeutender Poeten in ihrer ganzen Faszination erlebbar zu machen. Rose Ausländer nimmt in seiner Arbeit einen besonderen Rang ein. Harald Vogel betreut ihren lyrischen Nachlass und leitet das Digitalisierungsprojekt zur Rettung ihrer Manuskripte und Typoskripte.

Heimatverlust und Heimatsuche

Heimatverlust und Heimatsuche sind prägende Aspekte in Rose Ausländers Leben. Sie wurde 1901 in Czernowitz geboren und erlebte ihre Schulzeit in einer vielsprachigen und multikulturellen Heimat. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges und dem Einmarsch der Hitler-Truppen musste sie Getto und die Folgen des Holocaust erleiden. Ihre Mutter und viele ihrer Freunde wurden in Arbeitslagern ermordet, sie konnte sich ins Exil retten. „Weil sie über weite Strecken ihres Lebens nicht heimisch werden durfte, fand sie in ihrer Sprache eine innere Heimat, aus der keiner sie je vertreiben konnte“, sagt Vogel.

Es gibt nicht viele, die so profund über Rose Ausländer und ihr dichterisches Werk sprechen können wie der Esslinger Literaturprofessor, der die Lyrik-Bühne gründete. Er ist überzeugt: „Wenn man sich die Muße zur inneren Zwiesprache nicht mehr gönnt, verarmen die eigenen Gedanken.“ Alexander Maier

Info Die Lyrik-Bühne würdigt die deutsch-jüdische Dichterin anlässlich des 30. Todestages in einer Matinee am morgigen Sonntag, 11. Februar, um 11 Uhr bei den Galgenstricken. Harald Vogel und Kollegen führen ein lyrisch-musikalisches Porträt von Rose Ausländer auf. Karten gibt es unter der Telefonnummer 07 11/35 44 44.

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