Zwischen Neckar und Alb

Sigmar Gabriel als Überraschungsgast

Abschied Der Nürtinger SPD-Bundestagsabgeordnete Rainer Arnold beendet Politkarriere. Überraschend schaut auch der Außenminister bei der Abschieds-Sause in Unterensingen vorbei. Von Sylvia Gierlichs

Rainer Arnold übergibt das Staffelholz an Nils Schmid. In der Mitte der SPD-Kreisvorsitzende Michael Beck.Foto: Sylvia Gierlichs
Rainer Arnold übergibt das Staffelholz an Nils Schmid. In der Mitte der SPD-Kreisvorsitzende Michael Beck.Foto: Sylvia Gierlichs

Nach 19 Jahren, fünf Amtsperioden, sechs Verteidigungsministern, 1 171 Plenarsitzungen und 537 Sitzungen des Verteidigungsausschusses verabschiedete sich Rainer Arnold, SPD-Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Nürtingen, im Unterensinger Udeon in den Ruhestand.

Das erste Lied war gerade verklungen, und der SPD-Kreisvorsitzende Michael Beck hatte die lange Liste der Ehrengäste (darunter Nils Schmid, Ute Vogt, Leni Breymaier, Wolfgang Drexler, der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich und etliche Bürgermeister, nicht nur von der SPD) vorgelesen, da ging ein lautes „Wow“ durch die Reihen der etwa 300 Gäste. Denn durch den Mittelgang schritt ein ganz besonderer Gast: Außenminister Sigmar Gabriel hatte es sich nicht nehmen lassen, Arnold seine Wertschätzung für 19 Jahre Arbeit im Deutschen Bundestag auszudrücken. „Rainer Arnold ist eine besondere Persönlichkeit im Bundestag und wird dort auch fehlen. Er war einer, der eine eigene Meinung hatte und die, zum Leidwesen des deutschen Außenministers, auch kundtat. Und wenn man anderer Meinung war, änderte sich daran nichts“, sagte Gabriel und bescheinigte dem Nürtinger Bundestagsabgeordneten, der Verantwortung nie ausgewichen zu sein - ein Politiker mit Bodenhaftung und Weitblick. Bodenhaftung auch deswegen, weil Arnold von der Basis kommt, den Ortsverein Wolfschlugen und den Kreisverband geführt hatte, bevor er 1998 erstmals in den Bundestag gewählt worden war.

Die Verteidigungspolitik sei kein Wohlfühlthema. Es gehe um Leben und Tod - „nicht das eigene Leben, sondern das von anderen. Du hast mit einer Erfahrung und Sensibilität dafür gesorgt, dass wir als Abgeordnete die Entscheidung über die Entsendung nach bestem Wissen und Gewissen treffen konnten“, so Gabriel. Und Arnold habe sich immer gefragt: Wie werde ich meiner Verantwortung am besten gerecht. Bei der Entsendung der Truppen ebenso wie bei der Ausstattung der Peshmerga mit deutschen Waffen und Munition. Dabei, so sagte Arnold selbst, habe er sich um den Posten als verteidigungspolitischer Sprecher der SPD nicht gerissen. „Einer musste es machen, und es hieß: Rainer Arnold, du bist es.“

Menschlichkeit, Energie und Kollegialität hätten Arnold ausgezeichnet, sagte die Landesvorsitzende der SPD, Leni Breymeyer: „Du warst ein Superrepräsentant für die SPD, und darauf sind wir alle stolz.“

Nein, Talkshows waren es nicht, die Rainer Arnold als Ort der politischen Auseinandersetzung wählte. Doch in einer Art Mini-Talkrunde beantwortete er die Fragen des Journalisten Theo Rombach. Dabei blickte er - wie immer, möchte man sagen - nach vorne und plädierte dafür, für Veränderungen offen zu sein. „Nur wenn sich unser Land ständig verändert, werden wir Wohlstand und Freiheit erhalten können“, lautet sein Rat. Ob er das Leben als Abgeordneter für ein erstrebenswertes Leben halte? „Wir machen das ja freiwillig. Wer es nicht will, soll es lassen“, lautete Arnolds Antwort.

Ein kurzweiliger Nachmittag, bei dem die Musik nicht zu kurz kommen durfte. Und so sang der Gitarrist Werner Dannemann „I gründ a Partei“. Und Rainer Arnold den Tom-Waits-Klassiker „Time“. Auf Schwäbisch. Und als alle Gratulanten gesprochen hatten und der Staffelstab an Nachfolger Nils Schmid übergeben war, da setzte sich Rainer Arnold auch noch ans Schlagzeug. Mit den Gitarristen Rüdiger Gelhausen und Werner Dannemann, Horia Ioan (E-Piano), Johannes Stortz (Posaune) und dem Kirchheimer SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Kenner (Mundharmonika) gab er eine schwäbische Version des Blues-Brother-Hits „Sweet home Chicago“ zum Besten. Das konnte natürlich nicht ohne Zugabe bleiben, und so spielte die Band auch noch den Elvis-Hit „Blue suede shoes“. Am Sonntag brachen Arnold und seine Frau Margit zu einer Reise mit dem Wohnmobil auf - nach Berlin.

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