Zwischen Neckar und Alb

Sie wollen alles rausholen

Jugendarbeit In Esslingen sollen sich der Landkreis und die Kommunen künftig stärker an der Finanzierung des Kreisjugendrings beteiligen. Den bisherigen Fehleranalysen widerspricht die neue Leitung. Von Roland Kurz

Ralph Rieck, pädagogischer Geschäftsführer des Kreisjugendrings, und die neue kaufmännische Geschäftsführerin Stefanie Eisele se
Ralph Rieck, pädagogischer Geschäftsführer des Kreisjugendrings, und die neue kaufmännische Geschäftsführerin Stefanie Eisele setzen auf Projektarbeiten, um innovative Konzepte zu erproben. Foto: Roberto Bulgrin

Finanziell ist der Kreisjugendring Esslingen (KJR) wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangt. Führungs- und Kontrollstrukturen wurden wegen der Finanzkrise 2014/2015 neu geordnet. Die Finanzierung von Projekten soll neu geregelt werden, die Kosten der Freizeitheime sind ein offener Punkt, und nach wie vor sind keine neuen Verträge mit den Kommunen abgeschlossen worden.

Als eine Ursache für den Engpass des KJR war die unzureichende Finanzierung von manchen Projekten ausfindig gemacht worden. Diese Einschätzung teilen KJR-Vorsitzender Dieter Pahlke und Geschäftsführer Ralph Rieck heute nur noch begrenzt. Auch die neue kaufmännische Geschäftsführerin Stefanie Eisele sieht manches anders als die externen Gutachter und Berater, die der Landkreis damals zurate gezogen hatte. Der KJR sei keineswegs am Rand der Insolvenz gestanden, sagt Ei­sele. Die Projekte seien durch die Zuschüsse „in sich schon kostendeckend“ gewesen, meint Rieck, aber die damit verbundenen Verwaltungskosten seien nicht über die Zuschüsse abgedeckt. In der Wendlinger Geschäftsstelle sei jedoch eine Mitarbeiterin fast nur mit den Projekten beschäftigt.

Mehr Projekte wagen

Projekte sind für Rieck der „Motor des KJR“: Damit könne man innovative Konzepte zu neuen Fragestellungen erproben, das sei vorausschauende Sozialarbeit, und genau das verlange die Politik ja von einem Jugendring. Rieck wagt einen Vergleich: „Beim Daimler kommt doch auch keiner auf die Idee, dass Entwicklungsarbeit Geld einspielen muss.“

In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Kommunen mit 12 Prozent an den Kosten für diesen institutionellen „Überbau“ beteiligt. Das reichte nicht. Deshalb werden sich künftig Landkreis und Kommunen mit je 13 Prozent beteiligen. Diese Regelung wird aber für alle Träger der Jugendarbeit gelten, nicht nur für den Kreisjugendring als größtem Akteur auf dem Feld. Das neu eingerichtete Kreisjugendreferat im Landratsamt werde die vorgeschlagenen Projekte trägerneutral prüfen, sagt Frank Buß, der Vorsitzende des KJR-Verwaltungsrats. Dabei müsse genau hingeschaut werden, ob das Projekt im Rahmen des „Esslinger Modells“, also der Jugendhausarbeit, laufe oder ein kommunales Projekt sei oder ob es sich um eine Jugendhilfe-Aufgabe des Landkreises handle.

Als der KJR haushaltstechnisch in der Bredouille steckte, griffen ihm die Standort-Kommunen unter die Arme. Sie gewährten ihm eine Verwaltungspauschale. Einige Kommunen wollen aber, dass die Zusammenarbeit bei Schulsozialarbeit und Jugendarbeit vertraglich neu geregelt wird. Die Stadt Ostfildern, einer der größten Kunden des KJR, hat den alten Vertrag vorsorglich gekündigt. Nun ist eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Kommunen, Kreisverwaltung und KJR dabei, Musterverträge zu erarbeiten. Dieter Pahlke und Ralph Rieck sind von der ganzen Juristerei nicht so begeistert. Bisher habe man vor Ort mit Jugendbeiräten und pädagogischen Partnern ein passgenaues Angebot ausgearbeitet, nicht am Schreibtisch, sagt Rieck. Das KJR-Büro sei doch keine Konzernzentrale. Sein Verständnis von Jugendarbeit: „Die Ackerstreifen definieren, aber dazwischen sollen viele bunte Blumen blühen.“

So würde es ein Bürgermeister zwar nie ausdrücken, aber vielleicht liegen Frank Buß und Ralph Rieck nicht so weit auseinander. Es gehe um Rahmenverträge, sagt Buß. Die Entwürfe für die Bereiche Schulsozialarbeit und kommunale Dienstleistungen sollen in der nächsten Sitzung des Jugendhilfe-Ausschusses vorgestellt werden. Werden sie von den Kreisräten akzeptiert, könne der KJR in konkrete Verhandlungen mit den Kommunen eintreten. Den Vertrag zum „Esslinger Modell“ - es regelt die Kostenteilung zwischen Kommunen und Kreis für die Jugendhäuser - müsse man nochmals grundlegend mit den Kreisräten diskutieren. Die meisten Bürgermeister sähen die Jugendhäuser als eine kommunale Einrichtung, sagt Buß. Deshalb müsse man Aufgaben und Pflichten sauber regeln. Die inhaltliche Arbeit müssten dann aber die Sozialpädagogen in Abstimmung mit der Kommune festlegen. Deshalb werde Jugendarbeit immer in jeder Kommune anders funktionieren. Im Lauf des Jahres werde der Kreis den Konsolidierungsprozess des KJR bewerten, weiß Buß. Er erwartet sich manche Erkenntnisse.

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